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Mehr Corona-Impfungen an der Grenze?

Die Corona-Lage in Tschechien ist weiter besonders heikel. Sächsische Politiker wollen den Freistaat schützen - und fordern eine Änderung der Impfregeln.

Am Mittwoch besuchte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) ein neues Impfzentrum im Vogtland. Die Impfpriorisierung ist in Sachsens Corona-Hotspot aufgehoben.
Am Mittwoch besuchte Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) ein neues Impfzentrum im Vogtland. Die Impfpriorisierung ist in Sachsens Corona-Hotspot aufgehoben. © dpa

Markkleeberg. Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping tritt für veränderte Kriterien bei der bundesweiten Verteilung der Corona-Impfstoffe ein. In besonders betroffenen Regionen - wie etwa in Sachsen entlang der tschechischen Grenze - müsse man anders aktiv werden, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag in Markkleeberg bei Leipzig. Dort hatte sie ein Seniorenzentrum besucht.

Sie habe schon im Herbst gefordert, dass Bundesländer mit einem hohen Anteil älterer Menschen bei der Vergabe von Impfstoffen anders berücksichtigt werden müssen, sagte Köpping. Das sei damals abgelehnt worden und man habe die Verteilung nach Einwohnerschlüssel gewählt. Jetzt gebe es in Grenzregionen besonderen Handlungsdruck.

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Folgen für ganz Deutschland

Tschechien ist derzeit der Corona-Hotspot in Europa. Sachsen hat sich daher bereits entschieden, im angrenzenden Vogtlandkreis die Impfpriorisierung aufzuheben und alle ab 18 zu impfen. Für dieser Region hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dem Freistaat erlaubt, die Impfpriorität ausnahmsweise auszusetzen. Künftig können sich dort alle Einwohner im Alter ab 18 Jahren impfen lassen und nicht nur diejenigen der ersten Prioritätsstufe.

"Wenn ich das aber alleine mache, ohne dass es eine Impfstoff-Umverteilung gibt, bedeutet das, dass ich anderen Impfstoff wegnehme", sagte Köpping. "Und das ist, glaube ich, auch nicht gerechtfertigt. Insofern muss man da neu drüber nachdenken, dass man bundesweit Prioritäten setzt."

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bereitet die rasche Ausbreitung an der Grenze Sorgen. Daher verteidigt er die Aufhebung der Priorisierung im Vogtland. Im ZDF-„Morgenmagazin“ forderte er "eine Brandmauer" entlang der Grenze. Es müsse dort schnellstmöglich die gesamte Bevölkerung geimpft werden, sagte Kretschmer. Andernfalls werde die Ausbreitung Folgen für ganz Deutschland haben.

Nur zwei Pflegeheime nicht geimpft

Vorbild könne Bayern sein: Die Grenze zu Tschechien sei bereits ein „roter Balken“. Der Ministerpräsident weiter: „Wir werden dort nicht erfolgreich sein mit den bisherigen Regeln“. Es müsse schnell gehandelt werden.

Laut Köpping läuft die Impfkampagne insgesamt gut. Besonders mit dem Immunisieren der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen - wie etwa Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen - sei Sachsen inzwischen weit vorangekommen. Von 690 Pflegeeinrichtungen sei nur in zwei bisher nicht geimpft worden, weil es dort aktuell noch Corona-Ausbrüche gebe.

Die Impfbereitschaft wächst

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"Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern ist die Impfbereitschaft generell sehr hoch, zwischen 80 und 90 Prozent", stellte die Ministerin fest. "Beim Pflegepersonal wächst sie. Am Anfang gab es natürlich Skepsis. Aber inzwischen erfahre ich immer mehr, dass sie wächst. Wir haben noch keine statistische Erhebung darüber. Wir sind durchaus optimistisch, dass wir eine gute Situation in der Zukunft haben werden."

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