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Jetzt kommt die Quarantäne zum Selbermachen

Weil das Gesundheitsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge überlastet ist, müssen sich Betroffene selbst mit kümmern. Diese Regeln gelten ab Montag.

Quarantäne-Schild an einer Haustür. Betroffene müssen jetzt mehr Eigenverantwortung an den Tag legen.
Quarantäne-Schild an einer Haustür. Betroffene müssen jetzt mehr Eigenverantwortung an den Tag legen. © SZ/Uwe Soeder

Die Quarantäne, auch häusliche Absonderung genannt, ist derzeit neben Kontakteinschränkungen und Hygienemaßnahmen das stärkste Mittel gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus. Einen zugelassenen Impfstoff und Therapien gibt es derzeit noch nicht. Deshalb müssen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Kontaktpersonen von Infizierten, aber auch Menschen mit verdächtigen Symptomen und positiv Getestete grundsätzlich in Quarantäne.

Deren Länge variiert nach den Umständen des Falles. Im Landratsamt in Pirna arbeiten mittlerweile rund 150 Menschen, um Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen, Tests anzuordnen und Quarantäneanordnungen zu verschicken. Allerdings kommen diese Teams mit Blick auf die weiterhin hohen Zahlen nicht mehr hinterher. Deshalb hat der Landkreis am Sonntag eine Allgemeinverfügung mit neuen Quarantäneregeln erlassen.

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Sie tritt am Montag, 23. November, in Kraft. Der Grundgedanke: Wenn bestimmte Bedingungen zutreffen, müssen sich Einwohner des Landkreises ohne gesonderte Aufforderung in Quarantäne begeben und entsprechende Vorschriften beachten. Sächsische.de erklärt die ab Montag geltenden Regelungen.

Was gilt für Kontaktpersonen von Corona-Infizierten?

Die Allgemeinverfügung stellt auf enge Kontaktpersonen der sogenannten Kategorie I ab. Sobald das Gesundheitsamt es jemandem mitteilt, eine solche Kontaktperson zu sein, muss dieser für 14 Tage in Quarantäne.

Wenn in dieser Zeit Symptome auftreten, muss der Betroffene mit dem Hausarzt und dem Gesundheitsamt Kontakt aufnehmen, die über das Weitere entscheiden. Unabhängig davon muss eine Kontaktperson der Kategorie I täglich zweimal die Körpertemperatur messen und die Ergebnisse in einem Tagebuch festhalten. In diesem Tagebuch sind auch Krankheitssymptome und Kontakte zu anderen Personen zu notieren.

Was gilt für noch nicht getestete Verdachtspersonen?

Husten, Fieber, Schnupfen sowie Geruchs- und Geschmacksstörungen können auf Covid-19 hindeuten. Sobald diese und andere mögliche Symptome auftreten, muss man sich um einen PCR-Test bemühen. Nach der Testung hat man sich unverzüglich in Quarantäne zu begeben. Wenn das Gesundheitsamt die Testung anordnet, gilt die Quarantänepflicht sofort und wird nur für die Zeit der Testung unterbrochen. Liegt ein negatives Testergebnis vor, endet die häusliche Absonderung.

Allerdings ist das nur bei PCR-Tests, nicht aber bei den weniger zuverlässigen Antigen-Tests der Fall. Liegt jedoch ein Testergebnis auch nach Ablauf des 5. Tages nach der Testung nicht vor, endet die Absonderung ebenfalls. Wenn aber der Test positiv ausfällt, gelten die Regeln für positiv Getestete.

Was gilt für positiv auf Covid-19 getestete Personen?

Wenn jemand ein positives Testergebnis bekommt, gehört er in Quarantäne, die nach Ablauf des 10. Tages nach Kenntnisnahme des positiven Ergebnisses endet – falls die Person frei von Symptomen bleibt. Bei leichten Symptomen beträgt die Quarantäne mindestens zehn Tage ab Symptomentwicklung. Um die Quarantäne zu beenden, müssen zusätzlich 48 Stunden ohne Symptome vergehen.

Bei anhaltenden Symptomen hat der Betroffene mit dem Hausarzt oder dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst und zusätzlich mit dem Gesundheitsamt Kontakt aufnehmen. Der Bereitschaftsdienst hat die Telefonnummer 116117. Das Landratsamt ist telefonisch unter 035015151190 und per Mail unter [email protected] zu erreichen.

Wie ist die häusliche Absonderung zu gestalten?

Vorgeschrieben ist eine räumliche und zeitliche Trennung von anderen im Hausstand lebenden Personen, sofern sie sich nicht ebenfalls in Quarantäne befinden. Das heißt: Man muss sich in unterschiedlichen Räumen aufhalten, es wird nicht gemeinsam, sondern nacheinander oder getrennt gegessen. Man darf in den Garten oder auf den Balkon gehen – allein oder mit anderen aus demselben Haushalt, falls diese ebenfalls in Quarantäne sind.

Das Empfangen von Besuchern ist nicht gestattet. Wer sich in Quarantäne befindet, darf seine Wohnung nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Gesundheitsamtes verlassen. Wenn eine Wohnung nicht über genug Räume verfügt, können nicht alle Quarantäneregeln umgesetzt werden. Auf Anfrage heißt es im Landratsamt: „Wir werden nicht zulasten der Betroffenen realitätsferne Regelungen treffen.“

Welche Konsequenzen hat eine Quarantäne fürs Arbeitsverhältnis?

Wer sich in Quarantäne befindet, bekommt seinen Arbeitslohn unvermindert von dem Arbeitgeber bezahlt. Dieser holt dann seine Ausgaben vom Staat zurück. Auf Anfrage teilt das Landratsamt mit, dass auch unter den neuen Quarantäneregeln Bestätigungen an die Betroffene verschickt werden.

Welche Strafen sieht die Allgemeinverfügung vor?

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Wer als Betroffener die ab Montag geltenden Vorschriften missachtet, muss je nach Art und Schwere des Verstoßes eine Geldbuße von bis zu 25.000 Euro zahlen. Die Allgemeinverfügung gilt bis einschließlich 31. Januar 2021. Gegen die Allgemeinverfügung kann innerhalb eines Monats Widerspruch erhoben werden. (SZ)

Die vollständige Allgemeinverfügung zur Quarantäne ist auf der Website des Landratsamts Pirna nachlesbar.

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