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Corona: Dresden will Impftaxis einführen

Für viele Impfwillige ist der Weg in die Messe eine halbe Weltreise. Dresdens OB möchte nun für fahrbaren Untersatz sorgen und diesen bezahlen - zumindest anteilig.

Dresdens Taxifahrer sollen Rentner zum Impfzentrum in die Messe chauffieren. Zu einem geringen Preis, wenn es nach dem Willen von Oberbürgermeister Dirk Hilbert geht.
Dresdens Taxifahrer sollen Rentner zum Impfzentrum in die Messe chauffieren. Zu einem geringen Preis, wenn es nach dem Willen von Oberbürgermeister Dirk Hilbert geht. © Sven Ellger (Symbolbild)

Dresden. Auf den Impfungen gegen Corona ruhen derzeit viele Hoffnungen. Doch es gibt nur schleppend Termine im Dresdner Impfzentrum. Außerdem fragen sich viele Senioren, wie sie überhaupt zur Messe gelangen sollen. Viele fahren nicht mehr Auto, mit Bus und Bahn ist es oft beschwerlich im hohen Alter. Und Kinder und Enkelkinder leben womöglich nicht mehr in der Gegend. Deshalb will die Stadt Dresden nun ein Impftaxi ins Leben rufen. Für wen es fahren soll, was zugezahlt werden müsste und wie breit die Zustimmung ist - das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Plan.

Für wen sollen die Impftaxis fahren?

Voraussetzung Nummer eins: Die Impf-Patienten wohnen in Dresden und haben das 80. Lebensjahr vollendet. Voraussetzung Nummer zwei: Die Senioren erfahren in ihrem privaten Umfeld keine Unterstützung. Der Weg mit Bus und Bahn wäre für sie unzumutbar oder sehr beschwerlich.

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Zwar könnten sich Senioren selbst ein Taxi bestellen. Je nachdem, wo man lebt, kann das aber sehr kostspielig werden. Wer zum Beispiel in Prohlis wohnt, müsste pro Strecke mit rund 30 Euro rechnen. Hin und zurück macht das 60 Euro. Der Preis müsste zweimal gezahlt werden, schließlich ist eine zweite Impfung nötig. Auch aus diesem Grund will die Stadt helfen. Denn es gebe bundesweit keine einheitliche Regelung zur Übernahme von Fahrtkosten oder zur Bereitstellung von Fahrdiensten zum Impfzentrum, heißt es in der Vorlage.

Tatsächlich hätten sich all jene, die nicht vom mobilen Impfteam besucht werden, eigenverantwortlich um die Fahrt ins Impfzentrum zu bemühen, heißt es von der AOK Plus. "Die Rechnung für Taxi, Mietwagen, Bus oder Bahn übernehmen sie in der Regel selbst."

Anspruch auf Kostenübernahme durch die Krankenkassen haben in der Regel nur Menschen mit einem höheren Pflegegrad sowie Schwerbehinderte, wenn etwa eine außergewöhnliche Gehbehinderung oder Blindheit vorliegt. In diesen Fällen müssen für Taxifahrten zum Impfzentrum fünf Euro pro Strecke zugezahlt werden.

Wie viele über 80-Jährige könnten das Taxi nutzen?

Insgesamt leben rund 44.337 Menschen in Dresden, die 80 Jahre und älter sind. Zieht man die 6.532 Menschen in dieser Altersgruppe ab, die in Heimen leben, sowie die 7.195 Personen, die Anspruch auf einen Krankentransportschein haben, blieben etwa potenzielle 30.000 Impftaxi-Kunden. Wobei einige von ihnen mit ihrem gleichaltrigen Ehepartner einen gemeinsamen Impftermin wahrnehmen könnten. Das treffe laut Verwaltung auf 11.000 zu.

Wer soll die Fahrten durchführen?

Für das Impftaxi will die Stadt mit der Taxigenossenschaft Dresden einen Vertrag abschließen, der neben dem Einsatz von Taxen gegebenenfalls auch die Vermittlung von Fahrten an private Mietwagenfirmen vorsieht. Darüber hinaus soll im Dienstleistungsvertrag auch ein "Service vor Ort" drin sein. Das heißt: Die Fahrer stellen sicher, dass die Senioren bis zum Eingang des Impfzentrums begleitet und anschließend dort auch wieder abgeholt werden. Die Stadt will sich mit 500.000 Euro an den Fahrdienst-Kosten beteiligen. Der Stadtrat muss darüber kommende Woche entscheiden.

Müssen die Dresdner etwas dazubezahlen?

Die Fahrgäste sollen, so der Plan, einen Eigenanteil in Höhe von zehn Euro pro Strecke zahlen. Somit fielen für die Erst- und Zweitimpfung maximal 40 Euro an - ganz gleich, in welcher Ecke der Stadt man lebt. Die Stadt will den verbleibenden Anteil der Gesamtfahrtkosten zahlen.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) plant, dafür 500.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Mit zusätzlichen Kosten von 10 Euro pro Strecke rechnet das Stadtoberhaupt pauschal. Das Geld soll aus nicht verwendeten Mitteln für den ausgefallenen Striezelmarkt kommen.

Müssen auch bedürftige Menschen etwas zahlen?

Für Personen mit Dresden-Pass soll der Eigenanteil erlassen werden. Das betrifft laut Stadt etwa 350 über 80-Jährige in Dresden. Die Stadt würde die anfallenden 9.960 Euro zahlen.

Tatsächlich haben noch mehr Menschen in der Landeshauptstadt einen Anspruch auf den Dresden-Pass. So beziehen 419 über 80-Jährige Grundsicherung im Alter. Wird diese Gruppe einbezogen, müsste die Stadt einen Eigenanteil von schätzungsweise 16.760 Euro übernehmen.

Was sagen die Stadträte?

Tatsächlich muss der Vorschlag erst noch vom Stadtrat beschlossen werden. Das müsste einigermaßen schnell passieren, da im März deutlich mehr Impfstoff geliefert werden soll und damit deutlich mehr Termine zur Verfügung stünden als zuletzt.

Die SPD unterstützt die Impftaxis, kündigt Stadträtin Viola Vogel an. In Berlin seien sie schon lange Realität und funktionierten dort gut, um besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen so schnell wie möglich impfen zu lassen.

Wichtig sei, so Vogel, dass die Menschen nicht nur vorm Impfzentrum abgesetzt, sondern auch zur Impfung begleitet werden. Dafür müsse Personal abgestellt werden. "Auch das ist Teil der Dresdner kommunalen Fürsorgepflicht, wofür wir uns im Stadtrat einsetzen."

Linken- Chef André Schollbach sagt: "Es sollte alles getan werden, um die besonders gefährdeten älteren Menschen bestmöglich vor dem Coronavirus zu schützen. Es wäre fatal, wenn sie sich in Bus und Bahn ausgerechnet auf dem Weg zum Impftermin infizieren würden."

Wäre der neue Impfbus eine Alternative für die Fahrt ins Impfzentrum?

So, wie es aussieht, nicht. Zwar haben das Sozialministerium und das Rote Kreuz am Freitag erstmals ein rollendes Impfzentrum auf Tour geschickt, das Menschen den weiten Weg zum nächsten stationären Impfzentrum ersparen soll. Erster Stopp war Bannewitz. Allerdings handelt es sich einerseits um einen Testlauf und andererseits um den Versuch, besonders jene Orte zu erreichen, die weit weg vom nächsten Impfzentrum sind.

So stehen etwa Großhartmannsdorf in Mittelsachsen und Adorf im Vogtland auf dem Fahrplan der rollenden Zentren. Sachsens DRK-Chef Rüdiger Unger spricht darüber hinaus von einer Übergangslösung auf dem Weg, Impfungen gegen das Coronavirus in Hausarztpraxen anzubieten.

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