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Kranker Freitaler wartet weiter auf Impfung

Das Pirnaer Impfzentrum ist zwar aktuell nicht mehr voll ausgelastet. An den Beschäftigten dort liegt das aber nicht.

Ulf Buchholz aus Freital versucht, so schnell wie möglich zu einer Corona-Schutz-Impfung zu kommen.
Ulf Buchholz aus Freital versucht, so schnell wie möglich zu einer Corona-Schutz-Impfung zu kommen. © Daniel Schäfer

Ulf Buchholz gibt nicht auf. "Ich wurde ziemlich rabiat am Impfzentrum in Pirna vertrieben. Deshalb habe ich danach in Dresden demonstriert", sagte der Freitaler. Er hat Vorerkrankungen und gehört inzwischen zur Gruppe der zweithöchsten Impfpriorität. Zwar hatte der 63-Jährige schon mal einen Termin für eine Corona-Schutz-Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca. Doch der wurde ihm Mitte März storniert. Das war genau in der Zeit, als kurzzeitig Impfungen mit AstraZeneca ausgesetzt wurden.

Nach Monaten des Verkriechens in den eigenen vier Wänden will er aber nicht länger warten und fordert offensiv eine Impfung ein. "Ich bin krebskrank und habe ein Nierenleiden, da kann ich den Coronavirus nicht auf die leichte Schulter nehmen", sagte er.

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Vorwürfe gegen Sicherheitsdienst

An zwei Tagen stand er vor dem Impfzentrum in Pirna-Jessen und hatte gehofft, dass er eine Impfdosis bekommen könnte, die am Ende des Tages nicht gebraucht wurde, weil jemand einen Termin nicht wahrgenommen hat. Abends sei er stattdessen von einem Sicherheitsdienst getreten worden, damit er verschwindet. Angezeigt hat er das nicht. "Das ist doch aussichtslos, wenn ich keine Zeugen habe", sagte er.

Das Impfzentrum wird vom DRK betrieben. Die Pressestelle erklärte zwar, dass man versuche, die mutmaßliche Misshandlung aufzuklären. Erkenntnisse habe man dazu aber bislang keine.

Der Freitaler war mit seinem Schild danach vors Sozialministerium in Dresden gezogen. "Da kam zwar gleich jemand raus und hat mir die Telefonnummer der Bürgerbeauftragten gegeben. Dadurch bekomme ich aber auch keinen Impftermin", sagte Buchholz.

Das DRK erklärte, dass inzwischen alle einen Ersatztermin bekommen haben sollten, deren Termin in der AstraZeneca-Pause storniert wurden. Buchholz will den Impfstoff aber gar nicht mehr. "Mein Arzt hat mir ein erhöhtes Thrombose-Risiko attestiert und mir von dem Impfstoff abgeraten", sagte Buchholz.

Der Ruf des Impfstoffs ist nachhaltig geschädigt. Schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der zugesagten Termine mit diesem Impfstoff werden nicht wahrgenommen. Das merkt man auch im Impfzentrum in Pirna. Allerdings zu spät, um schnell jemanden anderes zu dem Termin einzuschieben. Zu einem späteren Zeitpunkt würde das den geregelten Ablauf wieder stören. Fachärzte der Helios-Kliniken halten AstraZeneca aber für genauso wirksam wie alle Corona-Impfstoffe.

DRK bittet um rechtzeitige Information

Das DRK bittet deshalb alle, die einen Termin doch nicht wahrnehmen wollen oder können, aus welchem Grund auch immer, möglichst frühzeitig abzusagen. "Nur dann haben wir die Möglichkeit, den Termin noch mal an jemanden zu vergeben, der auf eine Impfung wartet", sagt Kai Kranich, Sprecher des DRK Sachsen.

Wegen verfallener Termine ist das Impfzentrum in Pirna auch nicht voll ausgelastet. Inklusive der beiden mobilen Teams konnten zuletzt bis zu 1.200 Impfungen täglich realisiert werden. Das wird derzeit nicht annähernd erreicht. Anders als beim Impfstoff von Biontech/Pfizer kann AstraZeneca wieder zurück in den Kühlschrank wandern und geht nicht verloren. Biontech würden zwar mehr Menschen bevorzugen. Die Liefermengen reichen aber nicht aus, um die Anzahl der Impfungen mit dem Impfstoff zu erhöhen.

Freie Impftermine jetzt online sichtbar

Geht das Impfen im aktuellen Tempo weiter, dauert es noch bis Ende September, bis etwa 70 Prozent der Bundesbürger geimpft sind und die sogenannte Herdenimmunität eingetreten ist. Im Impfzentrum in Pirna haben mit Stand vom 29. März bisher 20.051 Personen eine Erstimpfung erhalten, 13.728 die nötige zweite.

Ob all diejenigen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wohnen, wird nicht erfasst. Jeder kann frei ein Impfzentrum in Sachsen wählen. So kamen auch Dresdner nach Pirna. Bewohner aus dem Landkreis konnten sich andererseits auch in Impfzentren etwa in Dresden anmelden. Das erfolgt online über das Impfportal oder über die Telefonnummer 0800 0899089.

Das Impfportal wurde inzwischen mit einer Funktion erweitert, die anzeigt, ob und wo es in den nächsten zwei Wochen gerade freie Impftermine gibt. Am Montagnachmittag war für den 1. April je einer in Pirna und einer in Riesa verfügbar. Welchen Impfstoff es an dem Termin gibt, wird auf dieser Seite aber nicht angezeigt.

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Ulf Buchholz kann die Jagd nach einem Termin erst mal ad acta legen. Er erhielt einen für den 7. April in Pirna. "Allerdings wurde bei mir offen gelassen, welchen Impfstoff ich bekommen soll", sagt Buchholz. Etwas Angst, noch mal auf den rabiaten Sicherheitsdienst zu treffen, hat er auch.

Nun hofft er, dass wenigstens das Begleitschreiben von seinem Arzt abgefragt wird und er Biontech erhält. Bei einem anderen Impfstoff ist er noch unsicher.

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