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SOE: Nur jede zweite Arztpraxis impft

Mit Schließung der Impfzentren wird es schwieriger, zu einer Corona-Impfung zu kommen. Kliniken könnten helfen - doch sie halten sich zurück.

Wird künftig in den Kliniken im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gegen Covid-19 geimpft?
Wird künftig in den Kliniken im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gegen Covid-19 geimpft? © Symbolfoto: Marion Doering

Als "Spätentschlossene", wie die Freitalerin sich nennt, versucht Judith Thiele seit einigen Tagen einen Impftermin zu bekommen. Vergeblich. "Mal ehrlich: Kann doch nicht sein, oder?", schreibt sie an die Redaktion.

Bei ihrem Hausarzt sei im Oktober kein Termin mehr verfügbar. Lediglich sechs Impftermine pro Tag könnte dieser vergeben. Zu wenig, gemessen an der Nachfrage. Alternativen konnte die Praxis der Interessentin nicht nennen.

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Nach einem Stopp des Impfbusses in Freital in absehbarer Zeit hat sie ebenfalls vergeblich gesucht. Um mal eben nach Pirna oder woanders hinzufahren, fehlt ihr als dreifache Mutter die Zeit. Weil das Impfzentrum in Pirna wegen zu geringer Auslastung Anfang des Monats geschlossen wurde, reduziert sich zudem das Angebot.

Keine feste Impfstelle mehr in SOE

Dabei ist es nötig, so viele Impfwillige wie möglich eine Impfung zukommen zu lassen, sagen Gesundheitsexperten. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ist gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung vollständig geimpft. Nur in den Landkreisen Zwickau, Bautzen und Erzgebirgskreis liegt die Quote noch etwas niedriger. Sachsen ist das Schlusslicht der Bundesländer.

Entsprechend unzufrieden ist das sächsische Gesundheitsministerium und will trotz der Schließung der Impfzentren die Impfkampagne weiter vorantreiben. 30 mobile Impfteams sind im Freistaat unterwegs. Vor allem sollen aber Haus-, Kinder-, Fach- oder Betriebsärzte impfen. Doch da hapert es.

Auf der Karte der festen Impfstellen in Sachsen ist der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ein weißer Fleck. Über die Impffinder-App kann man als Freitaler im Umkreis von 20 Kilometern wenigstens in Dresdner Impfpraxen fündig werden. Im 20-Kilometer-Umkreis von Altenberg ist dagegen in den nächsten 14 Tagen nichts zu finden. Auch bei den Sonderimpfaktionen des DRK in Sachsen ist im gesamten Oktober kein einziger Vor-Ort-Termin im Ex-Weißeritzkreis vorgesehen. Haben die Macher der Impfkampagne die Region aufgegeben?

Im Landkreis SOE gibt es mit Stand vom 7. Oktober keine feste Impfstelle.
Im Landkreis SOE gibt es mit Stand vom 7. Oktober keine feste Impfstelle. © Screenshot SZ

Ärzte fühlen sich unterbezahlt fürs Impfen

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) will noch mal eine Informationskampagne für ihre Arztpraxen auflegen. Die KVS geht davon aus, dass durchaus noch mehr Praxen davon überzeugt werden können, gegen den Coronavirus zu impfen.

Bis Ende September haben sich in Sachsen insgesamt 2.770 Arztpraxen an der Impfkampagne beteiligt. Das ist zum einen lediglich etwa die Hälfte der Einrichtungen. Zum anderen haben sich laut KVS viele Praxen nur kurz oder sporadisch beteiligt. Nur 1.500 Arztpraxen impfen regelmäßig. "Wir werden jetzt noch mal mit einem Rundschreiben über die neuen Modalitäten informieren", sagt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVS, Sylvia Krug.

Dass sich Praxen zurückhalten, begründeten viele Ärzte damit, dass einzelne Impfungen für sie nicht wirtschaftlich sind. 20 Euro gibt es pro Impfung, bei enormem bürokratischem Aufwand. Zudem ist der bisher beliebteste Impfstoff von Biontech/Pfizer aufgetaut nicht lange haltbar und in Sechser-Portionen gestückelt. Impfwillige müssten also gruppenweise kommen.

Impftage an Kliniken in SOE im Gespräch

Das sächsische Gesundheitsministerium setzt deshalb verstärkt auf Kliniken und Krankenhäuser. Doch auch hier scheint der Plan noch nicht aufzugehen. Erst wenige Häuser im Freistaat hätten die Bereitschaft signalisiert, solche Impfungen für die Bevölkerung durchzuführen, gab das Ministerium vor Kurzem bekannt. Auch die Kliniken im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind eher verhalten.

"Es ist Kliniken nicht ohne Weiteres möglich, Impfungen durchzuführen. Dies kann lediglich im Rahmen des stationären Aufenthaltes geschehen, wenn keine Kontraindikationen vorliegen. Eine Impfung im ambulanten Setting ist Ärzten mit einer Ermächtigung oder einer Niederlassung vorbehalten, zum Beispiel in unseren Medizinischen Versorgungszentren", erklärt Katharina Kurz für die Helios-Kliniken, die in Pirna, Dippoldiswalde und Freital Krankenhäuser betreiben.

Untätig sei man aber nicht. "So haben sich die Helios Kliniken in Freital und Dippoldiswalde bereits im April und Mai an einem Pilotprojekt des sächsischen Sozialministeriums beteiligt und tausende Bürger geimpft. Auch nach Auslaufen des Projektes haben wir uns angeboten, weitere Impfaktionen durchzuführen", betont Kurzweg.

Aufgrund der Schließung der Impfzentren liefen nun wieder Gespräche, ob und wie zukünftig regelmäßige Impftage in einzelnen Kliniken aussehen könnten. Hierbei müssten noch Detailfragen geklärt werden. "Diese Gespräche stehen kurz vor dem Ende, sodass wir hoffen, bald konkret mitteilen zu können, ab wann wie geimpft wird und in welchen Kliniken", sagt die Sprecherin.

Impf-Zurückhaltung bei Asklepios in Sebnitz

Zurückhaltender bei dem Vorstoß, Coronaschutzimpfungen für die Allgemeinheit anzubieten, äußert sich die Asklepios Sächsische Schweiz Klinik in Sebnitz. "Zu dem Thema Impfungen für die Bevölkerung befinden wir uns derzeit intern und mit den beteiligten Akteuren in Abstimmung", erklärt Klinikmanagerin Maren Kählig auf Anfrage von Sächsische.de. Konkrete Aussagen könne sie derzeit nicht machen und verweist ganz allgemein auf die niedergelassenen Ärzte.

Derweil werden im Landkreis wieder vermehrt Neuinfektionen mit dem Coronavirus festgestellt. Die Inzidenz lag zu Wochenanfang wieder im dreistelligen Bereich, fiel dann aber wieder leicht. Am 7. Oktober meldete das Robert-Koch-Institut einen Wert von 82,1 Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Kalendertage je 100.000 Einwohner.

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Maßgeblich für verschärfte Corona-Maßnahmen ist in Sachsen auch nicht die Inzidenz, sondern die Belastung der Kliniken. Die Zahl der Covid-Patienten liegt zwar noch weit unter dem Grenzwert, steigt aber. Die Vorwarnstufe wird erreicht, wenn mehr als 650 Betten auf Normalstation oder mehr als 180 Betten auf Intensivstation mit Corona-Patienten belegt sind. Mit Stand von 7. Oktober liegen die Werte bei 155 und 75. Das Gesundheitsamt meldete für den Landkreis 25 Covid-Patienten, von denen 12 auf Intensivstationen behandelt werden.

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