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Sachsen erwägt kein Comeback der Impfzentren

Jens Spahn schlägt eine Wiederöffnung der Impfzentren vor. Sachsens DRK könnte schnell handeln, doch der Freistaat setzt auf andere Möglichkeiten.

Von Fabian Deicke
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Werden die Banner wieder ausgerollt und in Sachsen Impfzentren wieder eröffnet? Möglich wäre das, aber nicht mal eben so erledigt, warnt das DRK.
Werden die Banner wieder ausgerollt und in Sachsen Impfzentren wieder eröffnet? Möglich wäre das, aber nicht mal eben so erledigt, warnt das DRK. ©  dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Die Zahl neuer Corona-Patienten in den Krankenhäusern steigt rasant. Kliniken und Verbände berichten außerdem, dass aktuell zum überwiegenden Teil ungeimpfte Personen stationär behandelt werden müssten. Angesichts dieser Entwicklung hat sich nun der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dafür ausgesprochen, die Impfzentren in Deutschland wieder hochzufahren.

Spahn rief in einem Interview bei der Rheinischen Post die Länder zu diesem Schritt auf. Er sagte: "Die Länder sollten die Impfzentren, die sie seit Ende September in Standby bereithalten, nun wieder startbereit machen."

Impfzentren in Sachsen sind nicht auf "Standby"

Was sich nach einfach mal kurz Schalter umlegen anhört, sei allerdings gar nicht so leicht, erklärt Kai Kranich, Sprecher des bis zuletzt für die Abläufe und Bereithaltung der Zentren in Sachsen zuständigen DRK-Landesverbandes. "Wir haben Ende September alle Impfzentren geschlossen. Es befindet sich keins in Standby."

Kranich zufolge gebe es kein Objekt, das sofort zur Verfügung stünde. "Alle Liegenschaften wurden mit Schließung der Impfzentren wieder übergeben." Außerdem sei das gesamte Personal, das in den Zentren vorübergehend eingesetzt wurde, wieder in die ursprünglichen Jobs zurück überführt worden.

"Wenn es brennt, kann es schnell gehen"

Logistisch sei das DRK dennoch in der Lage, bei Bedarf schnell wieder eine Impf-Infrastruktur aufzubauen. "Wenn es wirklich brennt, könnte innerhalb eines Tages so ein Impfzentrum stehen, wenn beispielsweise das THW oder andere Kräfte mitwirken", so Kranich. Es seien große Teile der Technik für den Check-in- und Check-out-Prozess eingelagert worden. Auch Trennwände und Mobiliar stünden ausreichend bereit.

"Doch selbst, wenn wir schnell etwas aufgebaut hätten, bräuchten wir noch das medizinische Personal zum Durchführen der Impfungen." Es müssten also neben dem Aufbau der Infrastruktur mindestens auch Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung geführt werden, um auch Ärzte in die Zentren zu entsenden.

Der Vorschlag, die Impfzentren wieder hochzufahren, zeige die Dynamik der momentanen Corona-Lage. Bisher gebe es für das DRK aber in Sachsen keinen entsprechenden Auftrag. "Wir sind zwar ständig mit der Landesregierung im Austausch, darüber wurde aber noch nicht gesprochen", so Kranich.

Köpping: "Impfangebote derzeit nicht ausgelastet"

Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) verweist gegenüber der Nachrichtenagentur dpa darauf, dass Impfzentren geschlossen worden seien, weil es keinen Bedarf mehr gegeben habe. Es müsse aber alles getan werden, um den Menschen das Impfen so einfach wie möglich zu machen. "Dafür haben wir weiterhin zahlreiche unterschiedliche Impfangebote: In Arztpraxen, bei Betriebsärzten, in mittlerweile rund 20 Krankenhäusern und Medizinischen Versorgungszentren und natürlich durch [...] mobile Teams", so Köpping.

Die Ministerin sagt auch, dass die Impfangebote derzeit nicht ausgelastet seien. "Wir prüfen intensiv, ob es trotzdem Versorgungslücken gibt. Wenn dies der Fall ist, werden wir zusätzliche feste Impfmöglichkeiten einrichten, insbesondere dort, wo die Impfquoten niedrig sind."

DRK legt Fokus auf mobiles Impfen

Das DRK Sachsen stellt die 30 mobilen Impfteams des Landes. Diese haben nach Angaben des Landesverbandes seit Schließung der Impfzentren Ende September bei Ortsterminen insgesamt 36.000 Dosen verimpft. 14.000 davon seien auf Erstimpfungen entfallen, 17.000 auf Zweitimpfungen. "Etwa 5.000 waren Boosterimpfungen", rechnet Kranich vor.

Das Boostern, also das Auffrischen der Impfung, ist in Sachsen seit dem 1. November für alle Menschen im Alter ab 18 Jahren möglich. Die Sächsische Impfkommission (SIKO) hatte dies zuvor entsprechend empfohlen. Die Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff sei nach SIKO-Angaben frühestens sechs Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung möglich. Neueste Daten würden eine Risikoreduktion für alle Altersgruppen eindrucksvoll belegen. Für bestimmte Personengruppen, wie zum Beispiel Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen, gibt es schon seit längerem eine Empfehlung für die Booster-Impfung.