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Kreis Bautzen: Corona drückt Krankenstand

In der ersten Jahreshälfte waren weniger Menschen krankgeschrieben als 2019. Fachleute sehen dafür vor allem einen Grund.

Im ersten Halbjahr 2020 ließen sich im Kreis Bautzen weniger Menschen krankschreiben als im Vorjahr.
Im ersten Halbjahr 2020 ließen sich im Kreis Bautzen weniger Menschen krankschreiben als im Vorjahr. © Symbolfoto Christin Klose/dpa-tmn

Bautzen. Ein leichtes Kratzen im Hals und in der Lunge kitzelt es. Ist das nur ein kleiner Husten oder vielleicht doch Corona? Sollte ich wirklich zur Arbeit gehen? – Fragen, die sich in den vergangenen Monaten sicher der ein oder andere gestellt hat. Dennoch: Der Krankenstand im Kreis Bautzen hat im ersten Halbjahr dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr nicht zu-, sondern abgenommen. Das zeigt der neue DAK-Gesundheitsreport. 

Die Krankenkasse DAK-Gesundheit betreut im Kreis Bautzen rund 35.000 Versicherte. In ihrem jährlichen Gesundheitsreport wertet sie die Krankenscheine ihrer Versicherten aus.

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Wie hoch ist im Landkreis Bautzen der Krankenstand ?

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist der Krankenstand im Kreis Bautzen trotz der Corona-Pandemie leicht gesunken. Während er im ersten Halbjahr 2019 bei 5,3 Prozent lag, betrug er im ersten Halbjahr 2020 nur 5,2 Prozent. Das bedeutet übersetzt: Von den DAK-Versicherten im Kreis Bautzen waren damit an jedem Tag des ersten Halbjahres von 1.000 Arbeitnehmern 52 krankgeschrieben. Im Vorjahr waren es 53.

Welche Schlüsse zieht die DAK daraus?

Andreas Motzko, Chef der Bautzener DAK-Niederlassung, sagt dazu: „Ich kenne das von mir persönlich: Im Zweifel habe ich lieber abgewartet und geguckt, ob es nicht doch irgendwie geht.“ Viele Leute, vermutet er, wollten sich lieber nicht ins volle Arzt-Wartezimmer setzen, aus Sorge, sich dort anzustecken. Ein Grund, weshalb es weniger Krankschreibungen gegeben haben könnte.

Um das Risiko, sich in der Arztpraxis anzustecken, zu minimieren, gab es in diesem Jahr jedoch eine Sonderregelung: Von März bis Ende Mai konnten sich Patienten mit leichten Erkältungssymptomen telefonisch krankschreiben lassen. Aus dem Ergebnis des Gesundheitsreports lasse sich also auch deuten, dass dieser einfache Weg zur Krankschreibung nicht ausgenutzt wurde.

Mit welchen Beschwerden gingen die Menschen zum Arzt?

Der Grund, weswegen sich die meisten im Landkreis Bautzen im ersten Halbjahr 2020 krankschreiben ließen, waren Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Dazu gehören zum Beispiel Rückenschmerzen, Bandscheibenschäden oder Knieprobleme. Auf je 100 Versicherte kamen deshalb 223 Fehltage. Im Vorjahr waren es im selben Zeitraum etwas weniger.

Am zweithäufigsten ging es um Erkrankungen des Atemsystems. Dazu zählen Erkältungen, Bronchitis oder Mandelentzündungen. Corona-Infektionen zählen aus statistischen Gründen nur in Ausnahmen dazu: Wer sich mit dem Virus infiziert hatte, bekam in der Regel einen Quarantäne-Schein. Ausgewertet wurden aber nur Krankenscheine, erklärt Andreas Motzko.

Interessant ist aber: Nicht nur der Krankenstand an sich war im ersten Halbjahr 2020 niedriger als im Vorjahr. Es ließen sich auch weniger Menschen mit Erkältungen und Co krankschreiben. Während die Fehltage je 100 Versicherte in der ersten Jahreshälfte 2019 bei 191 lagen, waren es in diesem Jahr nur 178 Fehltage. Zum Vergleich: Im Grippejahr 2018 lag die Zahl bei 225 Fehltagen je 100 Versicherte.

Am dritthäufigsten ließen sich die Bewohner des Kreises Bautzen mit Verletzungen krankschreiben, also zum Beispiel mit Verstauchungen, Verrenkungen, Schnittwunden oder nach Arbeits- oder Haushaltsunfällen. Am vierthäufigsten ging es um psychische Erkrankungen wie Depressionen, Neurosen oder Angststörungen. Auch hier gab es je 100 Versicherte etwas weniger Fehltage als im Vorjahr. An fünfter Stelle stehen Infektionen wie Magen-Darm-Grippe, an sechster Stelle folgen Neubildungen – also gute oder bösartige Tumore.

Wie krank ist der Kreis Bautzen im sachsenweiten Vergleich?

Im aktuellen DAK-Gesundheitsreport sind nicht nur die Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2020 ausgewertet worden, sondern auch die des gesamten Jahres 2019. Dabei wird deutlich: Im Landkreis Bautzen gibt es einen überdurchschnittlich hohen Krankenstand. Mit 5,2 Prozent für das gesamte Jahr 2019 liegt der Landkreis in der DAK-Auswertung auf Platz zwei aller sächsischen Landkreise und kreisfreien Städte – davor liegt nur Chemnitz mit 5,3 Prozent. Der Durchschnitt im Freistaat liegt bei einem Krankenstand von 4,5 Prozent. Weniger krank sind die Menschen in den Städten Dresden und Leipzig, wo der Krankenstand 4,0 beziehungsweise 4,2 Prozent beträgt.

Auch hier hat Andreas Motzko eine Erklärung: Er nennt zum einen den hohen Altersdurchschnitt der Bevölkerung im ländlichen Raum und zum anderen einen Mangel an Ärzten. Insbesondere Leute ab 50 leiden häufiger an Rückenproblemen, berichtet Motzko. Generell sei der Krankenstand bei der älteren Bevölkerung höher. Das zeichne sich auch in anderen Regionen ab. Und wegen des Ärztemangels müssten Patienten immer häufiger lange auf einen Termin warten oder sich in der ferneren Stadt einen Arzt suchen. In dieser Zeit seien sie oft krankgeschrieben – das wirke sich auch auf den Krankenstand aus. 

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