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Pferdekutschbetrieb nimmt Fahrt auf

Der Zinnwalder Fuhrbetrieb Liebscher startet nach Monaten wieder mit den Kremserwagen. Die Corona-Zwangspause dauerte länger als gedacht.

René Liebscher kann seine Kaltblüter Benno und Moni wieder einspannen, um mit Gästen auf Tour durch das Osterzgebirge zu gehen.
René Liebscher kann seine Kaltblüter Benno und Moni wieder einspannen, um mit Gästen auf Tour durch das Osterzgebirge zu gehen. © Egbert Kamprath

Für Benno und Moni ist gerade Fitnesstraining angesagt. Schließlich hatten die beiden Zugpferde des Zinnwalder Fuhrunternehmens Liebscher seit sieben Monaten nicht viel mehr zu tun, als herumzustehen und zu fressen. Die Corona-Bestimmungen sorgten auch auf dem Erzgebirgskamm dafür, dass Fahrten mit Kremser oder Pferdeschlitten seit Oktober nicht mehr angeboten werden durften. Viele gewerbliche Anbieter gibt es in der Region ohnehin nicht mehr, in Altenberg sind es neben Claudia Fischer noch der Reiterhof Lauenstein.

Der kleine Zinnwalder Familienbetrieb besteht seit 2002. Inzwischen gehören dazu 15 Tiere, die René Liebscher einspannen kann, um seinen Fahrgästen im gemütlichen Trott die Landschaft zu zeigen. Am liebsten ist der 42-Jährige in der Natur unterwegs, am besten da, wo Maschinen nicht hinkommen. Mit den drei Kremserwagen können im Sommer bis zu 60 Leute mitfahren. Besonderer Blickfang ist der Dreispänner für 20 Personen. In den fünf Schlitten gibt es 45 Plätze.

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Landidylle in Zinnwald. Doch die Zeiten, als die Pferde nur auf der Weide stehen durften, sind dank gesunkener Coronazahlen jetzt wieder vorbei.
Landidylle in Zinnwald. Doch die Zeiten, als die Pferde nur auf der Weide stehen durften, sind dank gesunkener Coronazahlen jetzt wieder vorbei. © Egbert Kamprath

Besonders hart ist die Erinnerung an den vergangenen Bilderbuchwinter. So viel Schnee hat es seit Jahren nicht gegeben und es hätte das große Geschäft werden können. „Die Abzahlungen für den Traktor hätten sich mit einem Mal erledigt“, denkt René Liebscher etwas wehmütig zurück. Dazu kommen die vielen unklaren Regelungen, mit denen sich der Familienbetrieb immer wieder auseinandersetzen muss.

Eine ganz besondere Begebenheit gab es im Herbst. Anke Liebscher, die sich vor allem um die Buchungen kümmert, war fast einen Tag damit beschäftigt, die für Pferdefuhrunternehmen gültigen Vorschriften herauszubekommen. Bis hin zum Regierungspräsidium wurden Auskünfte in dem offensichtlich ganz speziellen Fall eingeholt. Für einen halben Tag keimte sogar Hoffnung auf, als ein Mitarbeiter im Landratsamt erklärte, dass Regelungen für Fuhrunternehmen gelten würden, was einen weiteren Betrieb zuließe. Voller Freude wurde im Internet Werbung geschaltet und sofort gab es Anfragen. „Wir hätten 48 Stunden durchfahren können, so groß war der Andrang.“, erzählt René Liebscher. „Es wäre kein Problem gewesen, als eine Art Taxi von Altenberg nach Zinnwald zu fahren und das auch als regelmäßige Tour anzubieten. Wir hatten auch ein entsprechendes Hygienekonzept ausgearbeitet. “

Doch was für das übliche Taxi oder den Bus kein Thema gewesen wäre, gilt noch lange nicht für ein Pferdegespann. Das mussten sich die Zinnwalder nach einem halben Tag der Freude vom Amt sagen lassen. Offensichtlich waren hier noch einmal intern die Vorschriften genau durchgesehen worden, was ein völliges Zurückrudern zur Folge hatte. Über die Entscheidung, die selbst dem Sachbearbeiter sichtlich leid tat, schüttelt René Liebscher auch jetzt noch immer wieder mit dem Kopf. „Da der Pferdewagen keinen Motor hat, gelten wir nicht als Fuhrunternehmen, das hätte Personen transportieren dürfen, sondern als Freizeitbetrieb. Und damit durften wir nach den geltenden Regeln nicht mehr weitermachen. Es war uns sichtlich peinlich, allen Kunden wieder abzusagen, die schon gebucht hatten. Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Pferdegespanne die gebräuchlichen Transportmittel.“

Mit ausgedehnten Trainingsfahrten, vorbei an den blühenden Bergwiesen, werden die Pferde wieder auf Ausdauer gebracht.
Mit ausgedehnten Trainingsfahrten, vorbei an den blühenden Bergwiesen, werden die Pferde wieder auf Ausdauer gebracht. © Egbert Kamprath

So waren die Tiere zum Nichtstun verdammt und selbst Leerfahrten, um die Pferde fit zu halten, wurden bei einigen Leuten mit Argwohn betrachtet, sodass René Liebscher schließlich auch darauf verzichtete. Das einzig Gute an der tief verschneiten Landschaft war, dass er als Winterdienstfahrer wenigstens einen Teil der Umsatzeinbußen wettmachen konnte. Doch Aufgeben kam nicht infrage. Mit der gesunkenen Inzidenz wird nun auch auf dem Hof in Zinnwald im wahrsten Sinne des Wortes mit den Hufen gescharrt. Die Pferde sind frisch beschlagen und René Liebscher unternimmt mit ihnen ausgedehnte Trainingsrunden.

Den Tieren ist es anzumerken, dass sie lange auf den Auslauf gewartet haben, aber auch, dass sie mit dem Wagen im Schlepp erst einmal wieder Muckis aufbauen müssen. Viel Zeit zum Training bleiben nicht, denn die Buchungszahlen steigen spürbar. Internet und Telefon sind die direkten Kontaktmöglichkeiten. Was Liebschers dabei besonders freut, dass treue Kunden immer mal wieder angerufen und sich nach dem Befinden erkundigt haben. Hoffnung macht der Sommer und die Aussicht, dass auch in diesem Jahr viele ihren Urlaub im Inland verbringen und dabei auch eine Kremserfahrt zum Kahleberg oder nach Schellerhau mit ins Programm nehmen.

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