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Gibt es im Herbst wieder einen Lockdown?

Corona: Die Meißner Amtsärztin Dr. Simone Bertuleit sieht Gefahren durch die neue Delta-Variante. Es könnte auch noch weitere Mutationen geben.

Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Biontech. Offenbar, so eine aktuelle Studie, schützen die mRNA-Vakzine länger als sechs Monate, vermutlich sogar jahrelang. Können die Impfungen den Kreis Meißen vor einem neuen Lockdown im Herbst bewahren?
Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Biontech. Offenbar, so eine aktuelle Studie, schützen die mRNA-Vakzine länger als sechs Monate, vermutlich sogar jahrelang. Können die Impfungen den Kreis Meißen vor einem neuen Lockdown im Herbst bewahren? © Moritz Frankenberg/dpa (Symbolbild)

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Familienmodelle der Natur
Familienmodelle der Natur

Steppenzebras, Zebramangusten und Nandus ziehen ihren Nachwuchs ganz unterschiedlich auf.

Im Landkreis Meißen ist bisher nur eine Meldung und zwei Verdachtsmeldungen eingegangen. Aufgrund des Datenschutzes wird der Wohnort nicht benannt.

Im Vergleich zur Alpha-Variante (B.1.1.7) weist Delta eine wesentlich höhere Wachstumsrate auf, hat eine 2,6-fach höhere Wahrscheinlichkeit für eine Krankenhauseinweisung und eine 1,7-fach höhere Wahrscheinlichkeit für eine notfallmäßige Krankenhausaufnahme. Unabhängig von der Impfrate wird sich nach Meinung der Fachleute die Delta-Virusvariante durchsetzen. Aber die Infektionszahlen können durch geeignete Schutzmaßnahmen niedrig gehalten werden. Darauf kommt es an.

Die Delta-Variante soll auch für Kinder ansteckend sein. Im Herbst könnte es wieder zu Ausbrüchen in Schulen und Kitas kommen. Wie sind Sie da vorbereitet?

    Die Empfehlungen zum Kontaktpersonen-Management sind nach derzeitigem Stand aktuell und bleiben eine wichtige Säule für Handlungsentscheidungen an den Gesundheitsämtern. Das Robert-Koch-Institut bleibt, solange nicht jeder ein Impfangebot erhalten hat, bei den entsprechenden Quarantäne- und AHA-L-Empfehlungen (Abstand halten, Hygiene beachten, im Alltag Maske tragen, regelmäßig lüften).

    Viele ältere Menschen, die sehr früh im Jahr geimpft wurden, fragen sich jetzt: Benötige ich eine Auffrischungsimpfung? Und wenn ja, wann?

      Laut Robert-Koch-Institut schützt die Impfung mindestens sechs Monate. Das Thema Boosterimpfung (Wiederholungsimpfung) wird derzeit durch die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut bearbeitet.

      Ein Problem sind fehlende Zweitimpfungen für viele Menschen, die glauben, eine Impfung genüge, oder?

        Woher diese Einschätzung stammt, ist nicht nachvollziehbar. Die Impfstoffhersteller haben ihre Produkte getestet und auf dieser Basis die Vorgaben für das Impfen festgelegt. Dementsprechend ist zu verfahren.

        Ein noch größeres Problem vielleicht sind die Impfverweigerer, mindestens ein Viertel der Bevölkerung. Sollte hier mehr Druck aufgebaut werden?

          Es ist unbestritten, dass eine hohe Impfrate die beste Vorbeugemaßnahme gegen erneute pandemische Ausbreitungen des Coronavirus darstellt. Wer erlebt hat, wie schwer die Erkrankungen verlaufen können, wie langwierig sich ihre Folgen gestalten können, der wird am besten erklären können, warum die Impfungen unbedingt sein sollten. Leider kommen solche Menschen viel zu selten zu Wort. Das wäre notwendig – nicht der Aufbau von Druck.

          Die Inzidenz ist aktuell sehr niedrig. Wie ist Ihre Prognose für den Herbst für den Landkreis Meißen?

            Es wird erneut zu steigenden Infektionszahlen kommen. Es ist nicht auszuschließen, dass dann auch neue Virusmutationen auftreten. Mit der Delta-Variante ist nicht das Ende der Entwicklung erreicht. Aus diesem Grund werden alle bisherigen Infektionsschutzmaßnahmen auch weiterhin eine große Bedeutung besitzen.

            In der Urlaubszeit kommt das Thema Reiserückkehrer wieder auf. Wie gefährlich sind Reiserückkehrer aus Risikogebieten?

              Die Liste der Risikogebiete wurde am 18. Juni 2021 aktualisiert, z. B. gilt Namibia nun als Virusvariantengebiet und Oman als Hochinzidenzgebiet. Beispiele für Länder, die keine Risikogebiete mehr sind, sind Belgien, Estland, Frankreich, Griechenland, Norwegen und die Schweiz. Man sollte aber auch bedenken, dass die Delta-Variante in Deutschland bereits weit verbreitet ist. Es sollte nicht geglaubt werden, dass ihre Expansion noch begrenzt werden kann. Weiterhin finden hier im Land zahlreiche neue Infektionen statt – es sind noch immer Hunderte pro Tag. Deshalb sind alle angemessenen Schutzmaßnahmen gerechtfertigt.

              Was denken Sie: Erleben wir im Herbst wieder einen Lockdown?

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                Der kommende Herbst wird voraussichtlich erneut mit erhöhten Infektionszahlen einhergehen. Der bereits erhöhte Impfstand wird jedoch einer schnellen Ausbreitung entgegenwirken können. Deshalb ist aus unserer Sicht unbedingt mit den Impfungen fortzufahren. Als ergänzende Vorkehrung behalten außerdem die bewährten Schutzmaßnahmen wie Abstand halten und Maske tragen ihre Berechtigung, denn auch schon einmal erkrankte oder geimpfte Personen können wieder infiziert werden – auch wenn sie das durch einen milden Verlauf der Erkrankung vielleicht gar nicht mitbekommen – und zur erneuten Verbreitung des Virus beitragen.

                Interview: Ulf Mallek

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