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Die Maske als Symbol der Unterdrückung?

Der Psychologe Professor Hendrik Berth von der TU Dresden spricht von rauerem Ton im Streit mit Coronaleugnern. Er hat aber eine Empfehlung dafür.

Maria trägt am historischen Markt in Meißen Maske. Die Konfrontation mit Coronaleugnern und Maskengegnern nimmt an Härte zu. Oft provozieren Maskengegner, weil sie sich durch steigende Fallzahlen im Recht sehen: Maske bringe nichts. Das ist aber falsch
Maria trägt am historischen Markt in Meißen Maske. Die Konfrontation mit Coronaleugnern und Maskengegnern nimmt an Härte zu. Oft provozieren Maskengegner, weil sie sich durch steigende Fallzahlen im Recht sehen: Maske bringe nichts. Das ist aber falsch © Claudia Hübschmann

Sind solche Aggressionen wie in einem Glaubitzer Einkaufsmarkt zwischen einem Verkäufer und zwei maskenlosen Frauen Einzelfälle oder ist eine  generelle Verrohung im täglichen Miteinander zu beobachten?

Derartige Aggressionen – tätliche körperliche Angriffe – bilden aktuell noch eine Ausnahme, wobei es dazu keine Statistik gibt. Viel häufiger, aber auch nicht statistisch exakt zu belegen, sind aggressive verbale Reaktionen von Maskenverweigerern, die auf ihr Fehlverhalten angesprochen werden. Dabei werden oft alle Grenzen des normalen zwischenmenschlichen Umgangs missachtet und Schimpfworte verwendet, die weit über das eigentliche Streitthema hinausgehen.

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In den vergangenen Wochen und Monaten ist eine Tendenz zu beobachten, dass der Ton – auf beiden Seiten - rauer und das Verhalten aggressiver wird. Maskengegner fühlen sich durch die rasant steigenden Fallzahlen bestätigt. Sie sagen, die „Maske bringt ja nichts“ und verteidigen diese Meinung auch offensiver. Sie provozieren bewusst durch Masken-Nichttragen in der Öffentlichkeit. Dadurch entsteht der  - nicht zutreffende- Eindruck, dass immer mehr Leute Maskengegner seien. Auf der anderen Seite sind erfreulicherweise auch viel mehr Menschen dazu bereit, Maskengegner auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen.

Welche Ursachen dafür sehen Sie?

Die Maske ist für viele der sogenannten Coronaleugner das sichtbare Zeichen für die Unterdrückung von Meinungsfreiheit und anderen bürgerlichen Rechten durch die Regierung, die Politik, die Herrschenden oder die Kanzlerin. Mit der Maske wird aus Sicht der Verweigerer der Mund im Wortsinne zugebunden und freie Äußerungen per Verordnung untersagt. Die Maske ist somit für Verweigerer das Symbol der Unterdrückung und Bevormundung, mehr als alle anderen Maßnahmen. Wenn sich jemand, um ein Beispiel zu geben, im Privaten mit 15 Personen aus fünf Haushalten trifft, wird dies wohl meist nicht als sichtbarer Protest wahrgenommen.

Nichttragen der Maske in der Öffentlichkeit aber schon. Es ist also ein Symbol des Widerstands?

Ja, mit dem Nichttragen der Maske wird somit das offensichtlich sichtbarste Zeichen gewählt, um im Alltag eine Ablehnung der aktuellen Maßnahmen zum Ausdruck zu bringen, eigene Stärke zu demonstrieren und bewusst Reaktionen zu provozieren. Nicht zu vergessen sind auch die Meinungen einiger mehr oder weniger prominenter Ärzte oder Wissenschaftler im Internet, die den Nutzen von Masken nach wie vor mit oft pseudowissenschaftlichen Argumenten abstreiten.

Falschmeldungen, wie der Tod von Kindern durch das Tragen einer Maske, werden Zigtausendfach weiter verbreitet – um die eigene Position zu stützen und andere zu überzeugen. Wenn eine Information nur oft genug im Internet geteilt wird, wird sie wohl auch Wahrheit beinhalten, so die dahinterliegende Denkweise.


Experte für medizinische Psychologie und Soziologie: Prof. Dr. rer. medic. habil. Hendrik Berth (50) von der Medizinischen Fakultät der TU Dresden.
Experte für medizinische Psychologie und Soziologie: Prof. Dr. rer. medic. habil. Hendrik Berth (50) von der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. © Hochschulmedizin Dresden/Stephan Wiegand

Vielleicht war es ein Fehler, den Nutzen der Maske zu Pandemiebeginn auch offiziell zu bestreiten, oder?

Ja, die zu Pandemiebeginn zunächst ablehnende Haltung der WHO zum Masketragen wird heute immer wieder zitiert, obwohl sie längst intensiv dementiert wurde.

Die Fronten verhärten sich. Welche Strategien zur Deeskalierung braucht es?

Wichtig ist, dass die Informationen über den Nutzen von Masken und die anderen allgemeinen Regeln unvermindert weiter verbreitet werden. Eine Person, die - zumindest ein wenig- daran glaubt, dass die Maske sie und andere schützen kann, wird eher zum Tragen bereit sein. Es ist unerlässlich, in sensiblen, stark frequentierten Bereichen die Maskenpflicht viel strikter zu kontrollieren und bei wiederholten und absichtlichen Verstößen auch entsprechend zu sanktionieren. Die Verfügbarkeit von kostenlosen Masken, etwa am Eingang eines Supermarktes oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, könnte ebenfalls helfen.

Man sollte Maskenverweigerer nicht ausschließlich auf die Pflicht zum Tragen, auf ihr Fehlverhalten hinweisen, sondern sie besser bitten, auf andere Personen Rücksicht zu nehmen und aus Respekt vor ängstlicheren Personen doch bitte „ausnahmsweise“ eine Maske zu tragen. Eine respektvolle, freundliche und doch klare Ansprache ist eigentlich selbstverständlich, beim Ausüben von Kritik jedoch unerlässlich.

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Die überwiegende Mehrheit der Deutschen glaubt an die Wichtigkeit und Richtigkeit der Maßnahmen. Daher sollten Personen, die Maskenverweigerer ansprechen, durch das Umfeld unterstützt werden. Es ist leichter, in der Bahn jemanden auf die fehlende Maske hinzuweisen, wenn die Umstehenden dabei zuschauen und verbal angemessen zustimmen.

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