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Das Impfen darf nicht am Geld scheitern

Um den Vorrat an Impfstoff in Sachsen zu verteilen, müssen die Impfzentren ausgebaut werden. Notfalls müssen andere Projekte warten. Ein Kommentar.

SZ-Redakteurin Karin Schlottmann über den Ausbau der Impfzentren in Sachsen.
SZ-Redakteurin Karin Schlottmann über den Ausbau der Impfzentren in Sachsen. © dpa

Die Corona-Schutzimpfungen entwickeln sich zu einem Debakel, wenn Bund und Länder nicht schleunigst umdenken. Impfen hilft, das beweisen die Infektionszahlen bei Senioren und Pflegeheimbewohnern. Warum aber schafft es das Land nicht, die Impfstoffe schneller und unbürokratischer an die übrigen Altersgruppen zu verteilen und dadurch Leben, Gesundheit und Wirtschaft wirksam zu schützen?

Wenn die Virusmutationen so bedrohlich sind, wie die Landesregierung sagt, ist es widersinnig, zigtausende Dosen Impfstoff in Kühlschränken zu horten. Über die hohen Honorarforderungen der Impfärzte kann man streiten. Aber die Menschen erwarten zu Recht, dass sich die Landesregierung zusammenrauft und alle gemeinsam daran arbeiten, höhere Kapazitäten in den Impfzentren zu finanzieren. Notfalls müssen andere, weniger wichtige Projekte warten.

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Eines der größten Hemmnisse ist die Überregulierung. In der Phase niedriger Liefermengen war es richtig, sich zunächst auf Ältere und Krankenhauspersonal zu konzentrieren. Nun ist Mangelverwaltung nicht mehr nötig – im Gegenteil, sie behindert den nötigen schnellen Erfolg. Gerechtigkeit beim Impfen ist schön und gut und viele Bürger legen zu recht allergrößten Wert auf ethisch einwandfreie Regeln. Wer sich aber die Prioritätenliste der Bundesregierung einmal genauer ansieht, wird feststellen, dass diese Detailverliebtheit zu weit geht. Tausende Anrufer täglich wollen vom Roten Kreuz wissen, ob sie mit ihrer speziellen Vorerkrankung einen Termin erhalten und welche Nachweise sie vorlegen müssen. Dies sollte Hinweis genug sein, wie man Menschen verunsichern und Ressourcen verschwenden kann.

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Es bleibt das Geheimnis des sächsischen Ministerpräsidenten, warum er über eine Impfpflicht philosophiert, obwohl die Nachfrage immer noch deutlich höher ist als das Angebot. Anstatt mit widersprüchlichen Ansagen um die Ecke zu kommen, sollte Michael Kretschmer liefern. Möglicherweise bietet ein Besuch in einem Impfzentrum Anregungen für die nächste Ministerpräsidentenrunde zum Thema Impfkonzept.

E-Mail an Karin Schlottmann

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