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Aktionismus hilft nicht gegen Corona

Der Bund will Heizpilze in der Gastronomie fördern und auch das Weihnachtsgeld vorzeitig auszahlen. Bringt das was? Ein Kommentar.

Von Wolfgang Mulke
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Das Pils unterm Heizpilz ist schon eher ein Mittel, der Branche über den Winter zu helfen, sagt Wolfgang Mulke.
Das Pils unterm Heizpilz ist schon eher ein Mittel, der Branche über den Winter zu helfen, sagt Wolfgang Mulke. © dpa/SZ

Es ist erstaunlich, um welche vermeintlichen Kinkerlitzchen sich der Staat derzeit kümmert. Nun will er Gastwirte bei der Anschaffung von Heizpilzen finanziell unterstützen. Das Vorhaben wird sogar vom Umweltbundesamt und den Grünen gutgeheißen. Politiker mischen sich zudem in die Tarifpolitik ein und fordern die vorzeitige Auszahlung des Weihnachtsgeldes. Der Aktionismus zeigt, dass hier etwas auf dem Spiel steht.

Die meisten Menschen haben eine große Sehnsucht nach einer Rückkehr zu den guten alten Zeiten, in denen sich jeder frei bewegen, in Restaurants, Kneipen, Theatern oder Shopping-Centern vergnügen konnte. All diese Stätten sind wirtschaftlich massiv bedroht. Statt die City mit einem Bummel zu beleben, wird mehr per Online-Klick eingekauft. Wenn es zu kalt wird, essen viele potenzielle Gäste ihr Menü lieber daheim. Wenn die betreffenden Betriebe im Handel, in der Kultur und Gastronomie erst einmal pleite sind, kann sie auch kein Impfstoff wiederbeleben. Die sind dann weg. Es gibt also gute Gründe, auch mit unkonventionellen Hilfen das Lebenswerte zu retten.

Nur sind nicht alle Maßnahmen dafür gut geeignet. Das Weihnachtsgeld verschwindet im Onlinehandel oder auf dem Sparbuch, solange der Konsum vor Ort keinen Spaß macht. Dagegen ist das Pils unterm Heizpilz schon eher ein Mittel, der Branche über den Winter zu helfen. Auch ein Konzept für die Rettung der Innenstädte ist wünschenswert, gleichwohl kurzfristig kaum Erfolg versprechend.

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