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Dieses Verbot ist irrational!

SZ-Reporter Markus van Appeldorn kommentiert die Maßnahmen zum "Kleinen Grenzverkehr".

© Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

"Grenzen dicht machen!" - das ist eine Forderung, die man dieser Tage wieder oft besonders in sozialen Medien liest. Es geht ja schließlich um unsere Sicherheit. Bemerkenswerterweise geht es vielen, die diese Forderung erheben, dabei gar nicht so sehr um Corona. Sondern darum, dass dann auch keine bösen Ganoven über die Grenze kommen, um hier Autos zu klauen oder Gartenlauben aufzubrechen. Dass "die" von jenseits der Grenze dann auch nicht "unser" Klopapier wegkaufen - ein dankbarer Nebeneffekt. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass es mitunter die gleichen Menschen sind, die sich im gleichen Atemzug bitterlich darüber beklagen, dass sie jetzt nicht mehr rüberfahren dürfen, um billig zu tanken oder Zigaretten zu kaufen.

Diese Misch-Argumentation aus Fordern und Jammern ist in jedem Fall kurzsichtig. Vielleicht sollte diesen Menschen bewusst werden, dass Handelskonzerne wie "Kaufland" große Häuser wie in Ebersbach genau deswegen in unmittelbare Grenznähe setzen, weil sie damit tschechische Kunden anlocken wollen, die etwa die wesentlich günstigere Markenware hier schätzen. Und nicht wenige andere Händler im Kreis sind auch von tschechischen oder polnischen Kunden abhängig. Die geben mitunter auch das Geld hier aus, was sie durch deutsche Einkäufer in ihrem Land einnehmen. Bricht dieser "Kleine Grenzverkehr" zusammen, ist das für den Handel auf beiden Seiten katastrophal.

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Aber auch aus Sicht des Infektions-Geschehens müssen Zweifel an staatlichen Maßnahmen erlaubt sein - wie etwa der Aufhebung der Sonderregeln für den "Kleinen Grenzverkehr". Wer beispielsweise aus dem Landkreis Görlitz nach Bautzen fährt, wechselt dabei bloß von einem "Corona-Risikogebiet" ins andere. Dennoch hindert keine Vorschrift Menschen daran, etwa in Bautzen zu tanken, einzukaufen oder auch so etwas touristisch Sinnfreies zu tun, wie das Stadtpanorama bei einem Spaziergang zu genießen - das gilt natürlich auch umgekehrt für Fahrten etwa nach Görlitz.

Natürlich muss alles unternommen werden, die Pandemie zu bekämpfen. Aber es muss mit Verstand geschehen - nicht mit Aktionismus. Wenn zwischen zwei Risikogebieten zufällig eine Staatsgrenze liegt, soll die Fahrt zum Tanken oder Einkaufen dahin gefährlicher sein? Das bitte ist irrational. Maßnahmen gegen die Krise müssen aber rational sein, damit Menschen sie verstehen und akzeptieren. Menschen, die nun Einkaufsausflüge nach Polen oder Tschechien unterlassen, tun das mehrheitlich nicht, weil sie diese zweifelhafte Regelung nachvollziehen würden. Sie tun es, weil sie Angst haben, erwischt zu werden, Strafe bezahlen zu müssen oder in Quarantäne geschickt zu werden. Diese Angst hilft nicht bei der Krisenbewältigung. Sie spaltet! Und sie macht es noch schwieriger, beim Bürger Akzeptanz für tatsächlich angebrachte Maßnahmen zu finden.

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