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Kreis Bautzen: Ärger um kostenlose Masken

Seit Dienstag sollen Corona-Risikopatienten in Apotheken FFP2-Masken bekommen - ohne Bezahlung. Doch dabei läuft einiges schief.

Karsten Drobny von der Stadt-Apotheke Kamenz hatte am Dienstag nur einen kleinen Vorrat an FFP2-Masken da. Er hofft auf eine baldige Lieferung.
Karsten Drobny von der Stadt-Apotheke Kamenz hatte am Dienstag nur einen kleinen Vorrat an FFP2-Masken da. Er hofft auf eine baldige Lieferung. © Matthias Schumann

Bautzen. Der Bautzener Jochen Aust war am Montagmorgen richtig sauer. Früh um 8 Uhr wollte sich der 81-Jährige mit drei kostenlosen FFP2-Masken versorgen. Doch in der Scarabaeus Apotheke im Bautzener Ärztehaus wurde ihm gesagt: Es gibt keine. „Ich fahre extra in die Stadt und will mir diese Masken für mich und meine Frau holen, da wir zur sogenannten Risikogruppe gehören. Da gehe ich davon aus, dass sie auch vorrätig sind. Es wurde auch so kommuniziert.“

Eigentlich sollten Menschen über 60 Jahren und Personen mit chronischen Erkrankungen ab Dienstag drei FFP2-Masken kostenfrei in den Apotheken erhalten. So hatte es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor einer Woche angekündigt. „Die Masken sollen zum Schutz vor einer Corona-Infektion auch über die Weihnachtstage dienen“, sagte Spahn.

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Apotheken hätten mehr Zeit für Bestellung benötigt

Doch viele Apotheken im Landkreis Bautzen haben die speziellen Schutzmasken nicht vorrätig, mussten nach Spahns Ankündigung erst neue bestellen – so auch die Scarabaeus Apotheke Bautzen. „Dass wir Apotheken die Masken verteilen sollen, haben wir erst aus den Medien erfahren“, sagt Apothekerin Uta Mischauk.

Auch Kollege Johannes Rainer Klotsche von der Stadt-Apotheke Bischofswerda ist verärgert. „Ständig kommen Kunden, die nach den Masken fragen. Ich halte es für sehr unvernünftig, dass Risiko-Patienten drei Masken abholen sollen. Diese Menschen sollen lieber zu Hause bleiben“, sagt er. Er hätte sich mehr Vorlaufzeit gewünscht. Neue FFP2-Maske erwartet er erst Ende der Woche.

Karsten Drobny von der Stadt-Apotheke Kamenz hätte sich ebenfalls mehr Zeit gewünscht: „Ich hätte gern am Dienstag Masken verteilt, aber ich kann sie mir ja nicht aus dem Leib schneiden.“ Zwar habe man in der Apotheke noch 20 bis 30 Masken, die aber für den Verkauf bestimmt sind. „Es würde nichts bringen, diese jetzt zu verteilen. Da kommen sieben bis acht Kunden, und die Dinger sind weg. Außerdem müsse er auch noch Masken für andere Kunden vorhalten. „Zum Beispiel für einen Pflegedienst. Dieser braucht sie genauso dringend.“

Apotheker müssen in Vorkasse gehen

Doch warum haben viele Apotheken keinen Vorrat? Wurden die FFP2-Masken zu spät bestellt? „Nein“, sagt Solveig Wolf von der Sächsischen Landesapothekenkammer am Dienstag. „Die Apotheken wurden bis heute noch nicht einmal offiziell informiert, dass sie die Masken verteilen sollen. Erst am Nachmittag wurde die Verordnung im Bundesanzeiger rückwirkend auf heute morgen, 0 Uhr, zurückdatiert. Erst damit sind die Apotheken gesetzlich abgesichert.“

Viele Apotheken hätte nach der Ankündigung des Gesundheitsministers dennoch schon vorsorglich FFP2-Masken bestellt. „Doch wenn deutschlandweit jetzt Apotheken FFP2-Masken ordern, kommen die Lieferanten gar nicht so schnell hinterher“, gibt die Bautzener Apothekerin Uta Mischauk zu Bedenken. Das Problem liege also bei der Logistik.

Ohnehin würden die Apotheken ein finanzielles Risiko eingehen. „Sie bezahlen die Masken in Vorkasse und bekommen dann das Geld aus dem Nacht- und Notdienstfond des Deutschen Apothekerverbandes zurückgezahlt“, erklärt Solveig Wolf. Reichlich 491 Millionen Euro stellt das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) hierfür bereit. Das Geld werde dann bundesweit auf die rund 20.000 Apotheken verteilt, gemessen daran, wie viele verschreibungspflichtige Medikamente sie im dritten Quartal an Patienten ausgegeben haben: So bekommen große Apotheken mehr Geld, kleinere weniger.

Landesapothekenkammer appelliert an Bürger

Apotheken kaufen also auf eigene Rechnung Masken ein, bekommen dafür aber nur eine Pauschalsumme. Jeder Apotheker müsse sehen, ob er am Ende draufzahle, sagt Cordula Grüber. Die Inhaberin der Sonnen-Apotheke in Bischofswerda war eine der wenigen, die am Dienstag kostenlos FFP2-Masken verteilen konnte. „Ich hatte viele da und habe jetzt auch noch einmal nachbestellt.“ An über 330 Kunde habe die Apotheke bis in den Nachmittag die speziellen Schutzmasken ausgegeben. Dafür wurde sogar extra ein Türsteher engagiert, der auf die Anzahl der Personen innerhalb der Apotheke achtet. „Das ist ein großer Mehraufwand“, sagt Cordula Grüber.

Das sieht auch Thomas Lappe von der Elefanten-Apotheke so. In seinen Fialen in Großröhrsdorf und Radeberg wurden am Dienstag ebenfalls FFP2-Masken ausgegeben. „Wir haben uns frühzeitig gekümmert. Das befürchtete Chaos ist zum Glück nicht eingetreten.“

Um die Apotheken etwas zu entlasten, appelliert die Sächsische Landesapothekenkammer an die Bürger. „Aus Gründen des Infektionsschutzes muss man nicht am ersten Tag in die Apotheken zu strömen, vielleicht auch nicht am zweiten oder dritten“, sagt Solveig Wolf. „Wenn man kurz vor Weihnachten geht, reicht es auch noch zu. Jeder, der Anspruch auf eine Maske hat, wird auch eine bekommen. Doch auch die Apotheken brauchen Zeit, diese zu besorgen.“

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