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Corona: Kein Karneval in Radeburg

Die Veranstaltungen im November wurden bereits abgesagt. Nun fällt auch die geplante Alternative aus. Ebenso wie der Straßenumzug und die Zeltpartys.

Der große Umzug am Sonntag vor Rosenmontag durch Radeburg ist jedes Jahr der Höhepunkt des närrischen Treibens in der Karnevalshochburg. In der 64. Saison des Radeburger Carnevals Clubs wird es ihn nicht geben. Und das ist nicht die einzige Absage.
Der große Umzug am Sonntag vor Rosenmontag durch Radeburg ist jedes Jahr der Höhepunkt des närrischen Treibens in der Karnevalshochburg. In der 64. Saison des Radeburger Carnevals Clubs wird es ihn nicht geben. Und das ist nicht die einzige Absage. © Norbert Millauer

Radeburg. „Bis vor drei Wochen bin ich noch davon ausgegangen, dass es eine Eröffnung für unsere 64. Saison geben wird“, sagte am Mittwoch Olaf Häßlich, der Präsident des Radeburger Carnevals Clubs, auf Nachfrage der SZ. Zwar nicht wie gewohnt Am 11.11. um 11.11 Uhr in kleiner Form auf dem Markt und mit den abendlichen Prunksitzungen im „Hirsch“, aber zumindest mit einer Alternative  für 500 bis 800 faschingsbegeisterte Radeburger. Doch die rasante Entwicklung des Infektionsgeschehens hat nun auch diese Pläne durchkreuzt. 

Von der Ausrichtung der drei Prunksitzungen und der Reloaded-Party, die in den vergangenen Jahren traditionell im November im Saal des RCC-Stammlokals stattfanden, hatte man sich bereits im September vereinsintern verabschiedet. Wer diese stets ausverkauften Veranstaltungen schon einmal besucht hat, versteht die Entscheidung. Schließlich geht es dort nicht nur auf der Tanzfläche eng zu. „Wenn ich mit vier Quadratmetern pro Person rechnen muss, kann ich bei 120 Vereinsmitgliedern plus jeweils noch einen Partner gerade mal ein Drittel der Leute in den Saal lassen“, sagt Olaf Häßlich.

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Da sich am Ende des Sommers das Gefühl einstellte, dass wieder etwas  Normalität herrscht - schließlich wurden unter anderem die Weinfeste in Radebeul und Meißen vorbereitet und durchgeführt - wurde auch beim RCC nach einer Alternative für die Saisoneröffnung gesucht. „In enger Abstimmung mit der Stadt und mit dem Gesundheitsamt haben wir ein Konzept für eine Open-Air-Veranstaltung erarbeitet“, sagt der Vereinspräsident. Diese sollte am 14. November auf dem Markt stattfinden. Geplant war, den Platz einzuzäunen und auch Eintritt zu verlangen. „Der Kartenverkauf sollte online erfolgen, womit wir auch gleich die Registrierung der Besucher für eine eventuell erforderliche Nachverfolgung gewährleistet hätten.“

Am Dienstagabend habe man im Verein beraten und entschieden, aufgrund der aktuellen Situation nun auch diese Veranstaltung abzusagen. Bis zum Jahresende wird es damit definitiv keine Faschingsveranstaltung in der Karnevalshochburg Radeburg geben. Nicht stattfinden werden zudem die beiden großen Zeltpartys auf dem überdachten Marktplatz im Februar und der Umzug mit Hunderten Mitwirkenden und Tausenden Menschen an den Straßenrändern, der jedes Jahr den Höhepunkt des närrischen Treibens in der Zille-Stadt bildet.

Noch nicht ganz verabschiedet hat sich der RCC indes von Saalveranstaltungen im Hirsch im Januar und Februar. „Aus meiner Sicht sind diese zwar mehr als unwahrscheinlich, aber wir wollen uns diese Option  noch offenhalten“, sagt Olaf Häßlich. Und auch die Idee der Open-Air-Veranstaltung sei noch nicht ganz vom Tisch. „Sollte sich die Corona-Situation bis dahin wieder spürbar verbessern und die Politik sagen: ,Macht etwas für die Leute‘, wäre das noch eine Möglichkeit für das Faschingswochenende, an dem normalerweise der Umzug stattfinden würde.“ 

Auch die Funkengarde des Radeburger Carnevals Clubs, hier beim Auftritt im Festzelt am Umzugssonntag im Februar dieses Jahres, hat für die neue Saison geprobt.
Auch die Funkengarde des Radeburger Carnevals Clubs, hier beim Auftritt im Festzelt am Umzugssonntag im Februar dieses Jahres, hat für die neue Saison geprobt. © SZ/Sven Görner

Der RCC ist auf jeden Fall auch kurzfristig für närrisches Treiben bereit. Denn trotz der Ungewissheit sei in den vergangenen Wochen an einem neuen Programm gearbeitet und dafür auch geprobt worden. Auch die Kostüme werden fertig geschneidert. Und natürlich hat Olaf Häßlich ganz im Geheimen wieder ein neues Prinzenpaar ausgesucht, das eingekleidet und gut vorbereitet in den Startlöchern steht. „Wir sind damit in der Lage, jederzeit eine Prunksitzung durchzuziehen.“ Da die Vereinsarbeit trotz Corona weiterläuft, wird die kommende Saison auch als die 64. des Vereins gezählt. „Egal, ob nun Veranstaltungen stattfinden, oder nicht“, ergänzt der Präsident. 

Bereits im Sommer hatte Olaf Häßlich auf die Frage nach einer Fünften Jahreszeit ohne Veranstaltungen gesagt: „Ich sehe das sehr entspannt. Selbst wenn mal eine Saison ausfällt, geht die Welt auch nicht unter. Aber mit einem Drittel oder der Hälfte der Leute im Zelt zu feiern, ist wirtschaftlich nicht machbar und macht auch keinen Spaß. Lieber ein Jahr keinen Fasching, als nur halb." 

Ein Problem hat der Karnevalspräsident dennoch mit dem drohenden Totalausfall: „Elferrat, Narrenpolizei und die Garde können ihr Programm auch in der 65. Saison aufführen. Aber 60 bis 70 Prozent der Kindergartenkinder sind im nächsten Jahr nicht mehr dabei.“ Die geplante Open-Air-Veranstaltung sollte vor allem ihnen die Möglichkeit geben, ihr einstudiertes Programm den Eltern und Großeltern zu zeigen. „Wir haben daher im Verein darüber gesprochen, eventuell nach dem Fasching im Frühjahr eine Veranstaltung zu organisieren, damit die Kinder nicht komplett enttäuscht werden“, sagt Olaf Häßlich.

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Dass eine Saison mit Einschränkungen oder gar nicht stattfindet, ist übrigens kein Novum in der langen Vereinsgeschichte. Ein Beispiel ist das Wendejahr 1989/90, als das närrische Treiben in Radeburg nahezu zum Erliegen kam. Und auch der große Straßenumzug fiel aus verschiedenen Gründen bisher schon acht Mal aus, wissen Kenner des Radeburger Karnevals zu berichten. 

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