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Shoppen in Tschechien: So läuft es jetzt

Blumen, Zigaretten, Benzin - viele Leute aus dem Kreis Bautzen kaufen gern hinter der Grenze ein. Das ist wieder möglich, doch noch gibt's Einschränkungen.

Nguyen Oanh, die in einem Asia-Markt in Rožany arbeitet, hat nach der überraschenden Grenzöffnung schnell reagiert und sich mit frischen Blumen eingedeckt.
Nguyen Oanh, die in einem Asia-Markt in Rožany arbeitet, hat nach der überraschenden Grenzöffnung schnell reagiert und sich mit frischen Blumen eingedeckt. © SZ/Franziska Springer

Sohland/Rožany. Was vor Ausbruch der Corona-Pandemie Normalität war, fühlt sich plötzlich seltsam an: Keine Sperre verwehrt den Grenzübertritt von Sohland ins tschechische Rožany (Rosenhain); kein Polizeibeamter ist zu sehen. Ähnlich überraschend und unerwartet wie zuletzt im Juni 2020 kam am Himmelfahrtstag dieses Jahres die lang ersehnte Nachricht: Der kleine Grenzverkehr ins Nachbarland mit Aufenthalt von bis zu zwölf Stunden ist plötzlich wieder möglich. Sinkende Inzidenzen gaben den Ausschlag dafür.

In Deutschland habe sich an jenem Tag die Nachricht von der Grenzöffnung schneller verbreitet als in Tschechien, berichtet Nguyen Oanh. Sie arbeitet in einem der größeren Asia-Märkte an der Durchgangsstraße durch den Schluckenauer Ortsteil Rožany und sagt: "Dieser Donnerstag war für mich zunächst ein Tag wie jeder andere. Weil meine Kunden hauptsächlich aus Deutschland kommen, blieb der Laden die meiste Zeit geschlossen." Eher zufällig sei sie am Himmelfahrtsvormittag zugegen gewesen, als sie plötzlich Ungewöhnliches bemerkte: "Es fuhren auf einmal wieder mehr Autos durch den Ort, viele von ihnen mit einem Bautzener Kennzeichen", erinnert sie sich.

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Überrascht habe sie daraufhin einen befreundeten Nachbarn angerufen. Erst beim gemeinsamen Studium deutscher Medienberichte hätte sich das Gerücht von der Grenzöffnung bestätigt, sagt sie. Bei dem Gedanken daran, beginnen ihre Augen über der schwarzen Maske zu lächeln. Sie zuckt mit den Schultern, breitet die Hände aus und sagt fast entschuldigend: "Am Freitag war unglaublich viel los. Aber wir hatten noch gar keine Ware."

Händler haben Angst vor neuerlicher Grenzschließung

Auch eine Woche nach Grenzöffnung läuft die Warenbeschaffung in Rožany schleppend. Die Zigarettenregale hinter der Verkaufstheke von Nguyen Oanh wirken geplündert, ebenso die Alkoholika. Dafür blühen im Freiverkauf Blumen in den schönsten Farben. Vor der Tür schleppt der Fahrer eines Lasters palettenweise tschechisches Dosenbier in ein Lager.

Mit ihrem Angebot ist die Vietnamesin dennoch vielen ihrer Nachbarn voraus. Eine Handvoll Asia-Märkte im Umkreis lädt zum Einkauf ein, in anderen wird hinter Bauzäunen erst noch Ware aufgebaut, wieder andere scheinen für immer geschlossen. Der Wareneinkauf sei teurer geworden, erklärt Nguyen Oanh die zögerliche Wiedereröffnung in der Nachbarschaft. Die Angst vieler Händler vor einer neuerlichen Grenzschließung sei groß. "Dann müssen wir alles wieder wegwerfen", so Nguyen.

Ob dieser Asia-Markt in Tschechien noch einmal öffnet, ist fraglich: Viele Händler schrecken derzeit vor der Warenbestellung zurück. Der Einkauf sei teurer geworden, die Dauer der Grenzöffnung ungewiss, berichtet eine lokale Händlerin.
Ob dieser Asia-Markt in Tschechien noch einmal öffnet, ist fraglich: Viele Händler schrecken derzeit vor der Warenbestellung zurück. Der Einkauf sei teurer geworden, die Dauer der Grenzöffnung ungewiss, berichtet eine lokale Händlerin. © SZ/Franziska Springer

Besonders ärgerlich findet sie, dass manche ihrer deutschen Kunden sich nicht an die Maskenpflicht halten. "In Tschechien mussten wir die ganze Zeit die Maske tragen", sagt sie. Die Leute hätten sich daran gewöhnt - genau wie viele Deutsche. Aber immer wieder kämen einige der Nachbarn ohne Maske in den Laden; würden versichern, nicht krank zu sein. "Aber woher soll ich wissen, dass sie die Wahrheit sagen", fragt Nguyen Oanh.

Travel Free Markt wurde am Wochenende überrannt

Dass die Angst vor Ansteckung, steigender Inzidenz und neuerlicher Grenzschließung in Tschechien groß ist, beweist auch ein Gang in den großen Travel Free Markt zweieinhalb Kilometer hinter der Grenze. Ernst hält ein Mitarbeiter hier jedem ein Schild vors Gesicht, der den Laden mit unzureichendem Mundschutz betreten will. Wer eine andere Maskenart als FFP2 trägt, muss wieder umkehren.

Überraschend wenig Menschen sind in dem vielbesuchten Einkaufscenter am Donnerstagvormittag unterwegs. Auch hier findet man leere Regale. Die Auswahl an Zigaretten und Süßigkeiten ist deutlich eingeschränkt. Anders als im Asia-Markt von Nguyen Oanh sind aber hier nicht Lieferengpässe sondern Nachfrage die Ursache für den Warenschwund: "Wir wurden am Wochenende überrannt", sagt eine Verkäuferin.

Überraschend leer ist der Parkplatz vor dem großen Travel Free Market am Donnerstagvormittag. Aber der Schein trügt: Am Wochenende wurde das Einkaufscenter überrannt, berichtet eine Mitarbeiterin.
Überraschend leer ist der Parkplatz vor dem großen Travel Free Market am Donnerstagvormittag. Aber der Schein trügt: Am Wochenende wurde das Einkaufscenter überrannt, berichtet eine Mitarbeiterin. © SZ/Franziska Springer

Groß ist der Andrang auch an den Tankstellen. "Man weiß ja nicht, wie lange die Grenzen offen sind", merkt eine Kundin an der Velta-Tankstelle an, während sie den zweiten Kanister mit natural 95 zu 1,25 Euro je Liter befüllt. An grenznahen deutschen Tankstellen kostet der Liter Benzin zu diesem Zeitpunkt 1,46 Euro.

Die Gastronomen warten ab

Weniger eilig als die Benzinkäufer scheinen es die tschechischen Gastronomen zu haben. Seit 17. März könnten die ihre Außenbereiche wieder bewirtschaften. Ein Blick in den Flur des Restaurant Rožanka aber lässt auf baldige Wiedereröffnung nicht hoffen. Leer und verwaist wirkt die Gaststätte. An einem Tisch in der Mitte des Raumes wurde ein Computerarbeitsplatz eingerichtet.

"Kein Essen", sagt ein Vorbeigehender und zeigt zum grauen Himmel. Das unstete Wetter und die unklare Aussicht halte die Gastronomie von der Öffnung ab, hat auch Nguyen Oanh gehört. Bis der kleine Grenzverkehr wieder zur Normalität zurückkehrt, sagt sie, werde es wohl noch dauern.

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