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Impfzentrum Kamenz: "Standort nicht verhandelbar"

Die Sporthalle am Kamenzer Flugplatz wird Anlaufpunkt für Impfwillige. Das Landratsamt lässt daran nicht rütteln – und der OB fordert Solidarität.

In der Sporthalle am Kamenzer Flugplatz entsteht das Impfzentrum für den Landkreis Bautzen. Trotz Kritik hält das Landratsamt an dieser Entscheidung fest.
In der Sporthalle am Kamenzer Flugplatz entsteht das Impfzentrum für den Landkreis Bautzen. Trotz Kritik hält das Landratsamt an dieser Entscheidung fest. © Matthias Schumann

Kamenz/Bautzen. Das Corona-Impfzentrum für den Landkreis Bautzen soll in Kamenz entstehen, und zwar in der Schulsporthalle des Lessing-Gymnasiums am Flugplatz. An dieser Entscheidung wird nicht gerüttelt. Das hat das Bautzener Landratsamt jetzt mitgeteilt. „Es ist keine Zeit für langwierige Diskussionen. Die Coronavirus-Pandemie erfordert schnelles und konsequentes Handeln“, sagt Vize-Landrat Udo Witschas (CDU).

Die Entscheidung des Landkreises, in dessen Trägerschaft sich die Halle befindet, sei abschließend getroffen. Man sei sich aber dessen bewusst, dass mit der vorübergehenden Nutzung der Sporthalle als Impfzentrum erhebliche Einschränkungen für den Schul- und Vereinssport verbunden sind. „Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“, bittet Udo Witschas um Verständnis.

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Das Schulamt des Landratsamtes prüfe aktuell verfügbare Zeiten in anderen Sporthallen in Kamenz, um zumindest einen beschränkten zeitlichen Ausgleich für die Nutzer der Sporthalle an der Macherstraße zu organisieren. Im Fokus stehe hierbei jedoch erst einmal nur der Schulsport. Dazu soll es zeitnah Abstimmungen mit den jeweiligen Schulleitungen geben.

Sportlehrer warnen vor langem Unterrichtsausfall

An der Tatsache, dass die Halle durch die Nutzung als Impfzentrum monatelang für den Schul- und Vereinssport wegfällt, hatte sich in den letzten Tagen in Kamenz eine kritische Diskussion entzündet. Vor allem das Sportlehrerkollegium des Lessing-Gymnasiums sieht eine schwierige Situation auf sich zukommen. "So sehr wir die Bemühungen unserer Regierung und auch des Landratsamtes unterstützen, so befremdlich finden wir die Vorgehensweise bei der Auswahl der entsprechenden Impfzentren", schreiben sie in einem offenen Brief an Landrat Michael Harig (CDU).

Die für das Impfzentrum vorgesehene Sporthalle wird aktuell von fünf Vereinen und vier Kamenzer Schulen genutzt. Auch der DFB unterhält einen Nachwuchsförderstützpunkt in der Halle. "Deshalb fragen wir uns, weshalb in Kamenz funktionieren soll, was in Bautzen angeblich nicht möglich ist? Werden hier verschiedene Maßstäbe angelegt? Gibt es nicht in Bautzen oder Kamenz andere große Hallen?", wollten die Sportlehrer in ihrem Brief wissen.

Gasthöfe oder Messehalle als Alternative?

Und sie lieferten Vorschläge für Standorte, wo das Impfzentrum ihrer Meinung nach ähnlich gut untergebracht wäre, zum Beispiel die ehemaligen, für die Messe WIR genutzten Hallen in der Kamenzer Friedensstraße. "Oder gibt es einen Gaststättenbetreiber mit ungenutztem Saal, der diesen zur Verfügung stellt?", regten sie das Landratsamt zum Nachdenken an.

Die Schülerinnen und Schüler würden sich im Lockdown ohnehin viel zu wenig bewegen. Und wenn die Schulen danach wieder öffnen, könne Schulsport nur beschränkt oder auf Monate gar nicht stattfinden, wenn die Halle zum Impfzentrum wird. "Dieses Problem hatten wir bereits im Frühjahr in unserer Halle, und wir waren sehr enttäuscht, dass die Auslastung des damaligen Corona-Testzentrums in keiner Weise eine vollständige Sperrung der Halle rechtfertigte", so das Sportlehrerkollegium. Zudem gebe es aktuell keine anderen Hallenkapazitäten in Kamenz, weswegen andere Schulen ihren Sportunterricht an den Flugplatz verlegten.

Oberbürgermeister unterstützt die Entscheidung

Der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) hingegen sieht das Ganze nicht dramatisch. In der Stadtratssitzung am Mittwoch hatte er das Thema kurzerhand auf die Tagesordnung gesetzt. "Wir leben in einer angespannten Lage. Corona hat uns alle fest im Griff, und wir können froh sein, dass mit der Impfung ein wichtiger Schritt in der Pandemiebekämpfung getan wird. Es ist für mich daher etwas völlig Normales, dass für solch eine wichtige Sache der Schulsport erst einmal zurückstehen muss", sagte Dantz.

"Wir sollten nach außen eine positive Haltung einnehmen", rief er die Stadträte auf. Man müsse keine Debatte darüber führen, ob ein Impfzentrum nach Kamenz kommt oder nicht. Es gehe um schnelle Lösungen. Die habe der Landkreis in der Sporthalle am Flugplatz gefunden. "Zudem freut es mich, dass Kamenz eine zentrale Rolle erfährt", sagte Dantz.

Der OB hat sich nun erneut öffentlich zu dem Thema zu Wort gemeldet. „Ich bin wenige Tage zuvor vom Beigeordneten des Landkreises darüber informiert worden, dass eine solche Entscheidung notwendig ist." Dazu gebe es derzeit offensichtlich keine Alternative. "Geht es nicht vielleicht zuerst darum, dass wir denjenigen, die den Impfschutz wollen und auch brauchen, schnellstmöglich das Angebot unterbreiten?“, fragt Dantz.

Er betont, dass es sich nicht um ein Impfpflichtzentrum handelt, und er ruft in diesem Zusammenhang nochmals zu solidarischem Handeln auf: „Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger, dass wir so wie bisher zusammenhalten. Das heißt nicht, dass wir immer in jedem Detail einer Meinung sein müssen, aber wir haben immer die Möglichkeit, mit Achtung und Vernunft gemeinsam Lösungen zu suchen!“

Wählervereinigung spricht von Überrumpelungstaktik

"Natürlich unterstützen wir die Bemühungen des Sächsischen Sozialministeriums, und wir freuen uns, dass in Kamenz als Mittelpunkt des Landkreises dieses Zentrum errichtet werden soll. Aber wir kritisieren auch die aktuelle Überrumpelungstaktik des Landkreises", heißt es hingegen in einer Erklärung der Wählervereinigung Kamenz und Ortsteile.

"Ursprünglich war als Standort die Sporthalle auf dem Schützenplatz in Bautzen vorgesehen. Erst nach der berechtigten Kritik aus dem Bautzener Rathaus wurde nach Alternativstandorten gesucht. Aber die gleichen Gründe, die in Bautzen zur Ablehnung führten, gelten auch für Kamenz", schreibt die Wählervereinigung.

Und sie weist auf leerstehende Gebäude in Kamenz hin. So auf das der Kamenzer Bildungsgesellschaft gleich neben der Turnhalle oder auf die leere Turnhalle am Siedlungsweg. "Warum hat sich der letzte Kreistag stundenlang mit der Wolfs-Problematik beschäftigt, statt solch aktuellen Fragen zu erörtern?", kritisiert Jens Krüger von der Wählervereinigung.

Kritik aus anderen Ecken des Landkreises

Mit Blick auf den nun ausgewählten Kamenzer Standort für das Impfzentrum gibt es allerdings auch kritische Stimmen aus anderen Ecken des Landkreises. Beispielsweise aus Wilthen. Dort kritisiert man die weite Wegstrecke bis Kamenz, welche mit öffentlichen Verkehrsmitteln einer Tagesreise gleiche. Gerade für ältere Leute sei das zu Corona-Zeiten kontraproduktiv.

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