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Skisprung-Star Weißflog kämpft für Gastronomen

Der Corona-Lockdown setzt auch Jens Weißflog zu. Mit leeren Stühlen protestierte der Hotelier schon auf Marktplätzen. Jetzt platzte ihm der Kragen.

Im Frühjahr engagierte sich Jens Weißflog in seinem Heimatort Oberwiesenthal im Rahmen der Aktion „Leere Stühle“ für die Gastronomen.
Im Frühjahr engagierte sich Jens Weißflog in seinem Heimatort Oberwiesenthal im Rahmen der Aktion „Leere Stühle“ für die Gastronomen. © Archiv: dpa/Hendrik Schmidt

Oberwiesenthal. In seiner ersten Karriere galt Jens Weißflog als ruhig und besonnen. Dass ihn fast nichts aus der Ruhe bringen konnte, war ein Grund, warum er einer der weltweit erfolgreichsten Skispringer wurde, alle großen Titel gewann, die es in seiner Sportart gibt.

Doch nun platzte dem „Floh vom Fichtelberg“, wie er auch 25 Jahre nach seinem letzten Sprung genannt wird, der Kragen. Erst kritisierte er bei Facebook die Corona-Politik der Bundesregierung („Für mich wird entschieden – über meinen Kopf hinweg!“, „Wir werden auf unbestimmte Zeit hingehalten ... Ende in Sicht? Wohl nicht“), dann legte er in einem Interview mit dem MDR nach.

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Nach seinem Karriereende eröffnete er in Oberwiesenthal ein Hotel, das nun seit November erneut geschlossen ist. Gerade ist eigentlich Hauptsaison – und das bei bestem Winterwetter. „Es ist schon ein herber Schlag. Wären die letzten Jahre nicht so gelaufen, wäre der Lockdown jetzt für uns absolut problematisch“, erklärte der 56-Jährige. „Die zugesagten Hilfen kommen viel zu langsam. Bislang haben wir jeweils 50 Prozent der November- und Dezemberhilfe bekommen. Unser Steuerberater sagt, es lohnt nicht, nachzufragen, weil die überlastet sind. Meiner Meinung nach sind es nicht haltbare Zustände, wenn Versprechen nicht eingehalten werden.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Weißflog gegen die Schließung der Gastronomie in der Pandemie protestiert. Im Frühjahr beteiligte er sich an der bundesweiten Aktion „Leere Stühle“, platzierte sie auf Marktplätzen, um auf die prekäre Lage der Hotel- und Restaurantbetreiber hinzuweisen. „Ich leide mit jedem Kollegen, der sich mit dem Gedanken trägt zuzuschließen, nachdem er den letzten Cent an die Versicherung, die Berufsgenossenschaft, den Energieversorger und den Vorschuss an die Krankenkassen oder die Bank gelöhnt hat“, schrieb er jetzt auf Facebook, appellierte aber gleichzeitig: „Haltet durch!“

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In Richtung der Politik mahnte er, die Betroffenen in die Diskussionen einzubeziehen. Man könne nicht alles nur vom Schreibtisch aus entscheiden. So würde für das Skigebiet am Fichtelberg ein Hygienekonzept mit Nachverfolgungs-App vorliegen. „Es müsste einfach mal abgefragt werden“, forderte er und kämpft weiter. Aufgeben kommt für ihn weiter nicht infrage.

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