merken
PLUS Sachsen

Fast drei Viertel der Sachsen wollen Impfung

Einer SZ-Umfrage zufolge ist die Impfbereitschaft hoch. Jedoch wollen die Sachsen nicht irgendeinen Corona-Impfstoff, sondern haben klare Favoriten.

Ampullen der derzeit in Deutschland eingesetzten Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca.
Ampullen der derzeit in Deutschland eingesetzten Corona-Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca. © Luka Dakskobler/dpa

Dresden. Das wirksamste Mittel gegen die Corona-Pandemie ist das Impfen. Darüber herrscht breite Einigkeit in der Wissenschaft und der Politik. Aber auch in der Bevölkerung? Dem Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Meinungsforscher von Civey zufolge kann man schlussfolgern: überwiegend ja. Demnach geben mehr als drei Viertel (77,1 Prozent) der Deutschen an, dass sie sich impfen lassen wollen, sobald ihnen das ermöglicht werde.

Die Bereitschaft zum Impfen ist also groß unter denen, die bisher noch nicht an der Reihe sind. Auch in Sachsen. Das Teilergebnis der Umfrage zeigt, dass im Freistaat die Impfwilligen ebenfalls deutlich in der Mehrheit zu sein scheinen. 69,4 Prozent sagen, dass sie sich immunisieren lassen möchten. Ein Viertel der befragten Sachsen (24,0 Prozent) lehnt das jedoch ab. Rund 6 Prozent sind unentschieden.

Anzeige
Der Eyecatcher beim Roadtrip
Der Eyecatcher beim Roadtrip

Ein Gefühl von Freiheit schnuppern, den Alltagsstress vergessen und viel PS genießen - ein Trike bietet den perfekten Fahrspaß für Individualisten.

Bewahrheiten sich diese Zahlen dürfte das Erreichen der Herdenimmunität gelingen. Epidemiologen geben als kritische Marke meist an, dass dafür etwa zwei Drittel der Menschen einen Impfschutz bräuchten. Doch die Bereitschaft allein reicht nicht. Es kommt auch auf das Impftempo an. Und das ist in Deutschland verglichen mit anderen Ländern weltweit sehr langsam. Gegenwärtig haben nur 5,3 Prozent der Bundesbürger mindestens die erste Dosis der meist erforderlichen Zweifachimpfung erhalten. Würde das so weiter gehen, wäre die Herdenimmunität erst in fast zwei Jahre erreicht.

Bund und Länder sind sich nach ihrem Corona-Gipfel am Mittwoch deshalb einig: das Tempo muss erhöht werden. Ab Ende März oder spätestens Anfang April sollen deshalb Haus- und Fachärzte in vielen Praxen impfen können, heißt es. Bisher wird ausschließlich in extra aufgebauten Zentren oder durch mobile Teams in Pflegeeinrichtungen geimpft. Bereits ab nächster Woche sollen zudem die Länder auch flexibler über die Impfreihenfolge entscheiden dürfen.

Die meisten wollen Biontech

Doch eher dran kommen, heißt nicht gleich, dass man das bekommt, was man möchte. Denn eine freie Auswahl gibt es bei den Impfstoffen in Deutschland nicht. Wie eine weitere Civey-Umfrage zeigt, geht es jedoch offenbar vielen Menschen in Sachsen nicht nur darum, dass sie geimpft werden, sondern auch womit.

Auf die Frage, mit welchem Präparat - egal, ob in der EU zugelassen oder nicht - sie sich am liebsten impfen lassen würden, sagt die Mehrheit (36,3 Prozent) Biontech. Immerhin geben auch knapp 20 Prozent an, es mache für sie keinen Unterschied.

Die Impfstoffe von Moderna und AstraZeneca schneiden sogar schlechter ab als Sputnik V und das Präparat von Johnson & Johnson, für die es jeweils noch keine EU-Zulassungen gibt. Die Zustimmung von 15,7 Prozent für den russischen Sputnik-Impfstoff, der inzwischen von der EU geprüft wird, ist allerdings bemerkenswert hoch.

Bei den Impfstoffen ist es jedoch nicht so, dass die Nachfrage das Angebot regelt. In Deutschland ist derzeit vor allem von einem viel übrig: AstraZeneca. Der Impfstoff ist bisher nicht an die prioritäre Gruppe von Menschen höheren Alters gegeben worden. Die Ständige Impfkommission hatte das Präparat zuerst nicht für Personen über 65 zugelassen. Geliefert wurde es trotzdem, laut Bundesgesundheitsministerium sind bisher 2,1 Millionen Dosen angekommen. Verimpft wurden allerdings nur rund eine halbe Million.

Auch in Sachsen sind viele AstraZeneca-Dosen noch vorrätig. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) sprach am Donnerstag auf einer Pressekonferenz von 100.000 vorhandenen Dosen, von denen immerhin aber 50.000 schon per Termin zur Gabe reserviert seien.

Am Donnerstag hat die Impfkommission aufgrund neuer Studienlagen AstraZeneca nun auch für ältere Menschen empfohlen. Das Image des Präparats dürfte dennoch beschädigt sein. In Sachsen wünschen sich die Menschen trotzdem mehrheitlich, auch wenn sie sich lieber mit Biontech impfen lassen würden, dass die Impfreihenfolge angepasst wird, damit kein AstraZeneca-Impfstoff ungeimpft bleibt.

76,6 Prozent sind dafür, dass sich die Reihenfolge ändert, nur 12,4 Prozent dagegen. Bisher sind nur Erzieher und Lehrern in der Priorisierung eine Stufe nach oben gerutscht.

Neben der zunächst fehlenden Empfehlung für ältere Menschen hat der Ruf von AstraZeneca auch wegen Zweifeln an der Wirksamkeit und Verträglichkeit gelitten. „Und das zu unrecht“, sagte kürzlich Alexander Dalpke im CoronaCast von Sächsische.de. Der Virologe, der das Institut Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der TU Dresden leitet, erklärt in dem Podcast, wieso AstraZeneca ebenfalls ein zur Eindämmung der Pandemie geeigneter Impfstoff ist. Zudem wirke er wie alle anderen bisher zugelassenen auch gegen mutierte Formen des Coronavirus.

Die Folge CoronaCast hören Sie über den eingebetteten Player. Weitere Abspielmöglichkeiten und Hintergründe zum Thema lesen Sie in diesem Artikel: Wie wirken Impfungen gegen Mutationen?

Information zu den Umfragen mit Civey

Weiterführende Artikel

Corona: In vier Regionen Sachsens öffnen Schulen

Corona: In vier Regionen Sachsens öffnen Schulen

Ab Montag kein Unterricht mehr in anderen neun Kreisen, Erzgebirge hat bundesweit zweithöchste Inzidenz, Liefers distanziert sich von Querdenkern - unser Newsblog.

Johnson & Johnson: Was der Impfstoff kann

Johnson & Johnson: Was der Impfstoff kann

Die EU hat den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson zugelassen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

In diesem Artikel wurden drei Umfrage ausgewertet, die Sächsische.de in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey durchgeführt hat. An der Umfrage zur Impfbereitschaft haben 37.743 Menschen teilgenommen, aus 10.021 abgegeben Stimmen wurde eine repräsentative Stichprobe gezogen. An der Umfrage zu den Impfstoffen wurde 8.187 mal teilgenommen, aus 5.046 Stimmen eine Stichprobe gezogen. An der Umfrage zu AstraZeneca wurde 8.872 mal teilgenommen, aus 5.045 Stimmen eine Stichprobe gezogen. Stichproben für Sachsen entsprechen jeweils der Grundgesamtheit der Wahlbevölkerung im Land. Detailangaben zu Befragungszeitraum, Stichprobengröße und statistischem Fehler entnehmen Sie den jeweiligen Grafiken. Wie Umfragen mit Civey funktionieren, wird in diesem Artikel (mit Video) erklärt.

Mehr zum Thema Sachsen