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Heiligabend fällt trotz Corona nicht aus

Bereits jetzt machen sich Kirchgemeinden in der Sächsischen Schweiz Gedanken darüber, wie das Christfest in Gemeinschaft gefeiert werden kann.

Die Christvesper zu Heiligabend ist in der Pirnaer Marienkirche immer ein Höhepunkt. Wie wird es in diesem Jahr?
Die Christvesper zu Heiligabend ist in der Pirnaer Marienkirche immer ein Höhepunkt. Wie wird es in diesem Jahr? © Archivbild: Daniel Förster

Eines ist sicher: Der Heilige Abend fällt nicht aus. Zwar stellt die Corona-Pandemie die Kirchgemeinden vor große Herausforderungen, aber die Christen in der Region arbeiten jetzt schon an Plänen, wie das große Fest trotz Covid-19 würdig und mit möglichst vielen gefeiert werden kann.

Pirna setzt auf Großes aber ebenso auf leise Töne

Die evangelische Kirchgemeinde Pirna ahnt, dass Weihnachten in diesem Jahr vermutlich unter ganz anderen Bedingungen stattfindet, als bisher.  "Wir wissen, dass es für viele Pirnaer die Christvesper ,Weihnachten in St. Marien ist, die Weihnachten zum Erleben bringt", sagt Pfarramtsleiter Cornelius Epperlein.  Darum konzentriert sich die Kirchgemeinde darauf, eine Vesper um 16 Uhr in möglichst gewohnter Form zu gestalten und diese live als Übertragung im Internet zur Verfügung zu stellen. Für die Vesper in der Kirche muss man sich anmelden.

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An welchen weiteren Orten und mit welchen Formen die Pirnaer Christen zum Weihnachtsfest Gemeinschaft erleben können, sei im Moment sehr ungewiss. "Gemeinde ist doch eigentlich Gemeinschaft, und auf viele Formen des Gemeinschaftserlebens mussten wir bisher schon verzichten. Das schmerzt. Aber vielleicht weckt es auch neu das Bedürfnis, dem Glaubensleben in dem kleinen Rahmen mehr Raum zu geben", überlegt Epperlein laut. Er persönlich könne sich gut vorstellen, wie in den geschmückten Weihnachtsstuben zu Hause die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium gelesen wird und vielleicht leise Weihnachtslieder angestimmt werden.  "So leise und vorsichtig hat ja Gottes Gegenwart in der Welt in dem Christkind begonnen und gar nicht so sehr mit Pauken und Trompeten, wie es der Beginn des Weihnachtsoratoriums erklingen lässt", meint der Pfarrer.

Sobald die konkrete Planung vorliegt, wird die Pirnaer Kirchgemeinde im Vorfeld in zwei Hirtenbriefen im Dezember den Gemeindemitgliedern die aktuelle Planung bekannt geben und auch Tipps mitteilen, wie man einander im kleinen Kreis, die Weihnachtsbotschaft erlebbar machen kann.

In Dohna soll am 24. Dezember eine Open-Air-Christvesper auf dem Markt gefeiert werden. In Heidenau und Burkhardswalde finden voraussichtlich jeweils mehrere kurze Christvespern statt, teilt Pfarrer Gregor Reichenbach von der Kirchgemeinde Heidenau-Dohna-Burkhardswalde mit.

Ökumene in Pirna

Auch die katholische Pfarrei St. Heinrich und Kunigunde in Pirna macht sich bereits jetzt Gedanken, wie das Christfest gefeiert werden könnte. "Das ist natürlich schwierig", sagt Pfarrer Vinzenz Brendler, der sich deshalb auch sehr über ein  Angebot der evangelischen Kirchgemeinde Pirna freut . "In ökumenischer Freundschaft und Verbundenheit hat man ans angeboten, die Christmette am Heiligabend um 22 Uhr in der Marienkirche zu feiern", berichtet Brendler. Der Vorteil bei dieser Variante liegt auf der Hand: Die Marienkirche ist größer als die katholische Klosterkirche und fasst folglich mehr Gottesdienstbesucher. 

Die katholische Kirche in Heidenau wird vormittags am 24. Dezember für Familien geöffnet sein. Dort liegen unter anderem Gebetszettel aus, die sich die Christen für die Hausandacht mitnehmen können, ebenso wie eine Kerze. Am Nachmittag wird die Aufzeichnung des Krippenspiels vom vorigen Jahr ins Netz gestellt, sodass die Aufführung für alle zu sehen ist.

Krippenspiel online in Neustadt

Für Sören Schellenberger, Pfarrer der Kirchgemeinde Neustadt, steht fest: "Wir wollen den Menschen unter diesen Umständen ein möglichst gutes Angebot machen, das ihren Bedürfnissen und Erwartungen entgegenkommt." Das Krippenspiel in Neustadt soll online u.a. über den Kanal Youtube ausgestrahlt werden. Außerdem plant die Gemeinde, sowohl in Neustadt wie auch in den Dörfern,  mehrere kurze Andachten zu halten und das Friedenslicht von Bethlehem zu verteilen. Das sogenannte Friedenslicht von Bethlehem wird jährlich vor Weihnachten in der Jesu-Geburtsgrotte in Bethlehem entzündet und mit einer Speziallampe im Flugzeug unter anderem nach Deutschland transportiert, um es weiter auszusenden.

Besuche bei Senioren in Sebnitz und den Dörfern

Viele Ideen für den Heiligabend hat auch bereits die Kirchgemeinde Sebnitz-Hohnstein. "Es gibt zwei verschiedene Ansätze", sagt der zuständige Pfarrer Lothar Gulbins. Das erste Format bezieht sich ausschließlich auf die Stadtkirche Peter-Paul in Sebnitz. Man könnte sich vorstellen, hier am Heiligabend und am ersten Weihnachtstag circa sechs kurze Gottesdienste mit Anmeldungen zu feiern. "Natürlich unter Einhaltung der Abstände und mit Mundschutz", betont Gulbins. Für die Kirchen in den Dörfern sowie in der Stadt Hohnstein gehen die Überlegungen in eine andere Richtung.  Bereits seit Oktober treffen sich dort Ehrenamtliche und machen sich Gedanken, wie Weihnachten in diesem Jahr in den Orten gefeiert wird. Möglich wäre ein kurzer Gottesdienst entweder in bzw. vor der Kirche oder an einem anderen Ort, wie zum Beispiel auf dem Dorfplatz. "Da müssen wir flexibel bleiben, weil vieles von der genehmigten Teilnehmerzahl abhängt", so Gulbins. Schon jetzt ist sicher, dass ein Video mit einem Gottesdienst erstellt wird, das den älteren Gemeindemitgliedern mittels einer DVD im Vorfeld zu Weihnachten zusammen mit einem kleinen Geschenk überreicht wird. Auf jeden Fall möchte die Kirchgemeinde Sebnitz-Hohnstein ihre Kirchen am 24. Dezember öffnen, sodass Besucher einkehren und sich eventuell auch das Licht aus Bethlehem mitnehmen können.

Landeskirchenamt regt offene Kirchen an

Die Landeskirche Sachsen hat die Kirchgemeinden unterdessen um eine Prüfung gebeten, ob die Christvesper unter freiem Himmel möglich ist, und wenn sie Heiligabend in Kirchen stattfinden soll, dann in kürzeren Formaten, die häufiger angeboten werden. "Diese Anregungen greifen bereits Kirchgemeinden planerisch auf, um sie dann umzusetzen, ob auf dem Marktplatz oder zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr auf deren Gelände. Das sind nur zwei Beispiele, die uns spontan in den Sinn kommen", sagt Matthias Oelke, stellvertretender Pressesprecher der Landeskirche Sachsen. 

Angesichts der neuen Corona-Schutz-Verordnung und den für die Regionen mit überschrittenen Grenzwerten vorgesehenen Verschärfungen müsse man prüfen, was dies für die  genannten Alternativen jeweils bedeutet, so Oelke. Im Klartext: Kann die Christvesper auf dem Marktplatz auch in Gebieten mit erhöhten Infektionszahlen noch wie geplant stattfinden? Welche Kriterien müssten dafür beachtet werden?

Weitere Online-Angebote werde es sicherlich wieder geben, häufig im Zusammenwirken und in Erweiterung mit regionalen Fernsehsendern, blickt der Pressesprecher voraus. Aber auch verschiedene Pfarrer seien sehr aktiv auf Instagram oder Facebook und anderen Formaten.

"Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es gerade in diesen Zeiten unser Anliegen ist, das wichtige Weihnachtsfest für uns alle hörbar, sichtbar, fühlbar und damit wahrnehmbar für die Öffentlichkeit zu gestalten, um damit eine offene und einladende Kirche an gemeinsamen Schnittpunkten des Festtagskreises zu sein und zu bleiben", betont Matthias Oelke.

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