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"Wir werden diese Krise überwinden"

Kreischas Bürgermeister Frank Schöning fehlt Geld in der Kasse. Trotzdem plant die Gemeinde Ausgaben, vor allem für die Schule. Ein Gespräch mit Sächsische.de.

Frank Schöning im Gespräch.
Frank Schöning im Gespräch. © Daniel Schäfer

Herr Schöning, können Sie dem verrückten Jahr 2020 irgendetwas Gutes abgewinnen?

Immer! Ich bin ein optimistischer Mensch und denke, jede Krise ist auch eine Chance. Wir haben die Hochwasser 2002 und 2013 überstanden sowie die Finanzkrise 2008. Wir werden auch die Corona-Pandemie überstehen. Und es ist ja nicht so, dass wir als Gemeinde 2020 nichts geschafft haben. Trotz Pandemie und Lockdown haben wir allerhand geleistet und viele Vorhaben umgesetzt, andere angeschoben.

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Was waren für Kreischa die wichtigsten Projekte?

Der Straßenbau in Gombsen. Die Sanierung der Baumschulenstraße begann bereits 2019 und wird noch schätzungsweise bis in den Mai hinein dauern. Finanziell und auch baulich ist das schon eine Hausnummer für uns. Leider haben sich beträchtliche Mehrkosten ergeben. Auch ein großes Projekt war die Sanierung der Sonnenleite ab der Rosenstraße. Die Straße liegt ja etwas versteckt, sodass viele das gar nicht so wahrgenommen haben. Wir haben den Abschnitt auf der Sonnenleite komplett auf den Kopf gestellt und knapp 400.000 Euro verbaut.

In Kreischa wurde 2020 aber nicht nur gebaut. Was hat die Gemeinde noch geschafft?

Wir haben die Feuerwehr für 44.000 Euro mit neuen Atemschutzgeräten ausgestattet. Wir konnten den Wasserpreis um 30 Cent pro Kubikmeter senken. Außerdem haben wir mit der Erstellung eines Bebauungsplanes für die geplante Milchviehanlage in Kleincarsdorf begonnen. Nach der Aufregung im vergangenen Jahr ist es uns gelungen, das Vorhaben wieder auf eine sachliche Arbeitsebene zu bringen.

Es wurden auch wichtige Entscheidungen zur Schule getroffen.

Ja, das stimmt. Der Neubau eines Schulcampus mit Grundschule, Oberschule und Sportanlagen ist unser Jahrzehntprojekt. Mit der Entscheidung im Architektenwettbewerb haben wir einen groben Entwurf vorliegen. Stand ist derzeit, dass die Planungen für Architektur und Landschaftsbau angelaufen sind. Diese Arbeiten müssen wir vorfinanzieren, können uns das Geld aber später über Fördermittel teilweise zurückholen.

Zurück zur Krise: Wie werden sich Pandemie, Lockdown, Unternehmenspleiten auf Kreischa auswirken?

Das ist ganz schwer zu sagen. Momentan spüren wir eventuelle Auswirkungen kaum. Aber abzusehen ist, dass es bald weniger Schlüsselzuweisungen aus dem Finanzausgleich geben wird, weil das Steueraufkommen sinkt. Das wird Kreischa natürlich genauso treffen, wie jede andere Kommune. Und es wird im sächsischen Staatshaushalt wohl insgesamt weniger Geld zur Verfügung stehen. Das bedeutet, es wird auch weniger Fördermittel geben, beispielsweise für den Straßenbau. Darauf müssen wir uns einstellen.

Und wie sieht es bei der Gewerbesteuer, der Umsatzsteuer und der Einkommensteuer aus?

Bisher höre ich von unseren ortsansässigen Unternehmen, also Handwerkern, Maschinenbauer oder Bauunternehmen, dass es eigentlich noch ganz gut läuft. Die großen Einbrüche gibt es ja im touristischen Bereich, in der Hotellerie, Gastronomie und bei den Einzelhändlern. Das macht mir Sorge. Die Einkommen- und die Umsatzsteuer betreffend wird sich das Thema Kurzarbeit schon bemerkbar machen. Das Lohngefüge von vor einem Jahr ist nicht mehr da.

Wie möchte die Gemeinde das abfedern? Geld wird doch für die Vorhaben 2021 in der Kasse trotzdem gebraucht.

Unser Haushaltsplanentwurf sieht ein etwa gleich großes Budget wie 2020 vor. Für wichtige Investitionsvorhaben werden wir auf die Rücklagen zurückgreifen. Und wir werden wohl Kredite aufnehmen müssen.

Was hat Kreischa dieses Jahr vor und welche wichtigen Investitionen sind geplant?

Die Sanierung der Kreischaer Straße in Gombsen steht auf dem Plan. Die sollte eigentlich gleich im Anschluss an den Ausbau der Baumschulenstraße starten, wird sich aber verzögern. Der Grund ist, dass wir einen Fördermittelnachschlag für entstandene Mehrausgaben beim Bau der Baumschulenstraße beantragt haben, darüber aber wohl erst im Frühsommer entschieden wird. Das verzögert das komplette Bauprojekt.

Was plant Kreischa 2021 noch?

Ganz viel. Wir wollen die Planungen für den Schulcampus vorantreiben. Es sind Investitionen in drei Bushaltestellen in Gombsen - insgesamt 350.000 Euro - vorgesehen. Der Kindergarten in der Schulgasse bekommt neue Außenanlagen. Wir müssen uns um die Erweiterung der Feuerwehrhäuser in Kreischa und Saida kümmern. Der Digitalpakt Schule soll umgesetzt werden. Für 150.000 Euro sollen ein WLAN-Netzwerk eingerichtet und die Computerkabinette neu ausgestattet werden.

Was wünschen Sie sich für 2021?

Dass wir zur Normalität zurück finden. Ein großer Verlust im vergangenen Jahr waren die sozialen Kontakte. Mir fehlen die Dorffeste, der Jahrmarkt, die Seniorengeburtstage, die 600-Jahr-Feier in Wittgensdorf. Für mich als Bürgermeister sind das Gelegenheiten, die Kreischaer ganz ungezwungen zu treffen, ins Gespräch zu kommen, die Probleme rauszuhören. Und den Bürgern selbst fehlt diese zwischenmenschliche Komponente auch. Ich habe auch Sorge, dass da vieles, was aufgebaut wurde, verlorengeht. Die Vereinsarbeit leidet, der Sport leidet, die Kultur leidet. Und irgendwann kommen die Vereine und Initiativen auch in Finanznot.

Haben Sie trotzdem Verständnis für die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung?

Ja, ich habe Verständnis, auch für den zweiten Lockdown. Ich kann das fachlich nicht beurteilen, aber die Zahlen im Frühjahr haben gezeigt, dass ein Lockdown etwas bringt. Gut ist, dass es jetzt einheitliche Regelungen gibt. Was die Leute so verrückt gemacht hat, sind doch die vielen verschiedenen und sich teils widersprechenden Vorschriften gewesen. Ich hoffe, wir kommen jetzt irgendwie durch den Winter und können ab dem Frühjahr diese Pandemie endlich hinter uns lassen.

Das Gespräch führte Annett Heyse.

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