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Bei Infineon ist die Kurzarbeit vorbei

Der Mikrochipkonzern Infineon fährt die Produktion in Dresden wieder hoch. Schichtarbeiter bekommen eine Prämie.

Gefilterte Luft im Reinraum: Beim Mikrochip-Hersteller Infineon gibt es Homeoffice für Büroangestellte und eine Prämie für Schichtarbeiter in der Produktion.
Gefilterte Luft im Reinraum: Beim Mikrochip-Hersteller Infineon gibt es Homeoffice für Büroangestellte und eine Prämie für Schichtarbeiter in der Produktion. © Infineon

Dresden. Gute Nachricht in der Online-Konferenz der Dresdner Infineon-Beschäftigten: Die Schichtarbeiter in der Mikrochipfabrik erhalten je 1.000 Euro steuerfreie Prämie für ihren Einsatz in der Corona-Zeit. Konzernchef Reinhard Ploss kündigte solche Prämien am Montag für weltweit mehr als 20.000 Beschäftigte an. In manchen Ländern hätten die Anlagenbediener sogar in den Fabriken übernachtet, weil sie wegen Corona nicht auf die Straßen durften, sagte Ploss in München.

Die Prämie kommt allerdings nicht den Büroangestellten unter den 2.700 Beschäftigten im Werk Dresden zugute. Von ihnen arbeiten derzeit die meisten zu Hause. Laut Sprecher Christoph Schumacher sollen höchstens 25 Prozent der Büroplätze gleichzeitig besetzt sein, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. In der Produktion dagegen entfernen die Filteranlagen der Reinräume nach Angaben des Konzernchefs „auch Viren aus der Luft“, und Masken sind dort immer schon üblich.

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Dresden und Villach werden zur „virtuellen Megafab“

Die Kurzarbeit ist laut Ploss in allen Infineon-Werken vorbei, in Dresden gab es sie nur im Juni und Juli. Für August sollte sie zunächst nur unterbrochen werden, wegen ohnehin geringerer Anwesenheit in der Ferienzeit. Doch dann deutete sich für September eine Erholung der Nachfrage an. Die ältere Dresdner Produktionslinie mit 200 Millimeter großen Siliziumscheiben wird laut Schumacher in den nächsten Monaten wieder zu 80 bis 90 Prozent ausgelastet sein, die moderne Linie mit 300-Millimeter-Scheiben ist voll ausgelastet. Nach ihrem Vorbild baut Infineon derzeit seine österreichische Fabrik in Villach aus.

Konzernchef Ploss sagte, die Fabriken in Dresden und Villach würden künftig zu einer „virtuellen Megafab“ kombiniert. Das heißt: Da die Anlagen gleich sind, können Aufträge beliebig zwischen den beiden Werken verlagert werden. Dresdner Mitarbeiter haben in Villach bei den Vorbereitungen geholfen, Österreicher sind häufig zum Lernen in Dresden. Bei ausreichend Nachfrage soll die Produktion mit der neuen Anlage in Villach Ende nächsten Jahres beginnen. Dort sind auch 900 Parkplätze auf neun Ebenen entstanden, der Bau liegt laut Ploss im Plan.

Infineon zahlt seinen Aktionären in diesem Jahr voraussichtlich eine geringere Dividende als in den vergangenen drei Jahren: 22 Cent statt zuletzt 27 Cent pro Aktie. Laut Ploss ist der Umsatz des Konzerns im jüngsten Geschäftsjahr, das mit dem September endete, zwar um sieben Prozent auf fast 8,6 Milliarden Euro gewachsen. Doch rechnet man den Umsatz der US-Firma Cypress nicht mit, die im April von Infineon übernommen wurde, bleibt ein Umsatzrückgang von vier Prozent im Jahresvergleich. Zeitweilig machte Infineon wegen der Kosten für den Zukauf Verluste, aber im jüngsten Quartal wieder Gewinn.

Neuer zweiter Geschäftsführer

Die Autofabriken als wichtige Abnehmer von Infineon-Sensoren und -Mikrocontrollern haben sich laut Ploss seit Sommer „besser als erwartet erholt“. Die gesunkene Nachfrage nach Chips für Reisepässe und Elektronik für Zug-Antriebe und Industrieanlagen wurde teilweise durch Wachstum bei Anlagen für Erneuerbare Energien ausgeglichen. Der Konzernchef sagte, dass durch Corona ein „Digitalisierungsschub“ ausgelöst wurde, der dem Konzern auf Dauer nutze. Außerdem warb Ploss für einen neuen CO2-Sensor von Infineon, der auch vor erhöhter Aerosol-Konzentration im Raum warnen könne. Die ersten Exemplare sollen in den nächsten Wochen in Büros der Konzernzentrale angebracht werden, für Dresden steht kein Zeitpunkt fest.

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