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"Wir verteilen FFP2-Masken an Betroffene"

Die neue Meißner Amtsärztin Dr. Simone Bertuleit setzt auf Digitalisierung bei der Pandemie-Bekämpfung. Sie rechnet bald mit dem Rückgang der hohen Fall-Zahlen.

Das Gesundheitsamt Meißen in der Dresdner Straße in Meißen. Die Mitarbeiter werden in der Corona-Krise von zahlreichen Helfern aus anderen Ämtern, der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerkes unterstützt.
Das Gesundheitsamt Meißen in der Dresdner Straße in Meißen. Die Mitarbeiter werden in der Corona-Krise von zahlreichen Helfern aus anderen Ämtern, der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerkes unterstützt. © Claudia Hübschmann

Frau Dr. Bertuleit, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Amt als Meißner Amtsärztin und Leiterin des Gesundheitsamtes. Weshalb haben Sie sich um dieses Amt beworben?

Seit vielen Jahren bin ich im Öffentlichen Gesundheitsdienst in den Bereichen Infektionskrankheiten und Hygiene tätig. Die ausgeschriebene Stelle der Amtsärztin sah ich als Chance und Herausforderung zugleich. Deshalb habe ich mich beworben.

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Hier wird die Zukunft entwickelt

Spitzenforschung und Lehre auf hohem Niveau gibt es auch außerhalb von Großstädten und Ballungszentrum: nämlich an der Hochschule Zittau/Görlitz.

Was möchten Sie anders machen als Ihre Vorgängerin Petra Albrecht, die zum Jahresende in Rente geht?

Ich denke, dass es gerade unter den Verhältnissen der Corona-Pandemie sehr wichtig ist, die unter meiner Vorgängerin entwickelten Strukturen und Maßnahmen kontinuierlich fortzuführen. Natürlich verfüge ich aus meiner bisherigen Arbeit im öffentlichen Gesundheitsdienst auch über eigene Erfahrungen, die ich hier einbringen werde. Ein Schwerpunkt muss und wird für mich darin bestehen, die Digitalisierung der Prozesse im Pandemie- Management konsequent fortzuführen, die dafür notwendige technische Ausstattung vorzunehmen und die Mitarbeiter zu schulen.

Ihre wichtigste Aufgabe ist ja das Management der Maßnahmen gegen die Pandemie. Wie ist der aktuelle Stand?

Wir haben zum Ende der vergangenen Woche an fünf aufeinanderfolgenden Tagen den Inzidenzwert von 200 überschritten. Seit Dienstag, 1. Dezember 2020, gelten die neue sächsische Corona-Schutz-Verordnung, die Vierte Allgemeinverfügung des Landkreises Meißen mit den entsprechend strengeren Maßnahmen sowie die Fünfte Allgemeinverfügung – Absonderungen von Kontaktpersonen der Kategorie 1, von Verdachtspersonen und von positiv auf das Corona-Virus getesteten Personen. Die Lage ist also weiterhin ernst. Ich möchte hinzufügen, dass sich dieser Dezember 2020 mit seinem hohen Infektionsgeschehen so nicht wiederholen wird, davon bin ich überzeugt. Das neue Jahr wird uns unter anderem auf der Grundlage dann verfügbarer Impfstoffe in einer besseren Position sehen.

Kann man bei Inzidenzwerten von über 200 oder 300 überhaupt noch Kontakte nachverfolgen?

Eine Kontaktpersonennachverfolgung ist bei einem Inzidenzwert über 200 und 300 schwierig. Gegenwärtig werden mit Zeitverzug Kontaktpersonen der Kategorie 1 ermittelt und erhalten Quarantänebescheide.

Jetzt ist viel vom Schutz der Risikogruppen die Rede. Wäre nicht das Verteilen von FFP2-Masken an Betroffene hilfreich?

FFP-2-Masken werden demnächst an Einrichtungen und Bürger verteilt. Eine genaue Abstimmung mit den Landkreisen und Kreisfreien Städten ist noch nicht erfolgt. Aktuell besteht der Konsens, dass Abholmöglichkeiten geschaffen werden.

Wie läuft die Anpassung der Corona-Daten des RKI und des Gesundheitsamtes Meißen?

Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnten die Daten des Landkreises Meißen an die RKI- Vorgaben angepasst werden.

Was machen Sie, wenn die Fallzahlen nicht zurückgehen? Manche sagen, die bisher angewandten Methoden zur Kontaktbeschränkung sind zu lasch.

Wir haben ein sehr dynamisches Geschehen, so dass mit weiteren Einschränkungen zu rechnen ist.

Was empfehlen Sie den Landkreisbewohnern für die Advents- und Weihnachtszeit?

Die Advents- und Weihnachtszeit bleibt uns. Für viele Menschen wird es aber wohl bedeuten, dass die persönlichen Begegnungen in ihrer Zahl geringer ausfallen. Insofern werden die Feiertage sehr besinnlich sein. Es gibt jedoch keinen Grund, mit diesem Schicksal zu hadern. Wir müssen akzeptieren, dass die Pandemie ein sehr ernstes Risiko für jeden von uns darstellen kann. Dementsprechend ist es ganz wichtig, dass nicht nur durch die Gesundheitsbehörden, sondern auch durch die Familien alle geeigneten Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor Infektionen getroffen werden. Für die bevorstehende Zeit wünsche ich allen Bürgern von Herzen, dass sie gesund bleiben.

Die neue Meißner Amtsärztin Dr. Simone Bertuleit.
Die neue Meißner Amtsärztin Dr. Simone Bertuleit. © Gesundheitsamt Meißen

Vita

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  • 1983-1989: Studium der Humanmedizin in der Sowjetunion - Donezk (Ukraine)
  • Facharztausbildung Innere Medizin im Klinikum Chemnitz, Subspezialisierung Pneumologie im Fachkrankenhaus Coswig und im Klinikum Chemnitz
  • seit 2014 im ÖGD, Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen
  • Gesundheitsamt Mittelsachsen

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