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"Wir dürfen keinen Corona-Patienten wegschicken"

Der gewählte Meißner Landrat Ralf Hänsel macht sich Sorgen um die Folgen der Pandemie. Die geschlossenen Theater und Museen sind ein großes Problem für ihn.

Sieg im ersten Wahlgang, aber mit Maske. Ralf Hänsel (r.) freut sich mit seinem Amtsvorgänger Arndt Steinbach. Voraussichtlich am 30. November wird er in sein neues Amt eingeführt.
Sieg im ersten Wahlgang, aber mit Maske. Ralf Hänsel (r.) freut sich mit seinem Amtsvorgänger Arndt Steinbach. Voraussichtlich am 30. November wird er in sein neues Amt eingeführt. © Claudia Hübschmann

Herr Hänsel, Sie sind der gewählte neue Meißner Landrat, aber noch nicht im Amt. Wann wird es soweit sein?

Die Wahlprüfung ist jetzt abgeschlossen. Was noch fehlt, ist die Genehmigung des Wahlergebnisses durch die Landesdirektion. Ich gehe davon aus, dass die Amtseinführung am 30. November stattfinden wird.

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Wird es eine offizielle Einführung ins Amt geben?

Nein, man hat mir gesagt, wenn ich das erste Mal mit dem offiziellen Bescheid meinen Fuß ins Landratsamt setze, dann bin ich schon Landrat. Die eigentliche Vereidigung ist zur ersten Kreistagssitzung am 10. Dezember vorgesehen, wenn der Termin so bleibt.

Was wird jetzt in Zeithain passieren? Wer wird Ihr Nachfolger als Bürgermeister?

Das Prozedere läuft ähnlich wie auf Kreisebene. Mit meiner offiziellen Amtsniederlegung, vermutlich am 30. November, beginnt eine Halbjahresfrist, in der Zeithain einen neuen Bürgermeister wählen muss. In der zweiten Novemberwoche wird sich der Gemeinderat noch mal mit dem Thema beschäftigen.

Was wollen Sie im Landratsamt ändern, eventuell auch am Personal?

Leider kann ich nicht so anfangen, wie ich es mir vorgestellt habe. Eigentlich wollte ich in einer großen Breite und auch gruppenweise mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen. Das geht jetzt leider so nicht. Da muss ich mir jetzt etwas Alternatives überlegen. Auf jeden Fall möchte ich das Thema Digitalisierung, Breitband und Datensicherheit zur Chefsache machen und dafür auch ein separates Amt einrichten, das mir direkt unterstellt wird. Dadurch kann das Haupt- und Personalamt entlastet werden.

Bleibt Janet Putz Ihre Vize-Landrätin?

Ja, wir freuen uns auf die Zusammenarbeit. Außerdem ist sie ja vom Kreistag gewählte 1. Beigeordnete. Sie hat aktuell die schwere Aufgabe, den Landkreis durch die Krise zu führen. Das macht sie sehr gut.

Das Thema Corona dominiert den Landkreis. Die Zahlen werden wieder deutlich schlechter, obwohl wir im Sachsen-Ranking immer noch bei den besten Landkreisen liegen. Warum wird es schlimmer?

Es wird bekanntermaßen immer schwerer, Kontakte von positiv Getesteten nachzuverfolgen. Wenn uns das nicht mehr so gut gelingt, breitet sich das Virus unkontrollierter aus. Natürlich kommt die kalte Jahreszeit hinzu und möglicherweise auch das Verhalten Einzelner.

Haben Sie neue Ideen zur Bekämpfung der Pandemie?

Es bleibt abzuwarten, ob die Schließung der Restaurants und Kultureinrichtungen etwas bringt. Ich bin sehr froh darüber, dass Kitas und Schulen nicht geschlossen werden oder gar die Wirtschaft zum Erliegen gebracht wird. Wir sollten jetzt schauen, was noch getan werden kann. Vielleicht hätte es eine nur teilweise Schließung der Restaurants getan, beispielsweise dürfen die einen an geraden Tagen öffnen, die anderen an ungeraden. Möglicherweise werden die Restaurantbesitzer, wenn die geplanten Unterstützungsgelder fließen, noch mit einem blauen Auge davonkommen. Bei vielen Künstlern wird das nicht so der Fall sein. Sie sind noch stärker getroffen. Da mache ich mir Sorgen, auch um den Zustand unserer Gesellschaft, die jetzt ohne Kunst und Kultur auskommen muss. Was macht das mit uns?

Was kann der Landkreis tun, um die Folgen des Lockdowns für Betroffene abzumildern?

Da würde ich mich gern noch mit meinen Kollegen Bürgermeistern austauschen, ob wir da noch Spielraum haben.

Was halten Sie von den Corona-Protesten?

Es gibt niemanden auf der Welt, der die absolute Corona-Wahrheit kennt. Verschiedene Wahrheiten existieren nebeneinander. Natürlich können wir darüber diskutieren: Macht das Schließen der Restaurants Sinn oder nicht? Man kann auch protestieren. Doch noch wichtiger ist unsere Verantwortung, dass Menschen, die medizinische Hilfe benötigen, geholfen wird. Wir wollen nicht in die Lage kommen, dass Corona-Patienten im Elblandklinikum weggeschickt werden müssen, weil es keine Kapazitäten mehr gibt.

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Sind Sie informiert, wie die Lage in den Elblandkliniken ist?

Sie fahren ihre Kapazitäten wieder hoch. Im Moment gibt es keine Probleme. Wir müssen aber die Situation genau beobachten, insbesondere einen möglichen Mangel an Pflegekräften, wenn die Patientenzahl weiter stark zunimmt.

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