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Emotionales Video: "Kauft im Ort"

Eine Floristin aus Sebnitz ruft auf Facebook zur Unterstützung der lokalen Läden auf - und hat eine Idee, wie sie ihre Ware trotz Lockdown verkaufen kann.

Christin Horn vom Blumenladen "Naturverbunden" in Sebnitz: Die Floristin hat einen Weg gefunden, auch im Lockdown noch für ihre Kunden da zu sein.
Christin Horn vom Blumenladen "Naturverbunden" in Sebnitz: Die Floristin hat einen Weg gefunden, auch im Lockdown noch für ihre Kunden da zu sein. © Daniel Schäfer

Es ist Christin Horn anzusehen, wie sehr sie das alles mitnimmt. Die Floristin postet auf Facebook normalerweise Fotos von den handgefertigten Gestecken, Tischdekos oder Brautsträußen, die sie in ihrem Blumenladen "Naturverbunden" in Sebnitz anbietet. Am Mittwochmorgen aber, also am Tag, nachdem aufgrund der dramatischen Corona-Zahlen ein erneuter harter Lockdown für Sachsen verkündet wurde, nimmt sie das Handy im Selfiemodus zur Hand und sendet ein Video in die Welt.

"Es war eine sehr nervenaufreibende Nacht", sagt die 34-Jährige mit belegter Stimme und geröteten feuchten Augen. Es sei nur schwer in Textform zu fassen, was sie loswerden möchte, aber es sei sehr dringend. Wie viele andere Geschäftsinhaber hat sie gebangt, ob es zu einer erneuten Schließung der Geschäfte kommen werde, gerade jetzt in der Weihnachtszeit, in der viele Einzelhändler einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes machen. Für sie und für andere stellt sich damit die generelle Frage: "Wie geht's weiter?"

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Emotionaler Appell

Mit der Handykamera schwenkt Christin Horn einmal über die gefüllten Blumentische und Regale: "Der Laden ist voll", sagt sie. "Die Pflanzen müssen an den Mann gebracht werden. Die halten keine vier Wochen mehr aus." Andernfalls müsse sie die Blumen vernichten, erklärt die Floristin und muss schlucken. Auch die meisten anderen Einzelhändler haben ihre Auslagen voller Weihnachtsware.

Christin Horn richtet deshalb einen Appell an die Zuschauer ihres Videos: "Unterstützt die Händler im Ort, unterstützt die Händler in Sebnitz und Umgebung", sagt sie. Das gelte nicht nur in der verbleibenden Zeit bis zum Lockdown, sondern auch in den kommenden Wochen. Viele Geschäfte würden einen Abhol- oder Lieferservice anbieten. Den sollte man nutzen. "Es ist für uns eine kleine Chance, wenigstens ein bisschen Umsatz zu machen, um über die Runden zu kommen", sagt die Floristin.

Der 34-Jährigen, die sich vor zwei Jahren mit ihrem Blumen- und Geschenkeladen gegenüber von Rossmann in Sebnitz selbstständig gemacht hat, geht es dabei nicht nur um ihr eigenes Geschäft. "Bitte unterstützt die Händler vor Ort, das ist ganz, ganz wichtig", wiederholt sie noch einmal. Die Kunden sollten möglichst nicht im Internet bestellen. Und falls das 100-prozentig passende Geschenk im Laden um die Ecke vielleicht nicht vorrätig sei, dann könne man einen Gutschein kaufen und damit den Geschäften helfen.

Blumengestecke auf telefonische Bestellung

Mit ihrer emotionalen Ansprache hat Christin Horn viele Menschen erreicht. Ihr Video wurde auf Facebook schon über 170-mal geteilt - für ein lokales Blumengeschäft mit rund 360 Followern eine beachtliche Resonanz. In einem zweiten Video am Tag darauf bedankt sie sich - schon spürbar zuversichtlicher - für den Zuspruch, die zahlreichen mutmachende Nachrichten, die sie erhalten hat - und die ersten Bestellungen.

Christin Horn klagt nicht, vielmehr hat die Floristin einen Plan entwickelt, wie sie trotz des Lockdowns noch für ihre Kunden da sein kann: Sie wird hinter verschlossener Ladentür auch in den kommenden Wochen Gestecke, Kränze und Blumengeschenke anfertigen und einen Abholservice anbieten.

Abholservice mit kontaktloser Übergabe

Damit die Kunden wissen, was im Angebot ist, macht sie Fotos von Musterbeispielen ihrer Blumenarrangements und postet diese auf Facebook oder bei Instagram. Für ältere Kunden, die nicht in den sozialen Netzwerken unterwegs sind, werden die Bilder zudem ausgedruckt und ins Schaufenster gehängt.

Per Telefon oder Whatsapp können Kunden dann die gewünschte Variante bestellen. Ganz wichtig: Die Übergabe muss kontaktlos erfolgen, indem die Blumen vor den Laden gestellt werden und auch das Geld dort abgelegt wird. Auch Pakete wird Christin Horn verschicken. Die ersten Bestellungen sind schon eingetroffen: aus Dresden, aus anderen Teilen Sachsens und sogar von einer Kundin aus Berlin, die in Hohnstein geheiratet hat und sich damals ihren Brautstrauß von der Sebnitzer Floristin anfertigen ließ.

Die Bilder der angebotenen Blumen gibt es ab 14. Dezember unter: facebook.com/naturverbundenblumen; instagram.com/naturverbundenblumen

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