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Pirna-Konzert: Sogar die Polizei klatscht

Erst verboten, dann doch genehmigt, war es anders als die vorherigen Konzerte. Nicht nur wegen OB Hanke, der erstmals nach seiner Corona-Erkrankung sprach.

Peter Lippert singt am Sonnabend auf dem Pirnaer Markt seine Lieder.
Peter Lippert singt am Sonnabend auf dem Pirnaer Markt seine Lieder. © Marko Förster

Eine Versammlung auf mitgebrachten Stühlen: Das ist eine Besonderheit der Pirnaer Konzerte für Mitmenschlichkeit, Anstand und Toleranz - und nicht die einzige. Am Sonnabend fand das dritte Konzert der von Peter Lippert initiierten und organisierten Reihe der "anständigen Lieder mit Abstand" statt. Erst verboten, hatte das Landratsamt es dann nach Einschreiten eines Anwaltes doch genehmigt.

Diesmal brachten viele ihre Stühle, manche sogar ein kleines Tischchen mit, um es sich gemütlich zu machen. Der Fußweg am Stadthaus und die Flächen ums Rathaus mussten freibleiben, Auflage der Versammlungsbehörde, über die Lippert zu Beginn informierte. Das war das Formelle. Das Inhaltliche folgte. Das Landratsamt hatte beim letzten Mal kritisiert, dass zu viel Musik und zu wenig Meinung auf der Konzert-Versammlung geäußert worden war und das zu einem Grund der Ablehnung genommen. Darauf nahm nun unter anderem Anja Schumann Bezug. "Singen ist sprechen auf Tönen", lautet ihre Definition. Lieder sind ganz viel Meinung, sagen auch Lippert, der Röhrsdorfer Rainer Herbert Herzog und andere. Manche Lieder sind sogar mehr Meinung als manche Rede. Lieder wie das "Pack mit an" von Lippert oder Anja Schumanns "Wenn Du wieder Mut hast irgendwann, fängst Du wieder von vorn an."

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Hankes nicht so einfacher Weg

Gesprochen hat diesmal auch Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke. Für ihn war es der erste öffentliche Auftritt nach seiner Corona-Erkrankung. Sein Weg zum Genesenen sei nicht so einfach gewesen, sagte er. "Ich kann nur appellieren, versuchen Sie sich so gut es geht zu schützen." Er freue sich, dass es gelungen ist, die Konzert-Reihe aufrecht zu erhalten. Das sei dem konsequenten Handeln von Lippert und seinen vielen Freunden zu verdanken.

Bis in den Herbst sind viele kleine, verschiedene Veranstaltungen in Pirna geplant, die etwas das Stadtfest kompensieren sollen. "Bis zum nächsten Konzert bleiben Sie schön gesund", sagte Hanke und die Gäste quittierten seine Worte mit Beifall. Dass Hanke beim jährlichen Gedenken am Vormittag auf dem Sowjetischen Friedhof an der Rottwerndorfer Straße gefehlt hatte, begründete er damit, jetzt erst einmal etwas kürzertreten zu müssen, um sich noch zu schonen.

Auch Wolfgang Bieberstein sprach wieder wie schon vor zwei Wochen. Diesmal in Zivil statt als Nachtwächter. Er erinnerte am 8. Mai an den Tag vor 76 Jahren, sprach von Mut und Wissen, der Gefahr nicht nachzugeben, wobei er offen ließ, welche Gefahr er meinte. Seine Schlussworte: "Wir sind viele, wird sind mehr."

Skepsis wegen Gundermann

Unter den um die 120 Gästen waren viele, die schon bei den vorherigen Konzerten da waren. Die Heidenauer Bibliotheksleiterin, die immer mit ihrer Mutter kommt, die Drechsels von ein paar Gassen weiter. Erstmals dabei war Lutz Funke aus Heidenau. Der Musiker vom Duo "Birdhouse" hat auch Interesse, sich an den Konzerten zu beteiligen. Er will mit Lippert reden, auch wenn der Jazz vielleicht nicht so passe, sagt er.

Auch Annegret Dittrich aus Lohmen war wieder da. Als das dritte Konzert zunächst nicht erlaubt wurde, vermutete sie: "War es schon renitent, dass die Lieder von Gerhard Gundermann, dem Unangepassten, gespielt wurden?" Das Gundermann-Lied "Immer wieder wächst das Gras" erklang auch diesmal als letztes.

Provokationen am Rande

Die Ordner berichten von einigen kleinen Provokationen am Rande, vor allem Masken-Diskussionen. Doch es konnte alles geklärt werden. "Es ist alles friedlich, bei Sonnenschein und frohen Menschen beendet worden", sagt Peter Lippert. "Die Polizei hat erstmal nichts Nachteiliges gesagt." Dennoch bleibt Lippert skeptisch und auf alles gefasst: "Was sie jetzt allerdings ins Protokoll schreiben, weiß ich leider nicht." Einer der vier Polizisten hatte zumindest auch zwischendurch geklatscht und da nichts zu beanstanden gehabt.

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Das vierte Konzert soll als dritte Versammlung am 22. Mai, 15.30 Uhr, stattfinden. Mit dabei dann neben Peter Lippert das Duo Martin Eden (Michael Damme und Rainer Herzog), Elisabeth Hiller und ein Überraschungsgast. Die Stühle mitzubringen, ist auch dann wieder ratsam. Und sich einen zu kaufen, wer noch keinen hat, dürfte in diesem Sommer eine lohnende Investition sein. Nicht nur für die Pirnaer Konzerte.

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