merken
PLUS Bautzen

Mehr Wurst, weniger Bier: Wie Corona die Ernährung verändert

Sachsenmilch meldet Absatzrekorde. Meisters verkauft jetzt viel übers Internet. Bei anderen Lebensmittelfirmen im Kreis Bautzen gibt es Kurzarbeit.

Der Wurst- und Fleischwarenhersteller Meisters in Bautzen verkauft seit Corona so viel im Internet wie nie zuvor.
Der Wurst- und Fleischwarenhersteller Meisters in Bautzen verkauft seit Corona so viel im Internet wie nie zuvor. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Corona ändert auch das Kaufverhalten. Wer sonst ins Büro gegangen ist, hat sich zum Mittagessen in die Kantine gesetzt oder etwas vom Imbiss geholt. Jetzt arbeiten mehr Menschen zu Hause und entscheiden sich entweder für schnelle Fertiggerichte oder für etwas selbst Gekochtes. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung GfK ist allein der Umsatz bei Fertigsuppen im vergangenen Jahr um 112 Prozent gegenüber 2019 gestiegen. Bei Nudeln und Nudelgerichten stieg er um 73 Prozent.

Diese Veränderungen spüren auch die Hersteller von Lebensmitteln im Landkreis Bautzen. So werden zu Hause beispielsweise mehr Milchprodukte gegessen und getrunken als auf Arbeit, stellt Sachsenmilch in Leppersdorf fest. Das Unternehmen spricht von einer "insgesamt gestiegenen Auftragsmenge, die wir erfolgreich bedienen konnten". Dazu arbeiten die Mitarbeiter "nun schon über einen langen Zeitraum hinweg" mehr. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, will Sachsenmilch in diesem Jahr weitere Mitarbeiter einstellen und den Bereich Frischeprodukte erweitern, kündigt Sprecherin Carolin Linseis an.

Anzeige
Frische & Geschmack der Region genießen
Frische & Geschmack der Region genießen

Mit den Marktschwärmern und Gruners Eis & Café kommt man ganz unkompliziert an regionale Leckereien.

Meisters verkauft mehr Wurst im Internet

Die Heinrichsthaler Milchwerke in Radeberg beobachten "seit einigen Monaten einen stärkeren Absatz im klassischen Lebensmitteleinzelhandel", berichtet Geschäftsführer Uwe Lammeck. Es wird halt mehr Butter und Käse zu Hause verspeist. Dagegen bestellen Gastronomen und Hoteliers jetzt deutlich weniger. Das spürt auch Heinrichsthaler: "Im Großverbraucherbereich ist der Absatz zurückgegangen."

Der Wurst- und Fleischwarenhersteller Meisters in Bautzen verzeichnete allein im Dezember 2020 ein Umsatzplus von 40 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat - es aßen mehr Menschen als in den Jahren zuvor ihre Wiener Würstchen und Lachsschinken zu Hause statt auf Reisen. "Haupttreiber" sei das Geschäft über den Onlinehändler Amazon, so Geschäftsführer Karlheinz Schlenkrich. Für diesen Vertriebskanal entwickelt Meisters jetzt weitere Plattformen.

Lebkuchenfabrik bleibt auf Pfefferkuchenfiguren sitzen

Die Pulsnitzer Lebkuchenfabrik produziert sonst in diesen Monaten vor allem Figuren für Volksfeste und Märkte. "Aber es macht keinen Sinn, dieses Sortiment momentan herzustellen", sagt Geschäftsführerin Ines Frenzel. Deshalb wurde hier erst einmal eine Pause eingelegt. Sobald wieder Feste und Märkte stattfinden, sollen erst einmal die 2020 produzierten, 24 Monate haltbaren Lebkuchenfiguren verkauft werden. "Diese Lebkuchen werden in Handarbeit aufwendig mit Zuckerguss verziert", berichtet Ines Frenzel.

"Durch den Wegfall so ziemlich aller Feste konnte im letzten Jahr nur ein Teil dieser bereits hergestellten Lebkuchen bei uns im Werksverkauf und im Internet verkauft werden." Trotz aller Probleme ist die Lebkuchenfabrik bisher ohne Kurzarbeit oder Corona-Hilfen durch diese schwierige Zeit gekommen, erklärt die Geschäftsführerin.

Ausgefallende Feste betreffen auch die Radeberger Exportbierbrauerei. Sie füllt seit vergangenem Jahr zwar mehr Gerstensaft in Flaschen ab, berichtet Sprecherin Jana Kreuziger, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Die Steigerung beim Geschäft mit Flaschenbier konnten jedoch die "massiven Verluste beim nahezu gänzlich zum Erliegen gekommenen Fassbierabsatzes nicht ausgleichen. Und mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen der Pandemie ist anzunehmen, dass sich an dieser Situation auch zeitnah nichts ändern wird." Trotzdem habe Radeberger die Zahl der Mitarbeiter konstant halten können - auch wenn in einigen Bereichen Kurzarbeit nicht zu vermeiden sei.

Kleine Bautzener Brauerei entwickelt zwei neue Sorten

Seit Corona hat auch Frenzel-Bräu im Bautzener Süden mit dem Wegfall des Fassbier-Absatzes zu kämpfen. Wie Chef Tobias Frenzel bedauert, fehlten Volksfeste, "welche für uns als kleine Brauerei wichtig sind, da wir hier mit unseren Kunden in direkten Kontakt treten können". Von der Pandemie will sich die kleine Brauerei jedoch nicht unterkriegen lassen - und kontert mit zwei neuen Sorten, die nach Rhabarber und Schokolade schmecken sollen. Beide entwickelt Frenzel-Bräu zusammen mit Partnern aus der Region.

"Sehr gut ausgelastet" ist hingegen das Jägermeister-Werk in Kamenz. Die Produktion laufe auf vollen Touren, erklärt ein Sprecher. Wie heißt doch ein geflügeltes Wort: Wer Sorgen hat, hat auch Likör.

Einfach mal bummeln und durch die wenigen geöffneten Geschäfte schlendern – das machen seit Corona nur noch wenige Bürger. Eine Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen zeigt, dass die Deutschen seltener in die Läden gehen. Dafür planen sie den Einkauf genauer, um für längere Zeit alles fürs tägliche Leben zu haben. Spontankäufe sind selten geworden. Außerdem gehen die Verbraucher häufig nur noch in einen Laden statt in mehrere.

Weiterführende Artikel

Fertiges Veggie-Hack ist oft zu salzig

Fertiges Veggie-Hack ist oft zu salzig

Öko-Test hat 20 Produkte geprüft und kein einziges „sehr gut“ vergeben. Der Geschmack war nicht das Problem.

Zander ohne schlechtes Gewissen

Zander ohne schlechtes Gewissen

Wissenschaftler forschen daran, wie sich der fett- und grätenarme Raubfisch züchten lässt – auch in der Region.

Ingwershots: Immunbooster oder Zuckerbomben?

Ingwershots: Immunbooster oder Zuckerbomben?

Die teuren Fertiggetränke sollen die Abwehrkräfte stärken. Doch die Zutatenliste gibt oft Anlass zur Skepsis.

Meißen: Große Sorgen um die Brauereien

Meißen: Große Sorgen um die Brauereien

Die Privatbrauerei Meissner Schwerter beteiligt sich an einer Aktion von 300 Bier-Brauern. Vielen droht wegen der Gastronomie-Schließungen die Insolvenz.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen