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Zahl der Covid-Patienten stabil

Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge kommt bisher in der dritten Corona-Welle glimpflich davon, wie Daten der Kliniken zeigen.

Die Kliniken versorgen inzwischen dauerhaft Covid-Patienten auf Intensivstationen.
Die Kliniken versorgen inzwischen dauerhaft Covid-Patienten auf Intensivstationen. © Symbolfoto: dpa/Robert Michael

Immer wieder tauchen auf Internet-Plattformen Kommentare von angeblichen Krankenpflegern auf, die sich darüber wundern, dass von einer Überlastung der Intensivstationen gesprochen wird. Sie selbst würden noch normalen Betrieb erleben. Auch Pflegepersonal aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat sich bereits an die Redaktion von Sächsische.de gewandt, wollen jedoch anonym bleiben.

Dass sich die Corona-Lage in den Krankenhäusern in Deutschland durchaus unterschiedlich darstellen kann, machen auch die aktuellen Zahlen deutlich, die die Helios-Kliniken, einer der größten Krankenhaus-Konzerne Deutschlands, täglich veröffentlichen.

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Wie viele Patienten liegen in Krankenhäusern?

Die Helios-Klinik in Pirna meldete am Montag, 19. April, 19 Covid-Patienten auf der Normalstation und vier weitere auf der Intensivstation. Das ist weit von den Höchstzahlen entfernt, die bei 67 Covid-Patienten auf Normalstationen und 15 Covid-Intensiv-Patienten liegen und aus dem Dezember beziehungsweise Januar stammen.

Helios betreibt zudem die Weißeritztalkliniken in Freital und Dippoldiswalde. Dort ist die Lage ähnlich. Am Montag wurden 15 Covid-Patienten auf der Normalstation und fünf weitere auf der Intensivstation gemeldet. Die Höchstzahlen liegen dort bei 69 Covid-Patienten auf Normalstationen und bei 13 Covid-Intensiv-Patienten an einem Tag.

In der von Asklepios betriebene Sächsische-Schweiz-Klinik in Sebnitz sind es zwölf Covid-Patienten auf der Normal- und zwei auf der Intensivstation. Das ist beherrschbar und das Krankenhaus arbeitet weiter im Normalbetrieb. "Wir haben aber einen 4-Stufenplan, den wir im Falle einer Eskalation kurzfristig, binnen 24 Stunden, umsetzen können", teilt die Klinik mit.

In den Helios-Kliniken im Landkreis war es in den vergangenen Wochen vereinzelt vorgekommen, dass OPs verschoben werden mussten, weil die Kapazität auf der Intensivstation nicht vorhanden war, heißt es.

So viele Covid-Patienten wie im Januar gleichzeitig stationär behandeln zu können, war nur möglich, weil alle Kliniken in einen Not-Betrieb versetzt wurden. Planbare OPs wurden verschoben, einzelne Stationen geschlossen beziehungsweise in Isolierstationen für Covid-Patienten umfunktioniert. Seit Mitte März wird wieder im Regelbetrieb gearbeitet, teilten sowohl Helios als auch Asklepios mit.

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sieht es anhand der Veröffentlichungen der Helios-Kliniken bei der Zahl der Covid-Patienten derzeit besser aus als in Plauen oder Aue.
Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sieht es anhand der Veröffentlichungen der Helios-Kliniken bei der Zahl der Covid-Patienten derzeit besser aus als in Plauen oder Aue. © SZ Grafik

Wie ist die Entwicklung auf Intensivstationen?

Dennoch schlagen erneut Intensivmediziner in Deutschland Alarm. Am 16. April wurden vom Intensivregister des Vereins Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) nur noch 136 freie Intensivbetten in Sachsen gemeldet. Deutschlandweit fiel die Zahl Mitte April erstmals unter 3.000 freie Betten.

Die Kliniken sind seit April 2020 gesetzlich verpflichtet, ihre Kapazitäten täglich ans Divi zu übermitteln. Dabei geht es um die Gesamtzahl an betreibbaren Intensivbetten, nicht nur um Covid-Betten in Isolierbereichen. Die Zahl kann in jeder Einrichtung schwanken, weil die Personalstärke nicht an jedem Tag gleich ist, die für eine Belegung der Intensivbetten jedoch Voraussetzung ist.

So wenige freie Betten wie vorige Woche wurden bisher noch nicht gemeldet. Der bisherige Tiefpunkt in Sachsen waren 162 freie Betten am 16. Dezember 2020. Wie viele Betten für Covid-Patienten frei sind, wird im Divi-Register nicht extra aufgeführt, jedoch die Zahl der Covid-Patienten, die aktuell intensivmedizinisch behandelt werden müssen.

Wenige Tage nach dem 16. Dezember wurde auch die höchste Zahl an Covid-19-Patienten auf Intensivstationen ermittelt. 595 waren es am 21. Dezember. Aktuell sind es in Sachsen knapp 400. Mehr Patienten können aller Erfahrung nach also aufgenommen werden. Allerdings im Notbetrieb.

Welche Auswirkung haben Infektionszahlen?

Der Vergleich mit anderen Krankenhäusern in Sachsen zeigt, dass der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bisher glimpflich davongekommen ist. Hier hat sich die dritte Welle der Infektionszahlen nicht unmittelbar in der Zahl der Covid-Patienten in Kliniken niedergeschlagen. Die Infektionszahlen sind zwar auch hier gestiegen, aber nicht so extrem wie beispielsweise im Vogtland oder im Erzgebirgskreis. Dort wurden zeitweise Wochen-Inzidenzen von über 500 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner registriert.

In der Helios-Klinik im vogtländischen Plauen wurden jetzt neue Höchstwerte an Covid-Patienten erreicht. Dort scheint der Höhepunkt der Infektionszahlen überschritten. Der Inzidenz-Wert ist wieder auf unter 300 gefallen. Die Patientenzahl nimmt wieder leicht ab.

Im Erzgebirgskreis liegt die Sieben-Tage-Inzidenz dagegen noch weit über 300. Wird der Trend nicht gebrochen, wird sich das Helios-Klinikum im erzgebirgischen Aue auf eine weiter steigende Zahl an Covid-Patienten einstellen müssen. Am Montag mussten erstmals seit Januar in Aue wieder 60 Covid-Patienten gleichzeitig stationär behandelt werden.

Wann kommt der sächsische Lockdown?

Sachsen hat sich vor Wochen eine eigene Corona-Notbremse gegeben und geht einen anderen Weg als die restlichen Bundesländer. Übersteigt die Zahl der Covid-Patienten auf Normalstationen 1.300, wird erneut ein Lockdown angeordnet. Am Montag lag die Zahl bei 1.179 und somit bei etwa 72,1 Prozent Auslastung. Kernpunkt ist die Gewährleistung der medizinischen Leistungsfähigkeit.

Auch in dieser Bewertung werden regionale Unterschiede in den drei Krankenhaus-Clustern deutlich. Während sich die Situation in der Region Leipzig mit 54,6 Prozent Auslastung vergleichsweise moderat darstellt, ist sie in Dresden (70,1 %) höher und in Chemnitz (79,6 %) am höchsten. Erwartungsgemäß hat die Klinik in Chemnitz vorige Woche als erste in Sachsen auf Notbetrieb umgestellt.

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Pflegepersonal dort wird die aktuelle Corona-Lage also ganz anders beurteilen als Klinik-Beschäftigte in Freital, Pirna oder Sebnitz. Warum es innerhalb Sachsens zu solchen Unterschieden kommt, dazu fehlen noch die genauen wissenschaftlichen Erklärungen.

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