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Wie die Valtenbergwichtel Corona trotzen

Mit der Pandemie hat sich die Jugendsozialarbeit im Kreis Bautzen stark verändert. Jetzt naht eine weitere große Herausforderung.

Nur für das Foto haben die Valtenbergwichtel Susann Krause, Sandra Schwarze, Paul Schneider, Candy Winter und Evelyn Schöbel (v. l.) ihre Masken kurz abgesetzt. Die Sehnsucht nach Rückkehr zur Normalität ist bei den Jugendsozialarbeitern groß.
Nur für das Foto haben die Valtenbergwichtel Susann Krause, Sandra Schwarze, Paul Schneider, Candy Winter und Evelyn Schöbel (v. l.) ihre Masken kurz abgesetzt. Die Sehnsucht nach Rückkehr zur Normalität ist bei den Jugendsozialarbeitern groß. © SZ/Uwe Soeder

Wilthen. Die Jugendhäuser: geschlossen. Die Schulen: nur teilweise geöffnet. Aktivitäten im Freien: nur möglich unter strengen Auflagen. - Die Jugendarbeit der Valtenbergwichtel aus Neukirch hat sich unter den Bedingungen der Pandemie verändert. Wo persönliche Kontakte und Gespräche sonst im Mittelpunkt stehen, herrscht derzeit ungewohnte Stille.

Während des ersten Lockdowns, erinnert sich Sandra Schwarze, Schulsozialarbeiterin an der Sohlander Oberschule, sei es schwierig geworden, mit den Schülern in Kontakt zu bleiben. "Es hat sich gezeigt, dass für Jugendliche das Telefon nicht das Medium der Wahl ist", hat sie beobachtet. Und auch die Kommunikation über Messenger-Dienste wie WhatsApp sei nicht so richtig in die Gänge gekommen.

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Jugendliche leiden unter Einsamkeit und Stress

Dabei sei der enge Kontakt mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders in Pandemie-Zeiten wichtig. Denn auch deren Probleme sind von den Einschränkungen des öffentlichen Lebens beeinflusst: "Motivation ist ein riesen Thema, aber auch Einsamkeit, Ängste, Stress und die Erfahrung, dass es auch für die Eltern eine schwierige Zeit ist", zählt Sandra Schwarze auf.

Probleme junger Menschen sind für die Valtenbergwichtel gewohntes Terrain. Aber sie müssen von den Gedanken ihrer Schützlinge wissen, um sie unterstützen zu können. Diesem Austausch im Weg steht derzeit nicht nur der Wegfall persönlicher Kontakte: "Den Jugendlichen fiel es anfangs schwer, überhaupt zu formulieren, was ihnen Angst macht", so Sandra Schwarze.

Aus den Erfahrungen des ersten Lockdowns lernten die Valtenbergwichtel. In den Herbstferien, sagen Susann Krause vom Jugendhaus Wilthen und Candy Winter von der mobilen Jugendarbeit, seien die Jugendhäuser voll gewesen. Der Bedarf war da, aber der zweite Lockdown kündigte sich an. "Wir haben uns hingesetzt, Ideen gesponnen und unser Angebot geklärt", erinnert sich Sandra Schwarze.

Neukirchs Jugendhaus wurde virtuell

Entstanden sei etwa ein virtuelles Jugendhaus auf der Chat-Plattform Discord. Erdacht und umgesetzt hat das Paul Schneider, Schulsozialarbeiter an Wilthens Gymnasium. "Für ein niedrigschwelliges Angebot mussten wir dorthin gehen, wo die Jugendlichen sind. Die meisten kennen und nutzen Discord schon länger, die Bedienung ist einfach, und wir haben Kontrolle darüber, wer sich auf unserem vereinsinternen Server befindet", erklärt er.

Dort werden inzwischen gemeinsam Spiele gespielt, Tipps gegen Langeweile getauscht und: "Man kann auch einfach mal Dampf ablassen", so Paul Schneider. Darüber hinaus initiierten die Valtenbergwichtel eine Umfrage unter Schülerinnen und Schülern aller Klassenstufen. Das Ergebnis: "Es hat sich herausgestellt, dass die Schüler wirklich belastet sind. Sie machen sich große Gedanken über die Zukunft", fasst Sandra Schwarze zusammen.

Bus wird zum mobilen Büro

Um jenen Jugendlichen, die in der Krise besonders leiden, schnell helfen zu können, dachten die Valtenbergwichtel um: Derzeit nutzen drei Schülerinnen und Schüler das Wilthener Jugendhaus regelmäßig für den Unterricht aus der Ferne. Der Bus der mobilen Jugendarbeit wurde zum fahrenden Büro umgerüstet - um Hausaufgaben auszudrucken etwa und am Rande dessen mit einzelnen Jugendlichen oder Kleinstgruppen im Gespräch zu bleiben.

Einen neuen Karriereweg schlugen die Valtenbergwichtel überdies ein: "Wir werden jetzt Influencerinnen", sagt Susann Krause lachend und verweist auf die Profile der Jugendarbeit auf sozialen Medien. Regelmäßig interviewen die Mitarbeiter sich dort gegenseitig, kochen live oder teilen kreative Anleitungen gegen die Langeweile.

Das klingt unterhaltsam. Aber die große Herausforderung kommt noch auf die Valtenbergwichtel zu, wenn die Normalität wieder Einzug hält. Einen ersten Vorgeschmack darauf bekommt bereits Evelyn Schöbel, Schulsozialarbeiterin an der Sohlander Grundschule. Die meisten Schüler sind hier wieder zum Unterricht zurückgekehrt - und meistern die Folgen der vergangenen Monate ganz unterschiedlich, hat sie beobachtet: "Manche sind aufgeblüht, weil der Klassenverband weit weg war. Andere tun sich schwer mit der Rückkehr in die alte Struktur oder haben einen neuen Tag-Nacht-Rhythmus. Wieder andere haben die Erfahrung gemacht, dass Familien, die außerhalb des Lockdowns gut funktionieren, nicht mehr harmonisch sind." Für Evelyn Schöbel ist klar: "Ich werde es mit mehr Einzelfällen zu tun haben."

Ein Gutes kann Candy Winter an der Misere finden: Die Bedeutung der Jugendsozialarbeit, findet sie, sei in der Krise sichtbar geworden. "Es braucht jedes unserer Arbeitsfelder, weil alles miteinander vernetzt ist", sagt sie und wagt einen Appell: "Dieses Netzwerk braucht es perspektivisch umso mehr. Aber es wird nur funktionieren, wenn die einzelnen Arbeitsfelder finanziell abgesichert sind."

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