merken
PLUS Kamenz

Kamenz: Impfen so leicht wie nie

Ohne Termin kann sich derzeit jeder ab 14 Jahre im Impfzentrum den Stoff seiner Wahl spritzen lassen. Sächsische.de schaute sich vor Ort um.

Kam am Mittwoch zum Impfen: Christin Hille aus Hoyerswerda. Schwester Annett Rietschel (r.) verabreichte die Spritze. Bis zu 500 Impfwillige werden immer noch täglich in Kamenz geimpft.
Kam am Mittwoch zum Impfen: Christin Hille aus Hoyerswerda. Schwester Annett Rietschel (r.) verabreichte die Spritze. Bis zu 500 Impfwillige werden immer noch täglich in Kamenz geimpft. © Kristin Richter

Kamenz. Mittwochnachmittag: Roland M. (*Name von der Redaktion geändert) ist gerade von der Arbeit raus - und rein ins Kamenzer Impfzentrum. Er ist heute hier exakt der 50., der sich ohne vorherigen Termin die erste Spritze verpassen lassen möchte. Das ist seit 2. Juli in allen sächsischen Impfzentren möglich. In Kamenz sei das Angebot gut angelaufen. "Heute war schon ganz schön was los", ruft Karin Wießner vom DRK im Vorübergehen. Und widmet sich wieder Roland M.

Der möchte seinen richtigen Namen nicht sagen, lieber auch kein Foto. Der Bauarbeiter ist hier, weil er gerade Zeit hat. Und auch ein bisschen, weil im September Urlaub ansteht. Seine Frau ist bereits geimpft, nun will er nachziehen. "Ist ja doof, wenn man dann wieder jede Menge Tests braucht, nur um irgendwo reinzukommen", sagt der 43-Jährige.

Anzeige
Dynamo will nicht brav sein
Dynamo will nicht brav sein

Obwohl es beim Termin fürs Mannschaftsfoto diesmal eher unspektakulär zuging, wollen die Schwarz-Gelben Liga 2 mit mutigem Spiel rocken.

Von totaler Impfmüdigkeit noch nichts zu merken

Viele treibt genau dieser Umstand derzeit in die Impfzentren. "Daraus muss man ja auch gar keinen Hehl machen", sagt Holger Beier, der Leiter des Kamenzer Impfzentrums. Was die Menschen am Ende dazu bringt, sei allein ihre Entscheidung.

Von Impfmüdigkeit jedenfalls sei in Kamenz noch nicht so viel zu spüren, wie oft in den Medien beschrieben. "Pro Tag kommen immer noch 250 bis 500 Impfwillige her", berichtet Beier. Für diesen Freitag habe man zum Beispiel sehr viele Impftermine vergeben. Woran das liegt, sei nicht immer nachzuvollziehen. Die Leute haben an einem Freitag wahrscheinlich mehr Zeit also sonst.

Alle Impfstoffe stehen zur Verfügung

Roland M. hat mittlerweile am Einlass die vielen Bögen ausgefüllt. Das ist an sich kein Hexenwerk, braucht aber Zeit. Aufklärungsmerkblatt und der Anamnese- und Einwilligungsbogen - das dauert ein paar Minuten. Wer mit Termin herkommt, hatte die Formulare oft schon zu Hause ausgefüllt. "Wir haben aber festgestellt, dass sich da sehr viele Fehler eingeschlichen haben", sagt Holger Beier. Vor Ort ginge das alles ebenso schnell. Und seine Mitarbeiter unterstützen die Impfwilligen routiniert.

Für Impfwillige ab 14 Jahren stehen auch in Kamenz mittlerweile alle verfügbaren Impfstoffe der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna sowie Johnson & Johnson zur Verfügung. Unter 18 Jahre braucht es die Begleitung der Eltern. Roland M. entscheidet sich für Biontech. Das tun die meisten. "Die Nachfrage nach mRNA-Covid-19-Impfstoffen ist am größten", sagt Holger Beier. "Aber manch einer kommt auch und möchte gezielt Astrazeneca. Meistens haben sich die Leute vorher damit intensiv beschäftigt. Andere entscheiden spontan nach dem Arztgespräch in der Kabine." Auch Johnson & Johnson werde immer mehr verlangt. Wahrscheinlich locke hier die Tatsache, dass nur einmal geimpft werden muss.

Am Ausgang gibt's den CQR-Code für den Impfnachweis

Kaum fünf Minuten, nachdem Roland M. seine Unterlagen beim "Check in" abgegeben hat und die Krankenkarte eingelesen ist, sitzt er schon in einer der vielen Kabinen. Es folgt ein kurzes Arztgespräch, dazu gibt's kleine Tipps für die nächsten Tage. Dass der Arm schmerzen könnte, weiß der Bauarbeiter. "Ich habe schon Schlimmeres überlebt", sagt er. "Hoffen wir mal das Beste", murmelt er dann noch.

Nach dem Piks folgen 15 Minuten Wartezeit, um zu sehen, ob die Impfung gut vertragen wurde. Ohnehin staut es sich gerade am "Check Out". Zwölf Frauen und Männer stehen in der Schlange. Dort gibt's auch die QR-Codes für den digitalen Impfausweis. Viele sind heute zur zweiten Impfung da. Die DRK-Mitarbeiter haben gut zu tun.

Ab 1. August nur noch bis 18 Uhr geöffnet

"Zu Spitzenzeiten haben wir fast 700 Leute pro Tag geimpft. Mittlerweile sind es im Schnitt 200 weniger. Mit den aktuellen Zahlen sind wir aber zufrieden", sagt Peter Mark. Der DRK-Kreisgeschäftsführer schaut gerade in Kamenz vorbei. Das Team funktioniere bestens, lobt er. Alle seien nach den Monaten seit dem Start aufeinander eingespielt. Im Zwei-Schicht-System arbeiten bis zu 20 DRK-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter. Dazu kommen täglich bis zu drei Impfärzte und Schwestern sowie Security und Einsatzkräfte der Bundeswehr. Letztere wechseln wochenweise.

Das Zentrum ist montags bis sonntags von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Ab 1. August allerdings nur noch bis 18 Uhr. Bis Ende September sollen die Impfzentren in Sachsen generell offen bleiben. "Wir stellen auch gerade einen neuen Plan für unsere beiden mobilen Impf-Teams zusammen", erklärt Beier. Wo diese tageweise zu finden sein werden, stehe noch nicht ganz fest. Angepeilt seien das Lausitz-Center in Hoyerswerda sowie das Kornmarkt-Center in Bautzen.

Weiterführende Artikel

Pro & Kontra: Corona-Impfpflicht für alle?

Pro & Kontra: Corona-Impfpflicht für alle?

Hier diskutieren Sachsens Ärztepräsident und ein Geschäftsführer aus der Pflegebranche über eine Impfpflicht.

Impfgipfel wirbt für Corona-Impfungen

Impfgipfel wirbt für Corona-Impfungen

Regierung und Institutionen senden einen dringenden Appell an die Sachsen. Die Zahl der Geimpften sei noch zu gering, um die Pandemie zu beenden.

Impftermin in Sachsen: Alle wichtigen Infos

Impftermin in Sachsen: Alle wichtigen Infos

Corona-Schutzimpfungen sind in Sachsen künftig mit und ohne Termin möglich. Hier finden Sie alle wichtigen Infos zu Anmeldung, Dokumenten und Orten.

Roland M. ist nach einer dreiviertel Stunde wieder an der frischen Luft - und erstaunt, wie schnell es ging. "Das war ein guter Durchlauf - so ganz ohne Termin", meint Holger Beier. Eventuell könne es mal eine halbe Stunde Wartezeit geben, mehr aber auch nicht. Stoßzeiten seien zwischen 10 und 15 Uhr. Wer sicher gehen will, macht sich trotzdem besser einen Termin. Im Impfportal gibt es freie Kapazitäten. Und es funktioniere mittlerweile reibungslos. "So einfach wie jetzt war das Impfen wirklich noch nie", sagt Peter Mark.

Die Kabinen im Kamenzer Impfzentrum - dicht an dicht wird hier in Spitzenzeiten geimpft. Bis zu drei Impfärzte sind in der Regel vor Ort.
Die Kabinen im Kamenzer Impfzentrum - dicht an dicht wird hier in Spitzenzeiten geimpft. Bis zu drei Impfärzte sind in der Regel vor Ort. © Kristin Richter
Aufklärungsmerkblatt und der Anamnese- und Einwilligungsbogen müssen am Eingang ausgefüllt werden - das dauert ein paar Minuten. Christin Hille aus Hoyerswerda (r.) war schon gut vorbereitet.
Aufklärungsmerkblatt und der Anamnese- und Einwilligungsbogen müssen am Eingang ausgefüllt werden - das dauert ein paar Minuten. Christin Hille aus Hoyerswerda (r.) war schon gut vorbereitet. © Kristin Richter
Erst nach dem Check in geht's in die Impf-Kabine.
Erst nach dem Check in geht's in die Impf-Kabine. © Kristin Richter
Ohne Security geht nichts in den Impfzentren. Auch Steve Rykuv ist in Kamenz im Einsatz.
Ohne Security geht nichts in den Impfzentren. Auch Steve Rykuv ist in Kamenz im Einsatz. © Kristin Richter
Am Eingang zum Impfzentrum wartet bereits eine erste Registrierung. Janett Mickel (r.) von der Security war am Mittwoch im Dienst.
Am Eingang zum Impfzentrum wartet bereits eine erste Registrierung. Janett Mickel (r.) von der Security war am Mittwoch im Dienst. © Kristin Richter
Peter Mark, Kreisgeschäftsführer des DRK Bautzen, Impfzentrum-Leiter Holger Beier und sein Stellvertreter Mike Berger (v.r.)
Peter Mark, Kreisgeschäftsführer des DRK Bautzen, Impfzentrum-Leiter Holger Beier und sein Stellvertreter Mike Berger (v.r.) © Kristin Richter
Impfarzt Benjamin Glauche (M.) und Schwester Annett Rietschel im Vorgespräch mit Christin Hille aus Hoyerswerda.
Impfarzt Benjamin Glauche (M.) und Schwester Annett Rietschel im Vorgespräch mit Christin Hille aus Hoyerswerda. © Kristin Richter

Mehr zum Thema Kamenz