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Bautzen: Corona-Lage in den Kliniken entspannt sich

Die Krankenhäuser im Landkreis reduzieren jetzt die Betten für Covid-19-Patienten und vergeben wieder mehr OP-Termine. Die Wartelisten sind lang.

Rüdiger Soukup (l.), Chefarzt der Inneren Medizin im Kamenzer Malteser Krankenhaus, und Geschäftsführer
Sven Heise planen die allmähliche Rückkehr der Klinik zum Normalbetrieb.
Rüdiger Soukup (l.), Chefarzt der Inneren Medizin im Kamenzer Malteser Krankenhaus, und Geschäftsführer Sven Heise planen die allmähliche Rückkehr der Klinik zum Normalbetrieb. © René Plaul

Bautzen/Kamenz. Die Tendenz ist erfreulich: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis Bautzen sinkt zusehends. Macht sich das auch in den Krankenhäusern bemerkbar, die wochenlang an ihrer Belastungsgrenze waren?

Im Kamenzer Malteser Krankenhaus St. Johannes gilt nach wie vor höchste Sicherheitsstufe und ein Besucherstopp. Geschäftsführer Sven Heise sieht auch die Forderungen nach Lockerung der Corona-Einschränkungen kritisch.

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Noch zu nah sind die Wochen, als die Corona-Station an ihre Grenzen kam und im Dezember/Januar mit insgesamt 38 Toten überdurchschnittlich viele Sterbefälle zu beklagen waren: „Das war seelisch sehr belastend für die Mitarbeiter.“ In der schlimmsten Zeit betreute die Klinik laut Heise mehr als 35 Corona-Fälle gleichzeitig, insgesamt 245 seit Pandemie-Beginn. Ein Drittel des Krankenhauses sei mit Corona-Patienten belegt gewesen. Eine solche Situation habe es noch nie gegeben.

So planen auch die Oberlausitz-Kliniken (OLK) derzeit noch vorsichtig die "Rückkehr zur schrittweisen Normalität", wie es Geschäftsführer Reiner E. Rogowski erklärt. Ähnlich ist die Lage im Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda.

Kamenz: Bis März Rückkehr in den Regelbetrieb

In Kamenz schwankt die Zahl der Covid-19-Patienten derzeit zwischen zehn und 15 auf der Isolierstation, sagt Dr. Rüdiger Soukup, Chefarzt der Inneren Abteilung. Zwei liegen auf der Intensivstation. Dort waren es zwischenzeitlich bis zu acht. Das klingt nach Entspannung, „aber wir sollten die Entwicklung der nächsten Wochen genau verfolgen, bevor wir Schritt für Schritt zum Normalbetrieb zurückkehren", sagt der Chefarzt.

Notfälle und Tumorpatienten zum Beispiel seien natürlich immer behandelt worden, so Dr. Soukup. Planbare Eingriffe aber seien wie in vielen Kliniken ausgesetzt worden, um die Corona-Situation bewältigen zu können.

Mit dem Rückgang der Infektionszahlen vergebe die Klinik seit etwa zwei Wochen wieder schrittweise mehr OP-Termine und hoffe, bis März in den Regelbetrieb zurückkehren zu können. „Die Ärzte entscheiden, was möglich ist“, sagt Geschäftsführer Heise. Auch der nach wie vor erhöhte Krankenstand unter Ärzten und Pflegekräften spiele eine Rolle. Die Patienten auf der Warteliste würden nach und nach angerufen. Allein in der Gynäkologie und Allgemeinchirurgie seien etwa 60 Operationen in der Warteschleife. Es brauche Zeit bis die OP-Zahlen wieder steigen, um den Stau aufzuholen.

Ein Teil der 30 Betten auf der Corona-Station werde weiterhin vorgehalten: „Die brauchen wir auch als Sicherheit, um Patienten separieren zu können und andere Stationen corona-frei zu halten“, schätzt Chefarzt Rüdiger Soukup ein. Auffällig sei, dass sich jetzt immer mehr Patienten mit Folgeerkrankungen von Covid-19 melden.

Bautzen: Nur noch eine Corona-Station

In den Oberlausitz-Kliniken geht die Zahl der Patienten auf den Corona-Stationen seit dem vorigen Wochenende massiv zurück, schätzt Geschäftsführer Rogowski ein: „Allerdings haben wir noch immer täglich Zugänge durch infizierte und erkrankte Patienten.“ Abhängig von der täglichen Entwicklung beabsichtige das Krankenhaus Bautzen, Ende dieser Woche nur noch eine Station mit 30 bis 34 Betten für Covid-19-Patienten vorzuhalten.

Eine ihrer beiden Intensivstationen hatte die Klinik zeitweise komplett für Covid-19-Patienten genutzt. „Auch hier werden dann nur noch einzelne Zimmer, unter einem strengen Hygieneregime, als Isolierbereiche geführt“, sagt Reiner Rogowski. Ähnlich laufe es im Bischofswerdaer Krankenhaus. Dort werden noch etwa 20 Betten für Corona-Patienten vorgehalten.

Bischofswerda: Noch 20 Betten für Coid-19-Patienten

Durch Glatteis und Schnee verzeichnen die Oberlausitz-Kliniken derzeit außerdem massiven Andrang von Unfallpatienten. Auch dafür benötige man Kapazitäten. Personelle Ressourcen seien aber bisher gebunden durch die hohe Zahl der Corona-Patienten beziehungsweise fehlten durch Infektionen unter den Mitarbeitern. Doch es entspanne sich.

So sei auch wieder mehr Spielraum für OPs. Da der Betrieb jetzt erst anlaufe, „können wir noch keine Zahlen nennen“, so Rogowski. Patienten bräuchten momentan noch etwas Geduld: „Die Eingriffe und Behandlungen müssen mit der notwendigen Sorgfalt erledigt werden. Deshalb werden sicher nicht alle Termine in kürzester Zeit nachgeholt werden können. Die medizinische Dringlichkeit wird immer beachtet werden müssen.“

Die Klinikmannschaft sei vorsichtig optimistisch, dass die Corona-Zahlen weiter nach unten gehen. Unsicherheitsfaktor seien die mutierten Erreger. Deshalb bleiben „wir als Akutkrankenhäuser in Hab-Acht-Stellung“.

Hoyerswerda: 100 Patienten auf der Warteliste

Im Seenland Klinikum in Hoyerswerda schätzt Sprecher Gernot Schweitzer die Situation aktuell und rückblickend auf den Januar als „stabil und gut beherrschbar“ ein. Über 500 Patienten seien bisher mit der Diagnose Covid-19 behandelt worden, um Weihnachten 80 gleichzeitig.

In der zurückliegenden letzten Woche habe das Krankenhaus nochmal einen leichten Anstieg an Corona-Patienten verzeichnet. Durchschnittlich habe die Zahl bei etwa 40 Covid-19-Patienten gelegen, am Freitag waren es 36. Gernot Schweitzer: „Momentan haben wir planbare Behandlungen noch stark eingeschränkt.“ Je nach Fachbereich stünden auf der Warteliste bis zu 100 Patienten.

Die Klinik werde mit fallender Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis aber in den nächsten Tagen Stück für Stück wieder Termine vergeben, auch bei den ambulanten Sprechstunden.

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