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Sächsische Impfkommission empfiehlt Kinder-Impfung

Die Sächsische Impfkommission hat ihre Empfehlung für die Impfung von Kindern ab fünf Jahren veröffentlicht. Sie gilt ab dem 1. Dezember.

Von Susanne Sodan
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In den USA ist die Kinder-Impfung schon länger zugelassen, in Deutschland macht Sachsen den Anfang.
In den USA ist die Kinder-Impfung schon länger zugelassen, in Deutschland macht Sachsen den Anfang. © AP

In Sachsen können sich bald auch Kinder zwischen fünf und elf Jahren gegen das Coronavirus impfen lassen. Das sagte Hans-Christian Gottschalk, Görlitzer Kinderarzt und Mitglied der Sächsischen Impfkommission (Siko), unserer Redaktion.

  • Am frühen Abend hat die Siko ihre Empfehlung veröffentlicht.

Kann-Empfehlung für alle Kinder

Wie bei der Empfehlung für Jugendliche ist es zunächst keine uneingeschränkte Empfehlung, aber es gibt auch keine Eingrenzung - sondern, es ist ein Zwischending. "Wir geben eine eindeutige Empfehlung für Kinder mit gesundheitlichen Risiken", erklärt Gottschalk. Ebenso für Kinder, die Kontakt haben zu Menschen mit erhöhtem Risiko. Wie zunächst bei den Jugendlichen gibt es für alle anderen Kinder zwischen fünf und elf Jahren eine Kann-Regelung. Allen Kindern und ihren Eltern, die sich zur Impfung entschieden haben, kann diese demnach auch gegeben werden. Die Empfehlung soll ab 1. Dezember Gültigkeit haben.

Wie Hans-Christian Gottschalk sagt, sei es aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens sehr wichtig, die Kinderimpfung schnell umzusetzen. "Das Virus läuft gerade heftig durch die Kinder durch." Sehr selten sind bislang Kinder an einer Corona-Infektion verstorben, das Risiko für Long Covid sei aber durchaus da, erklärt Gottschalk. Für Kinder gefährlich bei einer Covid-Erkrankung: Wenn das Pädiatrie Inflammatory Multisystem Syndrom (PIMS), eine Multi-Entzündungserkrankung, auftritt. Die Impfung könne beides wirksam verhindern.

Wann kommt der Impfstoff?

Ein Problem: An der Zulassungsstudie haben nur 3.100 Kinder teilgenommen. Das bedeutet, dass die Frage nach seltenen unerwünschten Wirkungen wie einer leichten Herzmuskelentzündung noch nicht abschließend geklärt sei. "Bislang allerdings sieht es so aus, dass sich eher eine Minderung dieses Risikos abzeichnet." Insgesamt scheinen die Impfreaktionen bei Kindern geringer auszufallen als in anderen Altersgruppen. Auf jeden Fall überwiege der Nutzen klar die möglichen Nebenwirkungen.

Das zweite Problem: Auch die EMA, also die europäische Arzneimittelbehörde hat die Kinderimpfung zugelassen, mittels Biontech. Allerdings erhalten Kinder geringere Dosen, für die es extra Ampullen gibt. Und diese sollen erst am 20. Dezember in Deutschland geliefert werden. Die für Kinder vorgesehene Dosis könne theoretisch auch aus einer Erwachsenen-Ampulle - mit bestimmten Berechnungen - entnommen werden. Allerdings habe die EMA ihre Zulassung abhängig gemacht von der ausschließlichen Verwendung der Kinder-Vials. Kindern eine verringerte Erwachsenen-Dosis zu verabreichen ist damit nicht verboten, erklärt Gottschalk, aber Eltern haben dann tatsächlich keinen Anspruch auf Schadenersatz sollte es zu einer sehr seltenen, schweren Nebenwirkung kommen.

Oder: Es erfüllt sich der Wunsch der Gesundheitsministerkonferenz, die die EU-Kommission aufgefordert hat, die Auslieferung des Kinderimpfstoffes möglichst rasch in die Wege zu leiten, "und noch vor dem angekündigten 20. Dezember 2021 vorzuziehen."

Insgesamt fürchtet Gottschalk, dass die Kinder-Impfung zu spät kommt. Im Moment infizieren sich mehr und mehr Kinder. Während einer Infektion zu impfen, davon würde Gottschalk abraten. "Das würde dann schon für recht heftige Impfreaktionen sorgen", nimmt er an. Und wenn die Kinder die Infektion überstanden haben, haben sie zunächst ausreichend Antikörper. "Dann können wir später über eine Impfung sprechen."