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Rödertal: „Kaum einer nutzt Click&Meet“

Ladeninhaber in Radeberg kämpfen mit Umsatzeinbußen. Eine Entwicklung macht jedoch Hoffnung.

Simone Röthig ist mit ihrem Geschäft No.1 Mode erst vor wenigen Wochen umgezogen. Sie hofft auf ein schnelles Ende des Lockdowns.
Simone Röthig ist mit ihrem Geschäft No.1 Mode erst vor wenigen Wochen umgezogen. Sie hofft auf ein schnelles Ende des Lockdowns. © Marion Doering

Radeberg. An vielen Türen der Geschäfte in der Radeberger Innenstadt hängen gleich mehrere Zettel. „Wir haben vorübergehend geschlossen“, „Achtung, geänderte Öffnungszeiten“, „Bitte vereinbaren Sie einen Termin unter folgender Telefonnummer“, außerdem Hinweise auf Click&Collect und Angaben, wie viele Menschen ins Geschäft dürfen. Kunden haben es derzeit nicht einfach. Aber vor allem müssen Ladeninhaber die schwierige Lage bewältigen. Wie nehmen sie die Situation wahr?

Die Inhaberin eines Modegeschäfts: Verunsicherte Kunden

Simone Röthig hat in dieser schwierigen Zeit Ungewöhnliches gewagt. Mitten in der Corona-Krise zog sie mit ihrem Geschäft „No.1 Mode“ von der Hauptstraße an den Marktplatz. Trotz zusätzlicher Kosten und hohem Aufwand. „Das war nicht beabsichtigt. Schon seit längerer Zeit war ich mit dem vorherigen Mieter, dem Inhaber des Herrenausstatters, wegen des Umzugs im Gespräch“, erzählt sie. Ende vergangenen Jahres gab er aus Altersgründen auf. Da musste sie sich entscheiden, mitten im Lockdown umzuziehen oder es bleibenzulassen. „Die Lage hier ist zentraler. Die Bushaltestelle habe ich gleich vor der Tür. Außerdem passen die Räume.“

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Auch wenn momentan die Lage wegen der Corona-Beschränkungen schwierig ist, glaubt sie an den Erfolg. Zwischenzeitlich sei es nicht einfach gewesen: kein Einkommen, keine Beschäftigung, da das Geschäft geschlossen war. Eine Mitarbeiterin musste sie entlassen, für eine zweite hat sie Kurzarbeitergeld beantragt. Der Start im neuen Geschäft ist schon mal gelungen. Zur Eröffnung Mitte März hat sie ihre Kunden angeschrieben, sie auf ihren neuen Standort hingewiesen und zum Einkaufen eingeladen. „Die Reaktionen waren sehr gut. Die meisten haben sich gefreut, dass ihr Modegeschäft wieder geöffnet ist. So als hätten sie darauf gewartet, sich endlich wieder einmal im Laden umzusehen, mal wieder einen Pullover oder eine Bluse anzuprobieren. Die Seele braucht das anscheinend.“

Andrea Linke betreibt in ihrem Schreibwarengeschäft an der Hauptstraße auch einen Postshop. Hier gibt es ein Umsatzplus.
Andrea Linke betreibt in ihrem Schreibwarengeschäft an der Hauptstraße auch einen Postshop. Hier gibt es ein Umsatzplus. © Marion Doering

Allerdings bemerkt sie auch eine große Verunsicherung der Kunden. „Die häufigen Veränderungen halten viele davon ab, in die Stadt zu kommen und einkaufen zu gehen. Hat der Laden geöffnet, wenn ja zu welchen Zeiten, muss ich mich anmelden? Das ist schwer zu durchschauen.“ Gerade ältere Kunden würden den Aufwand, den Click&Collect und Click&Meet mit sich bringen, nicht betreiben. „Kaum einer bestellt vorher und holt das dann ab oder vereinbart einen Termin.“

Die Meisten wollen eher spontan einkaufen, sagt sie. Bei ihr funktioniert das meistens auch. „Selten sind mehrere Kunden im Geschäft.“ So viele, wie vor der Corona-Pandemie kommen allerdings längst nicht. Deshalb hat auch Simone Röthig ihre Öffnungszeiten verkürzt. Montag bis Freitag ist von 10 bis 17 Uhr geöffnet, am Sonnabend nach Vereinbarung. Sie hofft, dass sich die Lage möglichst bald wieder normalisiert. „Dann werde ich auch wieder zu Modenschauen einladen. Viele fragen schon danach.“

Die Schreibwaren-Verkäuferin: Mehr Umsatz um Paketshop

Viel mehr Pakete als sonst, aber weniger verkaufte Ware: Im Schreibwarengeschäft von Andrea Linke an der Hauptstraße zeigen sich die beiden Seiten der Situation im Handel ganz deutlich. „Ich habe seit mehreren Jahren einen Paketshop, deshalb konnte ich auch durchgehend öffnen“, sagt die Inhaberin. Hier merkt sie einen deutlichen Anstieg. „Viele bestellen im Internet und wenn etwas dann nicht passt oder gefällt, wird es wieder zurückgeschickt. Diese Pakete werden dann bei mir abgegeben.“

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Zurückgegangen ist allerdings der Umsatz beim Wäscheservice, den sie ebenfalls anbietet. „Da fehlen dann beispielsweise die Gaststätten. Dort werden ja zur Zeit keine Tischdecken schmutzig.“ Schreibwaren werden auch etwas weniger nachgefragt. Nach ihrem Eindruck kommen überhaupt weniger Radeberger in die Innenstadt. „Sie sagen sich offenbar, die Geschäfte sind geschlossen, da bleibe ich zu Hause. Das drückt natürlich auf den Umsatz. Da muss man schon sehen, wie die Miete für das Geschäft zusammenkommt.“ Sie wird ihr Geschäft weiterhin offenhalten. In der Woche ist von 9 bis 18 Uhr und sonnabends bis 12 Uhr geöffnet.

Die Schuh-Verkäuferin: Touristen fehlen in der Stadt

Im Schuhgeschäft an der Hauptstraße sind die Kunden geradezu dankbar, wieder in den Laden zu kommen und sich hier ein Paar neue Halbschuhe oder Sandalen aussuchen zu können. „Das ist eine wahre Freude. Viele kaufen dann auch“, sagt die Verkäuferin. Allerdings bemerkt sie ebenfalls, dass weniger Menschen in der Innenstadt unterwegs sind. „Einmal fehlen die Touristen, die sonst beispielsweise auf dem Campingplatz Luxoase und in den Hotels übernachten oder aus Dresden zu uns kommen. Sie haben früher nach einem Besuch von Schloss Klippenstein einen Einkaufsbummel unternommen. Das gibt es jetzt alles nicht.“

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Auch sei es vielen Radebergern anscheinend zu kompliziert, jetzt einkaufen zu gehen. „Erst einen Test machen und erst dann ins Geschäft, ist offenbar zu aufwendig, und dann sind noch die Unklarheiten mit den Öffnungszeiten.“ Sie sorgt sich um die Attraktivität der Innenstadt. „Ich hoffe, dass sich der Trend wieder umkehrt und mehr Kunden kommen. Die Pläne, eine Fußgängerzone einzurichten und mehr Parkmöglichkeiten zu schaffen, könnten dabei helfen.“

Hoffnung macht auch die kurz vor Ostern angelaufene Gutschein-Aktion von Gewerbeverein und der Stadt Radeberg. Nach Angaben von Wirtschaftsreferent Marco Wagner sind allein im Bürgerbüro im Rathaus in den ersten Tagen schon mehr als 150 dieser Gutscheine verkauft worden. Das Besondere an der Aktion: Die Sonderedition gibt es zum Preis von zehn Euro. Der Einkaufswert des Gutscheins beträgt jedoch 15 Euro. Heißt also: zehn Euro bezahlen, für 15 Euro in Radeberg einkaufen oder essen gehen. „Die große Nachfrage freut uns sehr. Das zeigt, dass viele künftig in der Stadt einkaufen wollen. Auch wenn derzeit nicht alle Geschäfte geöffnet und Restaurants geschlossen sind. Die Gutscheine bieten wir bis Ende des Jahres an, solange der Vorrat reicht. Die Auflage beträgt ja bekanntlich 1.000 Stück.“

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