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Körse-Therme könnte öffnen - darf aber nicht

Ab Sonntag sollte das Kirschauer Hallenbad wieder zum Schwimmen einladen. Corona verhindert das. Ist damit die Zukunft der Einrichtung wieder offen?

In der Körse-Therme in Kirschau ist alles für die Wiedereröffnung vorbereitet. Wegen der neuen Corona-Schutzregeln wird daraus jedoch nichts, bedauert Zweckverbandsvorsitzender Sven Gabriel.
In der Körse-Therme in Kirschau ist alles für die Wiedereröffnung vorbereitet. Wegen der neuen Corona-Schutzregeln wird daraus jedoch nichts, bedauert Zweckverbandsvorsitzender Sven Gabriel. © SZ/Uwe Soeder

Kirschau. Am Mittwochabend war klar: Laut neuer Corona-Schutzverordnung des Freistaates Sachsen muss auch die Körse-Therme am 2. November schließen, um die Ansteckungsgefahr im Landkreis zu minimieren. "Denkbar schlechtes Timing", finden die rund 30 Mitarbeiter der Sport- und Freizeiteinrichtung in Kirschau. Denn das Hallenbad sollte nach Monaten, in denen Corona-bedingte Schließung, politischer Schlagabtausch und teure Instandsetzungsarbeiten das Alltagsgeschäft bestimmten, am 1. November endlich wieder für Besucher öffnen.

Dem erteilten die Stadt Schirgiswalde-Kirschau und die Gemeinden Sohland, Obergurig und Beiersdorf, die als Zweckverband die Körse-Therme betreiben, nach Bekanntwerden der neuen Regelungen am Donnerstag eine klare Absage: "Es wird keine Wiedereröffnung geben", teilte Verbandsvorsitzender Sven Gabriel mit. In Anbetracht der derzeit sich überwerfenden Ereignisse sei es den Besuchern und auch den Mitarbeitern nicht vermittelbar, das Bad für nur einen Tag zu öffnen, begründete Gabriel die Entscheidung der Verbandsgemeinden.

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Fliesen ersetzt, Rohre erneuert

Dabei wäre alles startklar, wie ein Rundgang durch die angenehm temperierte Anlage zeigt: Die Pumpen laufen, die Saunen werden auf Betriebstemperatur gebracht, dem Außengelände sieht man die lange Zeit des Betriebsstopps seit März dieses Jahres nicht mehr an. Auch ein Hygienekonzept für den Badbetrieb läge vor: Dieses sähe Einbahnstraßenregelungen genauso vor wie den Saunabetrieb über 80 Grad. "Wir haben alle Voraussetzungen für die Wiedereröffnung geschaffen", sagt Sven Gabriel. Einen reichlichen Monat Zeit und etwa 100.000 Euro haben Landkreis, Zweckverband und die Mitarbeiter aufgewandt, um die Körse-Therme auf die Wiederinbetriebnahme am 1. November vorzubereiten; haben Fliesen im Gradierwerk ersetzt, Schmutzwasserrohre erneuert und Turbinen wieder gängig gemacht.

All das war auch geboten, denn die Wiedereröffnung spätestens an diesem Datum hatte der Kreistag zur Bedingung gemacht, als er bei seiner Sitzung am 28. September mehrheitlich dem Grundsatzbeschluss zum Erhalt der Körse-Therme zustimmte. Der sieht einen Beitritt des Landkreises Bautzen zum bestehenden Zweckverband und außerdem die Gründung einer Betreibergesellschaft zum Badbetrieb vor.

Kreistag soll erneut beschließen

Da die Eröffnung nun nicht wie geplant stattfinden kann, betrachtet die Rechts- und Kommunalaufsicht des Landkreises den Beschluss des Kreistages aber offenbar für hinfällig: "Angesichts der angekündigten Regelungen des Freistaates zur Schließung von Freizeiteinrichtungen kann die Eröffnung der Körse-Therme aus objektiven Gründen nicht erfolgen, daher wird der Kreistag erneut über den Beschlusspunkt zu entscheiden haben", heißt es auf Anfrage von Sächsische.de aus dem Landratsamt.

Sven Gabriel zeigt sich über die Verlautbarung verwundert: "Wir haben die Wiederinbetriebnahme wie gefordert sichergestellt und gehen davon aus, dass die aktuellen Entwicklungen keinerlei Auswirkungen auf den Beschluss des Kreistages haben", sagt er nicht ohne Hinweis auf die sich verschärfende Gesamtsituation der Körse-Therme: Allein bis zum jetzigen Zeitpunkt sind dem Zweckverband Umsatzeinbußen von etwa 400.000 Euro entstanden.

In den besucherstarken Monaten November und Dezember hatten die Verbandsmitglieder mit jeweils rund 200.000 Euro an Einnahmen gerechnet. Dabei waren sie bereits von einem Corona-bedingten Umsatzrückgang von etwa 40 Prozent ausgegangen. Wer die Verluste trägt, die dem Unternehmen nun mindestens für den Monat November drohen, wird zu diskutieren sein: "Natürlich werden nun weitere Verhandlungen mit dem Kreistag nötig. Die Situation für die Körse-Therme wird dadurch keinesfalls einfacher", sagt Sven Gabriel.

Anlage bleibt in Wartestellung

Fakt ist: Vorerst wird die Anlage nicht wieder gänzlich heruntergefahren. Der Zweckverband will so verhindern, dass an der dringend sanierungsbedürftigen Anlage weitere Schäden entstehen. Darüber hinaus würden nach einer neuerlichen Inbetriebnahme wieder Kosten entstehen, die der Verband bereits jetzt auf der Rechnung stehen hat. So müsste die Wasserqualität beispielsweise erneut per Abklatschprobe überprüft werden.

Was die neuerlichen Entwicklungen für die Mitarbeiter bedeuten, die nach dem Ende ihrer Kurzarbeit im September für gerade einmal einen Monat in den Betrieb zurückkehren konnten, ist noch offen. Derzeit laufen dazu Abstimmungen mit der Agentur für Arbeit, informiert Sven Gabriel. Die Mitarbeiter selbst zeigen Verständnis für die Situation, sind aber auch sichtlich enttäuscht. "Wir hatten uns darauf gefreut, das Bad wieder zu öffnen", äußert eine Angestellte. Eine andere stimmt zu: "Wir wollen ja arbeiten."

Wann das wieder möglich sein wird, ist derzeit nicht absehbar. Noch hält der Zweckverband in Abhängigkeit von den Beschlüssen des Kreistages an dem Plan fest, die Körse-Therme wieder zu öffnen, sobald die Corona-Situation es zulässt. Natürliche Grenze für dieses Vorhaben ist die anstehende Sanierung des 22 Jahre alten Bades. Deren Beginn ist derzeit für das Jahr 2022 geplant.

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