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Mittelsachsen lässt sich impfen

Ricarda Hecker war eine von rund 90 Mittelsachsen, die am Montag im Impfzentrum geimpft wurden. Der Ansturm dort blieb vorerst aus.

Diplom-Medizinerin Ingrid Dänschel (rechts) hat am Montag im Impfzentrum in Mittweida Ricarda Hecker gegen Covid-19 geimpft.
Diplom-Medizinerin Ingrid Dänschel (rechts) hat am Montag im Impfzentrum in Mittweida Ricarda Hecker gegen Covid-19 geimpft. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen. Aus Taura bei Burgstädt hat sich Ricarda Hecker am frühen Montagnachmittag auf den Weg nach Mittweida gemacht. Ihr Ziel: Das Impfzentrum an der Schillerstraße im Simmel-Center. Dort hat ihr Arbeitgeber für die 21-jährige Ergotherapeutin, die in einer Pflegeeinrichtung arbeitet, einen Impftermin ausgemacht.

Die Nachfrage nach diesen ist so groß, dass das am Nachmittag freigeschaltete Portal für Impftermine nur knapp eine halbe Stunde nach dem Start überlastet war. Für Ricarda Hecker war es keine Selbstverständlichkeit, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. „Ich habe mir vorher schon Gedanken gemacht und mich belesen. Aber am Ende habe ich mich doch dazu entschieden“, räumt die junge Frau ein.

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Security überwacht Parkplatz in Mittweida

Nur, wer einen Termin hat, der wird auch ins Impfzentrum gelassen. Alle anderen werden bereits auf dem Parkplatz wieder weggeschickt. Das obere Parkdeck am Simmel-Center ist abgeriegelt, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma stehen an der Zufahrt und fragen jeden, der das Gelände befahren will, ob er einen Termin habe. Entsprechend leer ist der Parkplatz am Montag.

Obwohl das Impfzentrum an jenem 11. Januar in Betrieb gegangen ist, der große Ansturm ist ausgeblieben. Denn kaum jemand konnte sicher bisher einen Termin für eine Impfung dort holen. Und nach wie vor ist der Impfstoff nur in begrenzten Mengen vorhanden.

220 Impfdosen täglich stehen dem mittelsächsischen Impfzentrum derzeit zur Verfügung. Aus jeder Dose lassen sich bis zu sechs Spritzen aufziehen, erklärt René Illig der für den DRK-Kreisverband Döbeln-Hainichen die Koordination des Impfzentrums in Mittelsachsen im Auftrag des DRK Landesverbandes Sachsen übernommen hat.

Etwa knapp 100 der Impfdosen werden dem mobilen Impfteam zur Verfügung gestellt, wenn es genügend Anmeldungen hat. Die restlichen Dosen verblieben im Impfzentrum und werden den ersten Impfwilligen verabreicht.

Zuerst die Mitarbeiter aus Pflege und Rettungsdienst

Dies sind derzeit vor allem die Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten und Rettungsdiensten sowie Mittelsachsen, die älter als 80 Jahre alt sind. Vereinzelt sind auch Senioren am Montag im Impfzentrum zu anzutreffen. Die Mehrheit der Personen, die sich am ersten Betriebstag in Mittweida hat impfen lassen, scheint jedoch aus dem Bereich der Pflege zu kommen. So wie auch Ricarda Hecker.

„Normalerweise bin ich Ergotherapeutin, aber aufgrund der aktuellen Lage sind wir auch in der Pflege mit eingeteilt“, sagt sie. Die junge Frau hat eigentlich eine gewisse Scheu vor Spritzen. Am Impfzentrum angekommen, bestätigt sie den wartenden Sicherheitsleuten, dass sie einen Termin in der Einrichtung hat. In Absprache mit dem Personal im Obergeschoss lassen die Sicherheitskräfte vor dem Eingang vereinzelt Impfwillige in die Räumlichkeiten ein.

Im Obergeschoss des Simmel-Centers auf einer Fläche von rund 2.200 m² sind insgesamt vier Impfstrecken aufgebaut worden. Leichtbauwände trennen die verschiedenen Kabinen voneinander. Die Reihen sind gekennzeichnet von A bis D. Am Eingang warten erneut Sicherheitskräfte sowie Personal des DRK.

Sie leiten die Ankommenden weiter zur Registrierung, ein großzügiger Raum, in dem derzeit zwei Anmeldebereiche eingerichtet sind. „Hier werden Sie registriert, geben Ihre Chipkarte ab. Heute gibt es hier noch die Aufklärungs- und Anamnesebögen. Zukünftig erhalten Sie diese gleich mit der Online-Anmeldung“, erklärt René Illig.

Erste Station im Impfzentrum in Mittweida: Die Anmeldung. Derzeit gibt es zwei Anmeldebereiche, so wie es zwei Impfstrecken gibt. Bis zu vier sind möglich. Betreut wird die Anmeldung von Kräften des DRK-Kreisverbandes Döbeln-Hainichen.
Erste Station im Impfzentrum in Mittweida: Die Anmeldung. Derzeit gibt es zwei Anmeldebereiche, so wie es zwei Impfstrecken gibt. Bis zu vier sind möglich. Betreut wird die Anmeldung von Kräften des DRK-Kreisverbandes Döbeln-Hainichen. © Dietmar Thomas

Sind die Formalitäten geklärt und die Laufzettel für die Impfwilligen ausgereicht, geht es weiter in den Wartebereich. Hier haben die Anwesenden an zwei Tischen die Möglichkeit, noch Formulare auszufüllen oder auf einem der Sitzplätze zu warten, bis der Arzt für das Vorgespräch bereit ist.

Inzwischen klären Videos, die von zwei Fernsehbildschirmen ausgestrahlt werden, über die Impfung auf. Das Gespräch mit dem Mediziner steht vor jeder Impfung an. Bei diesem soll die Tauglichkeit des zu Impfenden geklärt werden.

Als Ärztin vor Ort ist am Montag die Diplom-Medizinerin Ingrid Dänschel aus Lunzenau. Normalerweise leitet die Ärzte eine Praxis für Allgemeinmedizin, zudem ist sie Ehrenvorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbandes. Sie erklärt, dass bei den Impfwilligen Fieber gemessen wird. Ein Corona-Test werde aber nicht durchgeführt.

Zudem fragen die Ärzte nach Vorerkrankungen, Allergien sowie der Einnahme von Blutverdünnern. Ebenso nach bereits durchgestandenen Covid-19-Erkrankungen. Denn wer bereits mit dem Virus infiziert gewesen ist, der trägt Antikörper in sich und müsse jetzt nicht primär geimpft werden. Die Spritze könnte demnach jemand anders bekommen.

Ingrid Dänschel hat normalerweise eine Praxis für Allgemeinmedizin in Lunzenau. Am Montag war sie als Ärztin im Impfzentrum in Mittweida als zuständige Ärztin im Einsatz. Das medizinische Personal wird von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen gestellt
Ingrid Dänschel hat normalerweise eine Praxis für Allgemeinmedizin in Lunzenau. Am Montag war sie als Ärztin im Impfzentrum in Mittweida als zuständige Ärztin im Einsatz. Das medizinische Personal wird von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen gestellt © Dietmar Thomas

Zwei Impfstrecken im Mittweidaer Impfzentrum in Betrieb

Dänschel hat am Montag zwei angehende Ärzte sowie medizinisches Personal aus ihrer Praxis mit dabei. Gestellt wird das medizinische Personal von der Kassenärztlichen Vereinigung. Pro Impfstrecke ist ein Arzt nötig, der die Beratung durchführt. Aktuell werden zwei Impfstrecken in Mittweida betrieben, bis zu vier sind möglich.

„Der Großteil der Bevölkerung wird sicherlich erst geimpft, wenn die Impfungen beim Hausarzt möglich sind. Aber die Impfzentren sind ein Anfang“, sagte die Lunzenauer Medizinerin. Nun gehe es darum, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen.

Bevor der Wirkstoff gegen Covid-19 den Impfwilligen verabreicht werden kann, muss er jedoch angemischt werden. Auch das geschieht vor Ort hinter den Kulissen des Impfzentrums. Übernommen wird diese Aufgabe am Montag von Apothekerin Antje Walther.

Apothekerin Antje Walther hat am Montag im Mittweidaer Impfzentrum den Covid-19-Impfstoff angemischt. Der kommt als Pulver am Standort an und wird dort noch mit Kochsalzlösung versehen.
Apothekerin Antje Walther hat am Montag im Mittweidaer Impfzentrum den Covid-19-Impfstoff angemischt. Der kommt als Pulver am Standort an und wird dort noch mit Kochsalzlösung versehen. © Dietmar Thomas

Der Impfstoff kommt in Form von Pulver in Mittweida an. Hier wird er mit Kochsalzlösung versetzt. Aus der Mischung können insgesamt sechs Spritzen aufgezogen werden, die innerhalb von sechs Stunden verabreicht werden müssen, sagt René Illig. Wer die Spritzen zu fassen bekommt, benötigt eine ruhige Hand. Denn „Schütteln macht den Impfstoff unwirksam“, sagt Ingrid Dänschel.

Dann ist es soweit. Im Vorgespräch mit Ricarda Hecker hat die Ärztin alles klären können. Die 21-Jährige darf geimpft werden. Sie zieht den linken Ärmel ihres Pullovers hoch, damit Ingrid Dänschel die Spritze positionieren kann. Innerhalb weniger Sekunden ist der Wirkstoff im Körper der Ergotherapeutin verschwunden.

„Man merkt den Einstich“, sagt sie, während die Ärztin ihr den Aufkleber zur Impfung in den Impfausweis klebt. Nach Hause gehen darf die junge Frau nun aber noch nicht gleich. Sie darf zunächst in einem weiteren Wartebereich Platz nehmen. Auch hier sind in ausreichendem Abstand Stühle für die Wartenden ausgestellt worden.

In diesem Bereich warten diejenigen, die ihre Impfung gegen Corona erhalten haben. Nach 15 Minuten dürfen sie sich abmelden und ihren Termin für die zweite Impfung nach 21 Tagen gleich mitnehmen.
In diesem Bereich warten diejenigen, die ihre Impfung gegen Corona erhalten haben. Nach 15 Minuten dürfen sie sich abmelden und ihren Termin für die zweite Impfung nach 21 Tagen gleich mitnehmen. © Dietmar Thomas

Bis zu 15 Minuten sollen die Geimpften anschließend noch bleiben, sagt René Illig vom DRK. Falls es doch zu einer unerwarteten Reaktion auf den Impfstoff komme. Für solche und andere Notfälle gibt es im Impfzentrum auch einen kleinen Behandlungsraum. Defibrillator und Notfallmedizin seien vor Ort. „Auch, falls jemand in der Aufregung medizinische Probleme bekomme“, meint Medizinerin Dänschel.

Bis zu 1.000 Impfungen pro Tag möglich

Aktuell sind am Impfzentrum elf hauptamtliche Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes für die Organisation des Ablaufes tätig, unter anderem im Bereich der Anmeldung sowie Abmeldung. Hinzu kommen 13 Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma sowie fünf Soldaten der Bundeswehr, derzeit vom Standort in Gotha. Noch bis zur kommenden Woche sind sie als „helfende Hände“ nach Mittweida abberufen. Hinzu kommt das medizinische Personal.

Rund 90 Impfungen sind am Montag in Mittweida erfolgt. Bis zu 1.000 pro Tag könnten es einmal werden, wenn genügend Impfstoff zur Verfügung steht und die Termine entsprechend vergeben werden können. Am Montag hat der Freistaat dafür eine Online-Plattform freigeschaltet. Am Mittwoch soll zudem eine einheitliche Hotline in Betrieb gehen, über die dann auch telefonische Anmeldungen möglich sein werden.

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Nach 15 Minuten kann Ricarda Hecker den Wartebereich verlassen. Sie geht zur Abmeldung und erhält dort gleich ihren Termin für die zweite Impfung. Die ist nach 21 Tagen fällig, sagt René Illig. „Ich fühle mich erlöst und froh, dass ich es endlich hinter mir habe“, so die junge Frau.

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