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SOE: Impfstart bei den Hausärzten

18 bis 50 Impfdosen pro Woche und Praxis: Wie Ärzte jetzt das Impfen organisieren.

Gibt's jetzt auch beim Hausarzt: Die Impfung gegen Corona.
Gibt's jetzt auch beim Hausarzt: Die Impfung gegen Corona. © dpa

Entweder haben die Hausarzt-Praxen in der Woche nach Ostern Urlaub oder das Telefon klingelt unentwegt. Denn der Impfstart in den Praxen wurde von vielen sehnsüchtig erwartet. Die 80-jährige Isolde Bäcker in Pirna etwa hofft, so zu jenem Impftermin zu kommen, den Bekannte im Internet noch immer nicht vereinbaren konnten. Außerdem fühlt sie sich bei ihrer Hausärztin sicherer und besser aufgehoben. "Sie kennt mich ja am besten und weiß, was ich wie vertrage", sagt die alleinstehende Seniorin.

18 Corona-Impfdosen auf drei Tage verteilt

Die Organisation des Impfens in den Praxen ist unterschiedlich. Bei Sabine Pirnbaum in Pirna konnten sich Patienten schon vor Ostern auf eine Liste setzen lassen. Nachdem das zögerlich wahrgenommen wurde, ist am Dienstag eine Schwester fast nur mit dem Annehmen der Telefonate beschäftigt. Die voraussichtlich 18 Impfdosen, die jede Praxis pro Woche erhalten soll, hat Sabine Pirnbaum auf drei Tage verteilt. Die ersten Termine sollen am Dienstagnachmittag sein. Am späten Vormittag waren die Impfdosen noch nicht da. "Wir sind optimistisch", sagt Sabine Pirnbaum.

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Der Heidenauer Arzt Sebastian Denzin gehört zu denen, die schon seit einiger Zeit darauf brennen, endlich ihre Patienten gegen Covid impfen zu können. Und nun hat er ausgerechnet Dienstag und Mittwoch noch Urlaub. Doch in seiner Praxisgemeinschaft hofft er trotzdem auf den Impfstart. "Wenn denn überhaupt wirklich Impfstoff geliefert wird", sagte er vor Ostern. "Ich glaube es erst, wenn er im Kühlschrank steht." Nichtsdestotrotz ist alles vorbereitet. Die Praxis hat eine Liste mit Impfkandidaten nach Prioritätenliste vorbereitet. Viele Patienten haben schon in den vergangenen drei Wochen gefragt, wann und wie sie in der Praxis geimpft werden können. Doch nun wird wie bei Sabine Pirnbaum befürchtet, dass die Telefone nicht mehr stillstehen.

Dritte Welle schon vor Wochen vorausgesagt

Die nächste Frage ist natürlich, dass die beste Organisation nichts nützt, wenn Lieferungen nicht kommen oder nicht in der angekündigten Anzahl. Trotz des organisatorischen Aufwandes in den Praxen sind Ärzte wie Denzin überzeugt, dass die das schneller schaffen als die Testzentren. Eine strenge Priorisierung werde dann allerdings kaum mehr möglich sein. "Rückblickend wird man vermutlich erkennen, dass die mühsam zu kommunizierende Priorisierung den Impffortschritt und die Pandemieeindämmung eher behindert hat", sagt Denzin. Er hat schon Anfang März die unausweichliche dritte Welle in zwei bis vier Wochen vorausgesagt und gleichzeitig auf Lockerungen gehofft. "Meines Erachtens überwiegen mittlerweile die seelischen Schäden bei Kindern, Jugendlichen und ganzen Familien die gesamtgesellschaftlichen Folgen einer unbestreitbaren Covid-bedingten Übersterblichkeit unter alten Menschen deutlich."

Denzin hat schon Anfang März die unausweichliche dritte Welle in zwei bis vier Wochen vorausgesagt und gleichzeitig auf Lockerungen gehofft. "Meines Erachtens überwiegen mittlerweile die seelischen Schäden bei Kindern, Jugendlichen und ganzen Familien die gesamtgesellschaftlichen Folgen einer unbestreitbaren Covid-bedingten Übersterblichkeit unter alten Menschen deutlich."

Termine gibt es, wenn die Lieferbestätigung da ist

Die Praxis Wegner in Königstein hat ihren Patienten auf der Internetseite mitgeteilt, voraussichtlich ab 12. April gegen das Coronavirus zu impfen. Sobald man die Lieferbestätigung des Impfstoffs habe, werde man Termine veröffentlichen. Doch da weiterhin Impfstoffknappheit bestehe, wird nach wie vor nach Priorisierungsliste geimpft. Dafür kann man auch auf der Internetseite seine Angaben eingeben. Trotzdem klingelt auch hier das Telefon unaufhörlich.

Neustädter Praxis ruft Kandidaten selbst an

Silke Benusch in Neustadt hat am Dienstagnachmittag gegen 15 Uhr ihre 18 Biontech-Impfdosen für diese Woche bekommen. Am Mittwochnachmittag startet die erste Impfsprechstunde. Dafür sind vorige Woche Patienten nach Priorität angerufen wurden, die sich auf eine Liste setzen ließen. Je nachdem wie es am Mittwoch läuft, wird sie für die nächsten Wochen mehr Impfdosen bestellen, bis zu 50 pro Woche pro Praxis sind möglich, und eine zweite Impfsprechstunde außerhalb der eigentlichen Sprechzeiten einrichten. Es geht aber auch nicht schneller, wenn nun alle anrufen, sagt sie. Der Beratungsbedarf ist nach wie vor groß und alles ein enormer Aufwand für die Praxen. "Schade, dass man uns nicht eher einbezogen hat", sagt Silke Benusch.

Die Hoffnung ist groß, dass mit den Hausärzten die deutsche Impf-Schnecke in Gang kommt. Doch die Ärzte machen klar: Wir können so gut vorbereitet sein wie wir wollen, wir können nur impfen, was wir haben. Silke Benusch warnt davor, zu hoffen, dass die Hausärzte in ein paar Wochen aufholen, was drei Monate versäumt wurde. "Aber an uns wird es nicht liegen."

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