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Kleiner Grenzverkehr nach Tschechien auf vollen Touren

Was bis vor wenigen Tagen noch unerreichbar schien, ist plötzlich wieder möglich: Der Kurztrip nach Tschechien. Jetzt ist es soweit.

Ob zu Fuß oder mit dem Pkw, am Grenzübergang an der Böhmischen Straße in Sebnitz wurde der nun wieder erlaubte kleine Grenzverkehr genutzt.
Ob zu Fuß oder mit dem Pkw, am Grenzübergang an der Böhmischen Straße in Sebnitz wurde der nun wieder erlaubte kleine Grenzverkehr genutzt. © Steffen Unger

Da ist sie wieder, die lang ersehnte Reisefreiheit ins Nachbarland Tschechien. Und das auch noch am Brückentag. Die Gelegenheit für einen Kurzausflug, denn der ist ab sofort für zwölf Stunden wieder möglich: Ohne Test, Quarantäne und Online-Anmeldung. Einkaufen und Tanken ist damit wieder möglich, auch Wandern und Radfahren in Tschechien.

Kein Wunder, dass sich am Freitagmorgen Auto an Auto durch Sebnitz in Richtung Grenzübergang Böhmische Straße schob. An der Tankstelle bildete sich schnell eine Schlange. „Ist doch klar, dass wir nach Tschechien fahren, wenn wir es jetzt wieder dürfen“, sagt Bernd Winter aus Neustadt. Und seine Frau vom Beifahrersitz aus: „Das ist wie ein Stück mehr Reisefreiheit. Wird ja auch Zeit“.

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Auch wenn Gaststätten und Hotels noch geschlossen sind, für einen Kurztrip reichen die von Tschechien bestimmten zwölf Stunden für Einreisen ohne triftigen Grund aus. Voraussetzung ist, dass sich die Corona-Lage in der Bundesrepublik nicht verschlechtert. Länger dauernde touristische Reisen nach Tschechien bleiben indes untersagt.

Run auf die Pflanzen bei den vietnamesischen Händlern

Noch ruhig ist es dagegen in den grenznahen Shops in Dolní Poustevna (Nieder Einsiedel). Aber auch dort füllen sich die Parkplätze zusehends. Da es im Ort an weiteren Geschäften mangelt, sind das für deutsche Kunden die ersten Anlaufplätze.

Die vietnamesischen Händler scheinen über Nacht tonnenweise Blumen und Pflanzen geordert haben. Palettenweise werden die nun abgeladen. Mit dem Auspacken kommen sie kaum nach. "Nachschub ist schon bestellt, kommt morgen und noch viel mehr", sagt einer der Händler. Die ersten Kunden füllen sich ihre Körbe mit Geranien, Petunien, Margeriten und, und und - wie auch Katja Keller aus Kamenz. "Bloß gut, dass wir gewartet haben. Hier sind die Blumen und Pflanzen eben doch billiger als in unseren Gärtnereien oder Gartencentern. Und es sind die Gleichen, die es bei uns auch gibt. Das sieht man ja an der deutschen Schrift", sagt sie. Allerdings hat auch sie festgestellt, dass die Händler in Tschechien die Preise ebenfalls angezogen haben.

Das haben am Freitag vor allem die bemerkt, die auf billige Zigaretten aus waren. Im Schnitt um die fünf Euro pro Stange kosten die mehr, je nach Sorte. Da aber der Preis-Unterscheid immer noch ziemlich hoch ist, packen manche gleich mehrere Stangen in den Korb. "Man weiß ja nie, wie lange wir hier einkaufen dürfen. Kann ja sein, das alles wird über Nacht wieder gekippt", sagt eine Kundin vor dem Velta free Shop. Auf jeden Fall werde sie jetzt noch einige andere Geschäfte aufsuchen. Knödel, Wasser und Cola hat sie noch auf ihren Einkaufszettel stehen.

Das Schild hat Pendler monatelang begleitet. Eine Einreise nach Deutschland ist jetzt für 24 Stunden ohne triftigen Grund möglich, nach Tschechien für zwölf Stunden.
Das Schild hat Pendler monatelang begleitet. Eine Einreise nach Deutschland ist jetzt für 24 Stunden ohne triftigen Grund möglich, nach Tschechien für zwölf Stunden. © Steffen Unger

Natur holt sich in Hrensko die Parkplätze zurück

Nicht anders sieht es am nächsten Grenzübergang in Richtung Schmilka aus. Durch Bad Schandau schieben sich ebenfalls viele Pkw. Auch deren Ziel: Tschechien. Gleich hinter der Grenze finden sich hier Velta- und Travel-free-Shops und die Stände der vietnamesischen Händler. Dort bricht am Montagmorgen Hektik aus. Offenbar sind sie von der Nachricht überrascht worden. Man habe sich am Donnerstagnachmittag schon gewundert, dass plötzlich wieder Deutsche kommen. Jetzt müsse man sich beeilen, sagt einer der Händler. Zigaretten habe er, doch an Blumen mangele es noch. Anders als in Dolní Poustevna haben hier aber offenbar ihre Stände mangels Kunden aufgegeben. In Hřensko erinnert übrigens noch ein Schild mit der Aufschrift "Bei Einreise: Quarantäne" an den gestoppten kleinen Grenzverkehr.

Im kleinen Grenzörtchen Hřensko tummeln sich sonst die Touristen. Da man auch innerhalb Tschechiens eine Zeit lang nicht reisen durfte, hat sich die Natur einige Parkplätze fast zurückgeholt. Auf einem Teil sind bereits einige Arbeiter damit beschäftigt, die Parkplätze zu reinigen.

Ein Teil der Gaststätten bietet Essen zum Mitnehmen an. Ab Montag sollen sie die Außenbereiche wieder öffnen dürfen. Deshalb herrscht geschäftiges Treiben. Tische und Stühle werden gerückt. Bis dahin bleibt es bei einem Imbiss. Den nimmt eine Gruppe Wanderer gern an, obwohl sie selbst Proviant dabei haben. "Man kann ja nie wissen. Eigentlich wollten wir in der Sächsischen Schweiz wandern. Die Gelegenheit lassen wir uns jetzt aber nicht entgehen und werden zumindest einen Teil an der Klamm abwandern", sagt Irene Hirsch aus Malschwitz bei Bautzen. Eine spontane Entscheidung, denn mit der neuen Verordnung ist auch Wandern und Radfahren in Tschechien wieder erlaubt. Wer dann übrigens ab Montag die Außengastronomie besuchen möchte, sollte daran denken, dass man dafür einen aktuellen negativen Corona-Test benötigt, egal welcher Art.

Erleichterungen auch für Pendler

Von deutscher Seite darf man zwar für 24 Stunden ohne triftigen Grund nach Tschechien fahren, ohne bei Rückkehr in Quarantäne zu müssen. Tschechien lässt die Einreise aus Deutschland ohne Quarantäne und ohne wichtigen Grund aber nur für 12 Stunden zu. Das heißt auch, dass es mit der neuen Verordnung auch für Pendler einfacher wird. Sie müssen ebenfalls keinen aktuellen negativen Corona-Test mehr vorlegen, weder bei der Ein- noch bei der Rückreise.

In den Einkaufsmärkten in Sebnitz wie auch in Bad Schanadau war das am Freitag bereits zu spüren. Viele Fahrzeuge hatten tschechische Kennzeichen. Erleichterung auch bei den tschechischen Kunden. "Wir haben im Grenzgebiet keine Einkaufsmärkte. Deshalb sind wir auf die in Sebnitz oder Neustadt angewiesen und froh, nun wieder hier einkaufen zu können", sagt eine Kundin.

Eher ruhiger Beginn in Altenberg

Update: Auch die Händler in Altenberg bemerkten am Freitagnachmittag bereits wieder mehr Kunden auch Tschechien. Vor der Tankstelle F1 Gas in Cinovec wiederum fanden sich zu diesem Zeitpunkt die ersten deutschen Tank-Tagestouristen ein - und registrierten ebenfalls eine Preissteigerung für die Stange Zigaretten bei den vietnamesischen Händlern.

"Wir vermuten, dass wir ab Montag eventuell mehr Anmeldungen für einen Coronatest bekommen“, sagt derweil die Geisinger Apothekerin Jana Meissner, die häufig die Tests im Testzentrum an der Grenzstation Zinnwald vornimmt. „Denn dann kann die tschechische Außengastronomie wieder aufmachen – allerdings müssen die Gäste dafür auch einen bestätigten Negativtest vorweisen.“

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Da auch Läden, Friseure oder auch der Wildpark Geising, das Georgenfelder Hochmoor oder der Botanische Garten Schellerhau inzwischen keine Tests mit Selbstauskunft mehr akzeptiert dürfen, wird das Zinnwalder Testzentrum wohl auf absehbare Zeit kaum weniger zu tun haben. „Wir lassen und ebenfalls die Bescheinigungen von Teplitzer oder Prager Testzentren zeigen“, sagt eine Ladeninhaberin von der Altenberger Bahnhofstraße. (sik)

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