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Corona: Impfpriorisierung bloß nicht aufheben

Solange der Impfstoff knapp ist, muss er an Menschen mit dem größten Risiko vergeben werden. Ein Kommentar von SZ-Redakteur Gunnar Klehm.

Soll die Priorisierung bei Corona-Impfungen schnell aufgehoben werden oder Nicht?
Soll die Priorisierung bei Corona-Impfungen schnell aufgehoben werden oder Nicht? © Daniel Schäfer

Es ist und bleibt die wichtigste Aufgabe in der Pandemie, die Risikogruppen besonders zu schützen. Das gelingt am besten mit einer Impfung. So viel ist in den Corona-Wirren klar. Das zeigt der Rückgang der Todeszahlen im Zusammenhang mit dem Coronavirus SarsCov2 im Landkreis. Das ist der Fall, seit die Pflegeheime als durchgeimpft gelten.

Dort haben sich unter anderem die Einrichtungen für die Bewohner starkgemacht und sich um alles gekümmert. Doch wie sieht es mit denen aus, die noch alleine wohnen, obwohl sie schon über 80 Jahre alt sind und damit zur höchsten Priorität gehören? Weder im Sozialministerium noch beim DRK, das für die Logistik beim Impfen in Sachsen zuständig ist, weiß jemand, wie groß der Bedarf unter den Menschen mit der höchsten Impfpriorität ist.

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Dass es diese Kategorisierung gibt, hat seinen Grund. Es ist unsere ethische Pflicht, dass sich die Gesellschaft um den Schutz der Schwächeren sorgt. Solange niemand weiß, ob das tatsächlich gewährleistet ist, muss es eine Priorisierung geben.

Noch immer steht nicht genügend Impfstoff für alle zur Verfügung. Der vorhandene wird ohne Priorisierung nicht schneller verbraucht. Wie seit Beginn der Impf-Kampagne ist es immer noch ein Glücksfall, im Impfzentrum in Pirna einen Biontech-Termin zu bekommen. Die Wartelisten sind bei den meisten Hausärzten lang. Diesen zu wechseln, weil ein anderer Hausarzt möglicherweise freie Impftermine hat, ist nicht die Lösung.

Wer noch nicht in der Priorisierung dran ist, hat dennoch die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Der im Ruf ramponierte Impfstoff von Astrazeneca ist seit Längerem in Sachsen für alle Erwachsenen freigegeben - mit den bekannten Risiken.

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Es kann auch nicht das Argument sein, dass den Ärzten ohne Priorisierung Arbeit abgenommen wird. Die „Arbeit“, zu entscheiden, wer am dringendsten eine Impfung benötigt, dürfen Ärzte nie außer Acht lassen. Das gilt auch abseits der Pandemie. Diese Personen müssen selbst nach Aufhebung der Priorisierung die Ersten sein, die bei den Hausärzten drankommen.

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