merken
PLUS Löbau

Corona-Vorschriften beim Einkauf: „Man hat es satt“

Das Testpflicht-Wirrwarr kommt in Löbau offenbar nicht gut an. Viele Händler sind genervt - und können nicht kontrollieren, ob Selbst-Auskünfte überhaupt echt sind.

Sophie Hildebrand (l.) und Eva-Maria Berger von der Buchhandlung Thalia in Löbau erleben täglich die Unsicherheit der Kunden beim Einkauf.
Sophie Hildebrand (l.) und Eva-Maria Berger von der Buchhandlung Thalia in Löbau erleben täglich die Unsicherheit der Kunden beim Einkauf. © Matthias Weber

Corona-Tests vor dem Einkauf sind seit 6. April Pflicht. Aber nicht in allen Geschäften. Der Landkreis Görlitz orientiert sich bei seinen Regelungen an denen des Freistaates, wie Susanne Lehmann vom Landratsbüro sagt. Demnach betrifft die Testpflicht nur die nun geöffneten Einrichtungen von Einzel- und Großhandel sowie Läden, die bisher geschlossen hatten und nun mit „Click & Meet“ – also nach telefonischer Terminbuchung - Kunden wieder einlassen. Hygieneregelungen und Dokumentation für die Kontaktnachverfolgung inklusive. Die Selbst- oder Schnelltests sollen tagesaktuell sein. Den Überblick zu behalten, fällt da schwer.

In Löbau sieht das im Innenstadtbereich am Donnerstag-Nachmittag so aus: Bei Rossmann drängen die Leute in den Laden. An der Kasse soll es Selbsttests geben. Kostenpunkt: ab 4,99 Euro. Die Kassiererin zuckt bedauernd die Schultern: „Die Selbsttest sind alle. Leider.“ Vielleicht kämen am kommenden Tag welche. Die Tests seien immer schnell vergriffen, sagt sie.

Anzeige
Zukunft? Na klar!
Zukunft? Na klar!

Die Berufsakademie Sachsen bietet ein krisensicheres Studium mit besten Job-Chancen und Ausbildungsvergütung.

Buchladen: Hier ist kein Test notwendig

Auf der Löbauer Bahnhofstraße gibt es unterschiedliche Läden. Und somit auch völlig unterschiedliche Regelungen für das Einkaufen. Im Gemüseladen ist kein Test vorzuzeigen. Bei Thalia, der Buchhandlung, auch nicht. Das wissen vermutlich nicht alle. Beim vorsichtigen Öffnen der Tür rufen die freundlichen Verkäuferinnen: „Sie können ruhig rein kommen, hier braucht man keinen Test.“ Begründung: Seit 8. März zählt der Buchhandel zur Grundversorgung.

Wenige Meter weiter: Eigentlich müsste die Verkäuferin im Bekleidungs- und Stoffladen einen Testnachweis von ihren Kunden verlangen. Oder doch nicht? Sie ist unsicher. Eine Kundin kauft Meterware für eine Tischdecke. Die Rolle steht vor dem Laden unter freiem Himmel. Ladeninhaberin Frau Thu hat Angst, ihr Geschäft zu verlieren. Ganz selten nur kämen Kunden. Richtig offen hat sie gar nicht, erzählt sie. Click & Collect – also nur die Abholung der Waren - will sie anbieten. Dafür muss Frau Thu vor Ort sein. Aber anrufen würde kaum jemand. „Ich wünsche mir, dass alles wieder normal wird“, sagt sie leise. Die Kundin mit dem Tischtuch schimpft. Ein großes Durcheinander sei das alles.

Spielzeugladen: Nur drei Kunden täglich

Liegt es am Wetter oder an den vielen Verordnungen, dass die Bahnhofstraße fast ausgestorben scheint? Nur wenige Menschen sind unterwegs. Noch weniger gehen in die Läden. Beim Spielzeugladen kämen im Durchschnitt nun drei Kunden täglich, erzählt Verkäuferin Helga Neugebauer. Am Dienstag nach Ostern sei mehr los gewesen. Aber das ist schon wieder vorbei. Und dann noch das Ding mit den Testvorlagen. Die „Bescheinigung über das Vorliegen eines positiven oder negativen Antigen-Selbsttests zum Nachweis des SARS-CoV-2 Virus“ kann von jedem aus dem Internet herunter geladen und ausgedruckt werden. Die Vordrucke gibt es auch im Geschäft. Kontrollieren kann kein Ladeninhaber und keine Verkäuferin, ob diese schriftliche Selbstauskunft auf einem tatsächlichen Testergebnis beruht. Beim Fleischer gegenüber braucht man solche Papiere dagegen nicht.

Helga Neugebauer vom Spielzeugladen Langefeld.
Helga Neugebauer vom Spielzeugladen Langefeld. © Matthias Weber

Modeladen: Nur zwei Kunden dürfen hinein

„Wir werden bestraft, man hat es satt“, ärgert sich eine Verkäuferin eines Modeladens einige Schritte entfernt. Im Geschäft stöbert kein einziger Mensch nach Hosen, Blusen oder Jacken. Zwei Kunden dürfen den Laden maximal gemeinsam betreten. Im Geschäft fast nebenan sind es fünf. Im ersten Laden mit Test, im zweiten ohne. Nirgends sind tatsächlich so viele Leute, wie erlaubt, in den Geschäften. Auch vor Corona hatten es die stationären Einzelhändler oft nicht leicht. Die Konkurrenz kam aus dem Internet. Jetzt ist die Ungleichheit noch viel größer.

„Das gesamtstädtische Bild leidet extrem“, schätzt Ingo Seiler von der Drogerie Wendler ein. Er brauchte zwischendurch nicht schließen. Doch würden in die Nachbargeschäfte weniger Kunden kommen, wirke sich das auf die anderen Läden wie seinen ebenfalls mit aus, sagt er.

Peggy und Ingo Seiler in der Wendler Drogerie.
Peggy und Ingo Seiler in der Wendler Drogerie. © Matthias Weber

Yvonne Kotyna kauft gemeinsam mit ihrer Oma Veronika Jahnke bei Ernsting`s Family ein. Mit Voranmeldung, mit Schnelltest. „Wir waren die Einzigen im Laden“, sagt die junge Frau und auch, dass sie die Regelung sinnlos findet. Yvonne Kotyna will nicht falsch verstanden werden: Testen sei wichtig. „Aber den Testzettel kann jeder ausdrucken – ohne Kontrolle. Und für die Älteren ohne Internet ist das alles noch komplizierter“, sagt sie.

NKD-Kaufhaus: Einkaufen nur nach Anmeldung

Beim NKD-Kaufhaus wird ebenfalls ein Testnachweis verlangt. Der Eingang ist verstellt. Nur nach Voranmeldung darf gestöbert werden. Eine Frau zeigt ihren Test. „Wir testen auf Arbeit zweimal pro Woche, da nutze ich das Ergebnis gleich für den Einkauf“, sagt sie. Nicht jeder hat eine solche Möglichkeit. Eine Seniorin zeigt auf dem Markt ihren noch leeren Vordruck, den sie in einem Laden in die Hand gedrückt bekam. „Den soll ich zuhause ausfüllen, wenn ich mich getestet habe“, sagt sie. Doch einen Test hat sie nirgendwo bekommen. Seit Kurzem bietet die Alte Apotheke in Löbau auch kostenfreie Bürgertests im neuen Testzentrum im Gewerbegebiet, Beitscheidstraße 2, an. Das ist der alten Dame fußläufig aber zu weit. „Dann bleibt das eben mit dem Einkauf“, sagt sie Kopfschüttelnd.

Wer sieht da noch durch?
Wer sieht da noch durch? © Matthias Weber

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]ächsische.de oder [email protected]ächsische.de

Mehr zum Thema Löbau