merken
PLUS Görlitz

Impftermin ist der Lottogewinn in Corona-Zeiten

Der erste Tag nach Öffnung der Priorität 3 war turbulent. SZ-Mitarbeiter Marc Hörcher hat es dennoch geschafft, einen Termin zu ergattern.

Das Impfzentrum in Löbau: Bislang waren hier zumeist Ältere zum Impfen. Mit der Priorisierungsgruppe drei kommen nun immer mehr Jüngere.
Das Impfzentrum in Löbau: Bislang waren hier zumeist Ältere zum Impfen. Mit der Priorisierungsgruppe drei kommen nun immer mehr Jüngere. © Matthias Weber/photoweber.de

Und immer wieder diese Meldung: „Aufgrund der vielen Anfragen befinden Sie sich aktuell in der Warteschlange. Sie werden automatisch weitergeleitet, bis Kapazitäten frei werden. Wir bitten um ein paar Minuten Geduld.“

Ein paar Minuten waren es in den seltensten Fällen. Seit Mittwochabend kann sich auch die Priorisierungsgruppe 3 um einen Impftermin bemühen. Darunter zählen Personen mit Vorerkrankungen oder mit systemrelevanten Berufen, zu denen auch Journalisten gehören. Insgesamt haben sich seit Mittwoch 54.000 Personen neu registriert. Insgesamt verzeichnete das Portal laut dem DRK Sachsen 922.667 Besuche zwischen Mittwochabend und Donnerstagnacht. Das Buchungssystem der Telekom habe bewiesen, dass es binnen Stunden eine hohe Nachfrage verarbeiten kann.

Anzeige
Internationaler Tag der Pflege
Internationaler Tag der Pflege

Der Internationale Tag der Pflege findet jährlich am Geburtstag von Florence Nightingale statt.

Den Weg über das Portal zu nehmen, ist nach wie vor die dringende Empfehlung, sagt auch die Geschäftsführerin des Löbauer DRK-Kreisverbandes Silke Seeliger, die in Löbau für das Impfzentrum in der Messehalle zuständig ist. Zwar gibt es noch die telefonische Möglichkeit. Doch hier ist es fast noch aussichtsloser, durchzukommen. „Allein am 8. April waren es 230.000 Anrufe“, sagt Frau Seeliger. Zwischen Mittwoch, 18 Uhr und Donnerstag, 20 Uhr gingen wiederum 200.706 Anrufe ein. Die telefonische Kapazität beträgt aber nur um die 8.000 bis 10.000 Anrufe pro Tag.

DRK-Geschäftsführerin Silke Seeliger im Impfzentrum Löbau.
DRK-Geschäftsführerin Silke Seeliger im Impfzentrum Löbau. © Matthias Weber/photoweber.de Mat

Dann also das Impfportal. Das gibt es natürlich nicht extra für den Landkreis Görlitz oder das Löbauer Impfzentrum, nein hier landen alle Sachsen. Und nachdem nun mit der Impfgruppe 3 seit Mittwoch mehrere Tausend Impfberechtigte dazu kamen, war das zu viel für die Technik. Das twitterte das DRK am Mittwochabend auch, sprach von 75.000 neu verfügbaren Terminen zwischen dem 1. und 16. Mai. Und dann von technischen Problemen. Später gab es ein Update und den Dank an die Geduldigen.

Unter ihnen SZ-Mitarbeiter Marc Hörcher, der sich am Mittwoch ab punkt 18 Uhr um einen Termin bemühte und auch die Twittereinträge des DRK verfolgte. „Da ich Spätschicht hatte, hatte ich das Browserfenster im Hintergrund offen und habe immer mal wieder geschaut. Lange war dort nur ein Warteschlangen-Screenshot zu sehen“, berichtet er. Nach dem Beheben der technischen Probleme gelang es Marc Hörcher immerhin um 20.50 Uhr, sich zu registrieren.

Damit hat man aber noch lange keinen Impftermin, wie Silke Seeliger sagt. Das ist nur der erste Schritt. Man hat nun eine Kennung, mit der man sich zum zweiten Schritt vortasten kann: der Terminvergabe. Hier hatte Marc Hörcher noch am selben Abend Erfolg, teilte das auf seinen Kanälen und natürlich auch seinen Eltern mit. „Die haben sich sehr gefreut“, sagt er. Am 1. Mai holt er sich nun seinen Piks in Löbau ab.

Dieses Fenster haben viele Impfwillige in den vergangenen Tagen nur zu oft gesehen.
Dieses Fenster haben viele Impfwillige in den vergangenen Tagen nur zu oft gesehen. © privat
Wer es bis hierher geschafft hat, hat schon die halbe Miete. Am Mittwoch und Donnerstag sahen dieses Fenster aber nur die Allergeduldigsten.
Wer es bis hierher geschafft hat, hat schon die halbe Miete. Am Mittwoch und Donnerstag sahen dieses Fenster aber nur die Allergeduldigsten. © Screenshot/SZ

Wer das noch nicht geschafft hat, braucht wohl weiter Geduld. Wie der DRK-Landesverband am Freitag mitteilte, waren alle ab Mittwochabend zu buchenden Erstimpfungstermine bis Donnerstagnacht vergeben. "Es zeigt sich, dass die Impfzentren auf eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen und sich weiterhin viele Bürger impfen lassen wollen", heißt es in einer Pressemitteilung. Bis zum 16. Mai werden damit nun voraussichtlich fast 300.000 Termine in den sächsischen Impfzentren durchgeführt.

Wie schnell man danach einen Erstimpfungstermin bekommt, lässt sich schwer voraussagen. Es hänge einfach von zu vielen Faktoren ab, der Verfügbarkeit des Impfstoffes natürlich zuallererst, sagt Silke Seeliger. Zweimal die Woche gibt es derzeit eine Lieferung, das muss dann in den Folgetagen auch im Idealfall alles verimpft werden. Über Mengen wird aber auch aus Sicherheitsgründen nicht gesprochen.

Von dem gelieferten Impfstoff, aktuell Biontech, geht noch jener fürs mobile Impfteam sowie für die kommunalen Impfaktionen ab, die jetzt in immer mehr Orten des Landkreises zumeist von den Bürgermeistern organisiert werden.

Theoretisch sind pro Tag 1.500 Impfungen in Löbau möglich. „Natürlich müssen wir da auch schauen, wie viele zum Zweittermin kommen“, sagt Silke Seeliger. Alles was dann noch übrig bleibt, wird als freier Termin ins Netz gestellt - und auf der Plattform im Internet sichtbar, allerdings nur für diejenigen, die sich bereits registriert haben.

Ist man dann bei der Terminwahl, bekommt man mehrere Zeiten zur Auswahl und kann auch einen Partnertermin anklicken, wenn man beispielsweise als Ehepaar zusammen dran sein möchte.

Der zweite Weg - und offenbar der, den gerade viele Ältere im Moment wählen - ist der zum Hausarzt. Immer mehr Hausärzte impfen bereits oder warten auf Impfstoff, um dann loszulegen. Aktuell ist es bei den Hausärzten überwiegend der AstraZeneca-Impfstoff. Aus vielen Praxen ist zu hören, dass die Telefone kaum still stehen und Wartelisten angelegt werden.

Auch der Görlitzer Arzt Henry Hedrich, der am 1. April auch ein Testcenter vor seiner Praxis in der Innenstadt eröffnete, impft seit zwei Wochen. „Aktuell schaffen wir etwa 100 Corona-Impfungen pro Woche“, sagt er. Geplant sei, die Organisation in der Praxis umzustellen, damit noch mehr geht. „Wie mehrere andere Hausarztpraxen auch haben wir reichlich Impfstoff von AstraZeneca erhalten. Trotz der sehr guten Schutzwirkung der Impfung haben wir Schwierigkeiten, Impfwillige für den Vector-Impfstoff von AstraZeneca zu begeistern."

Henry Hedrich (re.) und Mitarbeiter Martin Winkler vor dem Testzentrum der Praxis in Görlitz.
Henry Hedrich (re.) und Mitarbeiter Martin Winkler vor dem Testzentrum der Praxis in Görlitz. © Martin Schneider

Hedrich sähe es gern, wenn dieser Impfstoff schnell an über 60-Jährige verimpft wird, um die Pandemie zügig beenden zu können. Jüngeren empfiehlt er die Impfstoffe von Biontech oder Moderna, allerdings bekommt die Praxis aktuell nur 36 Biontech-Dosen pro Woche geliefert. Wenn der erwartete Wegfall der Priorisierungen kommt und sich jeder impfen lassen kann, hofft Hedrich, auch mehr der sogenannten mRNA-Impfstoffe wie eben Moderna und Biontech zu bekommen. „Aktuell arbeiten wir mit Wartelisten, sprechen alle Patienten in unserer Praxis auf das Impfthema an“, sagt der Mediziner.

Ab nächster Woche sollen alle Patienten systematisch angerufen werden, um den Impfstatus zu klären und Termine zu vereinbaren. Mittlerweile höre er von vielen älteren Patienten, dass sie in Löbau bereits geimpft wurden. „Das macht Hoffnung, denn bei gleichbleibender oder sogar steigender Impfgeschwindigkeit durch das Einbinden der Hausärzte könnten wir so in drei Monaten eine ausreichende Herdenimmunität erreicht haben.“

Dieses Ziel hat er vor Augen und das war es auch, was ihn zum Einrichten des Testcenters bewogen hatte. Hier werden zurzeit etwa 60 bis 100 Personen täglich getestet. Dabei wurden bislang vier Infizierte, die keine Symptome hatten, entdeckt.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz