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Kostenlose Masken: Ansturm auf Dresdner Apotheken

Am Dienstag hat die Verteilung begonnen. Vor allem Ältere sollen damit besser geschützt werden. Doch die Aktion bewirkt möglicherweise das Gegenteil.

Ansturm auf die kostenlosen FFP2-Masken: Lange Schlangen haben sich am Dienstag vor der Dresdner Apotheke am Ei gebildet.
Ansturm auf die kostenlosen FFP2-Masken: Lange Schlangen haben sich am Dienstag vor der Dresdner Apotheke am Ei gebildet. © Sven Ellger

Dresden. Sie bieten zwar auch keinen absoluten Schutz vor dem Coronavirus, filtern allerdings Partikel aus der Atemluft: FFP2-Masken. An diesem Dienstag hat auch die Verteilung an ältere und besonders gefährdete Menschen in Dresden begonnen - in manchen Apotheken durchaus holprig.

Ansturm bringt Apotheken in Not

Mitarbeiter aus mehreren Apotheken berichteten am Dienstagvormittag von einem regelrechten Ansturm auf die FFP2-Masken. "Bei uns ist es ganz, ganz schlimm", sagt Dana Liebeck von der Apotheke am Ei in der Südvorstadt. "Die alten Leute stehen mit Krücken Schlange vor der Tür. Unsere Mitarbeiter kommen nicht mehr dazu, mal etwas zu trinken." Möglicherweise seien die Masken bereits am Abend vergriffen. "Wir wissen es nicht. Wir überlegen, ob wir heute mit der Verteilung irgendwann aufhören sollen, damit wir auch morgen noch Masken haben", so Liebeck weiter.

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Die Apotheke am Postplatz versuchte am Dienstag, die Kunden zu motivieren. "Bitte bringen Sie etwas Zeit, Ihren Personalausweis und gute Laune mit", hieß es auf der Facebook-Seite der Apotheke. Bis zum Dienstagnachmittag wurden rund 1.000 Masken an 350 Kunden angegeben, sagt Filialleiter Sven Lobeda. "Bei uns ging bislang alles gesittet zu." Weil viele Kunden in den vergangenen Wochen nachfragt haben, wie sie zu ihren Masken kommen, habe er am vergangenen Samstag die Kurzanleitung auf die Facebook-Seite gestellt, wie die Abholung funktioniert.

In einem ersten Schritt sollen über 60-Jährige und Menschen mit Risikofaktoren drei Masken in der Apotheke kostenlos bekommen. Zunächst bis zum 6. Januar. Beim Abholen genügt die Vorlage des Personalausweises "oder die nachvollziehbare Eigenauskunft über die Zugehörigkeit zu einer der Risikogruppen", heißt es vom Bundesgesundheitsministerium. Als Risikofaktoren nennt das Ministerium zum Beispiel Asthma, Diabetes und Niereninsuffizienz.

Weitere Masken sollen im neuen Jahr an die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen verteilt werden. Dann muss man allerdings Coupons vorlegen, die die Krankenkassen per Post verschicken. Pro Person gibt es zwei Coupons. Ein Coupon berechtigt zur Abholung von sechs Masken in der Apotheke. Vorgesehen ist ein Eigenanteil von zwei Euro.

Lieferung in letzter Minute

Einzelne Apotheken konnten wegen Lieferschwierigkeiten am Dienstag gar keine Masken verteilen. Zum Beispiel die Ginkgo-Apotheke an der Schweriner Straße. Die Post habe zu viel zu tun, sagte eine Mitarbeiterin am Vormittag und hoffte auf eine Maskenlieferung gegen Ende der Woche. Bis dahin führe sie eine Liste mit Stammkunden, für die sie die FFP2-Masken reserviere.

Doch viele Dresdner wollten am Dienstag nicht mit leeren Händen nach Hause zurückkehren. Kunden seien stattdessen zu ihm gekommen und hätten berichtet, an anderen Apotheken würden Schilder hängen, dass keine Masken mehr verfügbar seien, berichtet Rolf Leonhardt, Inhaber der Kronen-Apotheke an der Bautzner Straße.

Er selbst habe die Masken erst am Freitag vergangener Woche bestellt. "Wir sind erst Ende der Woche informiert worden, das ist alles mit heißer Nadel gestrickt." So heiß, dass die erste Lieferung mit 1.000 Dreierpacks erst am Montag in der Kronen-Apotheke ankam. Eine weitere Lieferung erwartet Leonhardt im Laufe der Woche.

Kein Risikofaktor - Apotheker müssen Kunden abweisen

Das Gesundheitsministerium hat zwar eine Liste mit Risikofaktoren und Vorerkrankungen vorgegeben, die zum Abholen der Masken berechtigt. Doch diese Liste ist offenbar nicht jedem bekannt. Eine jüngere Frau mit Rheuma musste Rolf Leonhardt am Dienstag trotz harter Medikation abweisen, weil Rheuma nicht zu den gültigen Vorerkrankungen zählt.

Auf der anderen Seite könne man Betrug kaum verhindern. "Wir können nicht kontrollieren, ob jemand wirklich chronisch krank ist", sagt Leonhardt. "Aber wir versuchen großzügig zu sein." Stammkunden, deren Krankheiten den Mitarbeitern nicht bekannt sind, müssten eine Eigenerklärung unterschreiben, die ihm zumindest eine gewisse Sicherheit gebe. Letzten Endes sei es aber eine Vertrauenssache.

Detektivarbeit wird auch in der Güntz-Apotheke in der Johannstadt geleistet. Dort fragen die Mitarbeiter fremde Kunden nach ihrem Medikationsplan. Aufgrund des Datenschutzes werde aber niemand gezwungen, den Plan vorzuzeigen, sagt Inhaberin Anne Brettschneider. "Im Zweifelsfall kommen wir mit den Leuten ins Gespräch" - trotz der bis zu 100 Meter langen Schlange vor der Tür.

Apotheken zahlen erst einmal für alle Masken

Für die Kunden sind die FFP2-Masken kostenlos, für die Apotheken vorerst nicht. In der Johannstädter Lilienapotheke sind in den vergangenen Tagen sehr viele Masken bestellt worden, sagt Inhaberin Mandy Miersch. "Das Problem ist, dass wir die Vergütung dafür erst im Januar bekommen", sagt sie. Das betreffe nicht nur sie, sondern auch alle anderen Apotheken. Das heißt, das Geld für die teureren FFP-Masken müssten sie erst einmal auslegen.

Bezahlt werden die Masken vom Bund. Dieser hat einen Fonds eingerichtet, aus dem die Apotheken bezahlt werden. Um Vorrat müssen sich diese allerdings selbst kümmern. Denn anders als für Pflegeheime stellt der Bund für diese Aktion keine Masken zur Verfügung.

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Doch die Apotheken müssen nicht nur auf das Geld warten. Im Zweifel bleiben sie auch auf einem gewissen Teil der Kosten sitzen. "Die Vergütung bekommen wir im Januar, aber abhängig von der Rezeptzahl, die im dritten Quartal in den Apotheken eingelöst wurden", sagt Mandy Miersch. Das sei schwierig, weil damit nicht die tatsächlich abgeholten Masken bezahlt werden. In der Johannstädter Apotheke kostet eine Maske normalerweise 5,95 Euro.

Ebenso befürchtet Mandy Miersch mit der Maskenverteil-Aktion genau das, was man seit Monaten versucht zu verhindern - eine Menschenansammlung. Tatsächlich provoziere man nun aber ähnliche Szenen wie bei der Maskenverteilung des Oberbürgermeisters vor dem Rathaus im Frühjahr.

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