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Kleene Schänke wird zum Weihnachtskaufhaus

Weil Veranstaltungen in Cunewaldes Koch- und Kulturwerkstatt nicht möglich sind, nutzt die Wirtin die Blockstube neu - und steuert eine spezielle Geschenkidee bei.

In der Blockstube von Carola Arnolds Kleener Schänke in Cunewalde gibt es jetzt Oberlausitzer Produkte zu kaufen - und bald auch das erste Kochbuch der Wirtin.
In der Blockstube von Carola Arnolds Kleener Schänke in Cunewalde gibt es jetzt Oberlausitzer Produkte zu kaufen - und bald auch das erste Kochbuch der Wirtin. © SZ/Uwe Soeder

Cunewalde. Carola Arnold, die Wirtin der Koch- und Kulturwerkstatt Kleene Schänke in Cunewalde, sprüht normalerweise vor Energie und findet vor lauter Erzählen nur selten Zeit zum Luftholen. In einem Moment dieses Jahres, erinnert sie sich, sei sie dann aber doch ganz still geworden. Ein Blick zurück: Seit Januar 2016 gibt es die Kleene Schänke am Cunewalder Erlenweg. Schwerpunkt des Konzeptes von Carola Arnold waren seither Veranstaltungen aller Art - "Floristikworkshops, Liederabende, Kochstunden", zählt sie auf.

Der erste Corona-Lockdown im März bremste die Unternehmerin in ihrem Tatendrang. "Ich brauche etwa 30 Besucher, damit Veranstaltungen sich rechnen", sagt sie. So viele Leute in der kleinen Blockstube unterzubringen, sei unter Einhaltung der Abstandsregeln schlicht unmöglich gewesen. Und: "Ich wollte nicht, dass die Kleene Schänke sich zum Corona-Hotspot entwickelt. Deshalb habe ich die Regelungen sehr ernst genommen", sagt sie. Die Folge: Nur einen Käseabend konnte sie seither stattfinden lassen, lenkte eine Veranstaltung in den größeren Raum in der Bieleboh-Baude um, hoffte auf das Weihnachtsgeschäft.

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...und lassen Sie sich elektrisieren.

Der zweite Lockdown - ein Moment zum Heulen

Dann kam der zweite Lockdown - und für Carola Arnold dieser seltene Moment der Sprachlosigkeit: "Das war zum Heulen. Wir waren am Verzweifeln. Wir sind ein klitzekleines Unternehmen im vierten Jahr", sagt Carola Arnold. Bei Kaffee und Tee beratschlagte sie sich mit ihrer Mitarbeiterin Doris Ackermann. Mehrere Stunden lang, wie sie sagt. Dann fiel ein Satz, der Carola Arnold ihren Tatendrang zurückgab: "Wir müssen unsere Energie umlenken!"

Als beide Frauen auseinandergingen, war eine Idee geboren: "Wir haben uns entschlossen, unsere Verkaufsflächen zu vergrößern und die Kleene Schänke zur Oberlausitzer Geschenke-Schänke zu verwandeln. Adventsshopping mit Abstand, aber in angenehmer Atmosphäre. So kann der Ausfall der Weihnachtsmärkte für die Einzelhändler auch zur Chance werden", erklärt die Wirtin das neue Konzept.

Der Verkauf von Glühwein und Punsch schwebt ihr vor für Gäste, die draußen warten müssen, bis sie zum Einkaufen in das Umgebindehaus können. Drinnen wird auch die Blockstube, die bislang für die Veranstaltungen genutzt wurde, zum Verkaufsraum. Vier Einkaufräume gibt es dann verteilt im ganzen Haus insgesamt - "damit die Leute sich ein bisschen verteilen können" - und allerhand Schätze mit klarem Fokus: Auf Spezielles und Besonderes aus der Oberlausitz hat sich Carola Arnold spezialisiert.

Wirtin schreibt ihr eigenes Kochbuch

Und da gibt es ab 19. November immer Donnerstag- bis Sonnabendnachmittag einiges, was man woanders nur schwer zu kaufen bekommt. Von Spirituosen aus Kirschau über humorige Klamotten aus Cunewalde bis hin zu hochwertigen Stiften der benachbarten Firma Diplomat, deren einziger Werksverkauf sich in der Kleenen Schänke befindet, reicht das Sortiment. Und schon bald kommt ein weiteres Angebot daher, das Carola Arnold ganz besonders am Herzen liegt: Pünktlich zum Beginn der Adventszeit will sie ihr erstes eigenes Buch veröffentlichen. Der Titel: Carola kocht.

Dass sie einmal unter die Autoren gehen würde, hätte die Wirtin der Kleenen Schänke bis vor vier Monaten kaum für möglich gehalten. "Rechtschreibung und Grammatik sind an mir vorbeigegangen", begründet sie mit breitem Grinsen. Dann wurde eine Idee größer als sie. Carola Arnold erzählt: "Ich wollte eine kleine Produktbroschüre in Vokabelheftgröße herausbringen, mit ein paar Rezepten. Damit die Leute wissen, was sie mit den Gewürzen, die sie bei uns kaufen, anfangen können." Freunde und Bekannte rieten ihr ab, ermutigten sie, ein eigenes Kochbuch zu verfassen. Sie ließ sich breitschlagen und setzte sich an den Schreibtisch - vier Monate lang.

80 Rezepte werden von 20 Geschichten ergänzt

Entstanden ist ein Werk, das haptisch und inhaltlich durch Qualität überzeugen will: Im Leinengebundenen Hardcover-Umschlag kommen mehr als 80 Oberlausitz-typische Rezepte daher. 20 Geschichten aus der Kleenen Schänke hat Carola Arnold außerdem hinzugefügt - und Steckbriefe von 15 Partnern, deren Produkte sie in Cunewalde vertreibt. Bei all dem blieb Carola Arnold ihrer Liebe zur Heimat treu: "Hier drin stecken 100 Prozent Oberlausitz-Power. Ich wollte die Region in einem Kochbuch entdeckbar machen."

Aber auch ein nicht ganz unerhebliches Risiko steckt für die Unternehmerin, die im Selbstverlag produziert, in ihrer ersten Buchveröffentlichung. Etwa 14.000 Euro habe sie in den Druck der ersten 3.000 Exemplare investiert, erzählt sie. "Die müssen erstmal alle an den Mann gebracht werden!"

Welches Rezept aus dem umfangreichen Inhaltsverzeichnis sie als Erstes zum Nachkochen empfiehlt? Carola Arnold wird stumm, wiegt den Kopf hin und her, sagt: "Ich esse das doch alles gern!" Und entscheidet sich dann doch für die Oberlausitzer Variante der Frikadelle: "Ich liebe Gewiegtebrutl. Und Schwarzwurzel in Salbei-Zitronen-Soße. Das ist altes Gemüse mit Pfiff."

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