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Sachsen

Impfreihenfolge in Arztpraxen entfällt

In Sachsen kann ab Montag (24. Mai) jeder einen Impftermin beim Arzt bekommen. Hausärzte warnen jedoch vor etlichen Schwierigkeiten.

In Sachsen wird am diesem Montag die Impfreihenfolge in Arztpraxen aufgehoben.
In Sachsen wird am diesem Montag die Impfreihenfolge in Arztpraxen aufgehoben. © Jörg Carstensen/dpa (Symbolbild)

In Sachsen können sich von dieser Woche an Impfwillige um einen Termin in einer Arztpraxis bemühen - unabhängig von Alter, Beruf und Vorerkrankungen. Eine Beschränkung auf spezielle Impfstoffe fällt weg. Möglich wird das durch die vom Gesundheitsministerium verfügte Aufhebung der Impfpriorisierung in den Arztpraxen. "Die Aufhebung ist an sich sinnvoll, wenn denn auch die benötigten Impfstoffmengen kommen", sagte der Vorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbandes, Steffen Heidenreich.

Er rechnet mit einer großen Nachfrage in den Arztpraxen. Heidenreich fürchtet, dass viele Patienten angesichts des knappen Impfstoffes ihren Ärger bei den Hausärzten abladen, "etwa, wenn es nicht schnell genug einen Termin für eine Erstimpfung gibt". Gleichzeitig verwies er auf die hohe Arbeitsbelastung der Praxen. "Das Impfen bedeutet für uns einen riesigen logistischen Aufwand." Patienten müssten einbestellt, Impfstoff bestellt und Termine organisiert werden. "Das ist nicht so einfach wie bei einer Grippeimpfung." Zunehmend wollten die Patienten derzeit Termine für eine Zweitimpfung vorziehen, um in den Urlaub fahren zu können. "Da führen wir viele Diskussionen, weil wir die Vorgaben der Impfkommission einhalten müssen."

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Die Ärzte hoffen, dass sich die Situation entspannt, wenn ab 7. Juni die Impfreihenfolge bundesweit aufgehoben wird und dann mehr Impfstoff zur Verfügung steht. Zudem soll die Handhabung des Impfstoffes von Biontech/Pfizer vereinfacht werden. "Dieser kann künftig bis zu einem Monat im Kühlschrank gelagert werden."

Impfstoff kann nur einmal pro Woche bestellt werden

Klaus Lorenzen, Allgemeinmediziner im Dresdner Ortsteil Langebrück, sieht der Aufhebung der Priorisierung eher mit Sorge entgegen. Zwar könne er Impfstoff bestellen, aber viel zu wenig. "Wenn ich nur 12 Dosen etwa von Biontech bestellen kann, frage ich mich natürlich, was das soll." Überhaupt sei es schwierig, nur einmal pro Woche Impfstoff bestellen zu können. Diese "Planwirtschaft" könne nicht funktionieren, kritisierte der stellvertretende Vorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbandes.

Wenn er etwa Ende der Woche merke, dass der Impfstoff nicht ausreiche, müsse man bis zum Bestelltag am Dienstag warten. "Und dann dauert es fast eine Woche, bis geliefert wird." Lorenzen geht weiterhin von einer starken Nachfrage nach Erst- und Zweitimpfungen aus. Seit dem Start als eine der sächsischen Impf-Pilotpraxen Mitte März hat der Hausarzt mit seinen Mitarbeiterinnen mehr als 400 Impfungen verabreicht, davon entfallen 280 auf das Vakzin von Astrazeneca, 140 auf Biontech. Wenn genügend Impfstoff zur Verfügung stehen würde, könnte Lorenzen etwa statt 20 Schutzimpfungen pro Woche auch täglich impfen, so ließe sich die Gesamtzahl jede Woche um etwa 80 bis 100 Impfungen steigern.

"Die Jungen haben nicht viel Auswahl"

Sein Kollege Heidenreich appellierte an die ältere Generation, sich vor allem mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen zu lassen, damit auch die jüngeren Menschen möglichst schnell zu einer Impfung kämen. "Die Jungen haben nicht viel Auswahl". Das Mittel von Astrazeneca berge für die Älteren kaum ein Risiko, so der Allgemeinmediziner. Dennoch würden viele das Vakzin von Biontech bevorzugen. Der Freistaat hatte bereits Ende April die Impfreihenfolge für den Impfstoff von Astrazeneca beendet. An unter 60-Jährige darf er allerdings nur nach ärztlicher Beratung verabreicht werden.

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