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Kreis Bautzen: Corona-Anstieg Ende März?

Mutanten, Massentests, Pandemie-Müdigkeit: Im Interview mit Sächsische.de sagt Amtsärztin Jana Gärtner, warum es für Entwarnung noch zu früh ist.

Amtsärztin Dr. Jana Gärtner rechnet damit, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis Bautzen vorerst weiter steigen wird.
Amtsärztin Dr. Jana Gärtner rechnet damit, dass die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis Bautzen vorerst weiter steigen wird. © Archivfoto: Steffen Unger

Bautzen. Mitte Februar hatte sich im Landkreis Bautzen die 7-Tage-Inzidenz bei etwa 80 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner eingepegelt. Seit dem vergangenen Wochenende steigt dieser Wert wieder leicht an - und Amtsärztin Dr. Jana Gärtner vermutet, dass sich dies fortsetzen wird.

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Im Interview mit Sächsische.de sagt sie, was es mit den Corona-Mutanten im Kreis auf sich hat, wieso es erneut einen Massentest im Landkreis Bautzen gibt und wie es derzeit in Kitas, Schulen und Pflegeheimen aussieht.

Frau Dr. Gärtner, wie bewerten Sie die Corona-Lage derzeit im Landkreis Bautzen?

Wir freuen uns über die gesunkenen Fallzahlen, wenngleich wir sagen: Weniger Infizierte würden uns noch mehr freuen. Es ist eine Pendelbewegung festzustellen, die noch keine stabile Lage beschreibt. Derzeit bereiten wir uns gedanklich auf einen erneuten Anstieg der Zahlen in der zweiten Hälfte des Monats März vor.

Wie gehen Sie damit um?

Wir halten an den kostenlosen Schnelltest-Angeboten fest, auch als Frühwarnsystem für einen befürchteten Wiederanstieg. Zudem testen wir wieder vermehrt symptomlose Kontaktpersonen, da wir durch die geringeren Fallzahlen dafür die Kapazitäten haben. Die Personalkapazitäten werden auf einem stabilen Niveau gehalten. Bereits zurückgeführtes Personal kann rasch wieder aktiviert werden.

Sieben Fälle der britischen Virusmutation bestätigt

Die 7-Tage-Inzidenz hatte sich seit Mitte Februar bei etwa 80 eingepegelt. Wieso steigt sie jetzt wieder leicht an?

Wir erwarten, dass die Zahlen zunächst auf diesem Niveau bleiben, einzelne Ausschläge aufgrund des Wochenrhythmus ausgenommen. Entscheidend wird die Lage Ende März - und die Frage, welche Rolle die Virusmutationen spielen.

Die Polizei berichtet täglich über Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnung. Sind die Menschen im Landkreis unvorsichtiger im Umgang mit dem Coronavirus geworden?

Wir sind jetzt seit etwa einem Jahr mehr oder weniger im Pandemie-Modus. Das führt natürlich zu einer gewissen Pandemie-Müdigkeit. Das ist nachvollziehbar, vor allem bei weiter frühlingshaftem Wetter. Umso wichtiger ist es, dass wir die weiteren Instrumente schärfen, die uns zur Verfügung stehen: Schnelltests, Impfungen und für die Virusmutationen angemessene Regeln bei der Quarantäne-Dauer. Die Kontrollen zeigen auch, dass sich viele Bürger an die Regeln halten.

Welchen Einfluss haben Mutanten im Landkreis Bautzen?

Aktuell bestehen 54 Verdachtsfälle auf Virusmutationen. Darunter sind aktuell elf Kinder und vier Mitarbeiter einer Kita in Ullersdorf bei Radeberg. Das Gesundheitsamt hat in Folge umfangreiche Testungen in der Kita durchgeführt. Einige Befunde stehen zum aktuellen Zeitpunkt noch aus. Um den Verdacht zu bestätigen oder zu widerlegen, muss eine Genomsequenzierung vorgenommen werden. In Sachsen sind gegenwärtig die entsprechenden Labor-Kapazitäten ausgelastet. Daher gelangen derzeit nur maximal zehn Prozent der Proben zur Genomsequenzierung. Mittlerweile sind aber bereits in sieben Fällen Mutanten bestätigt. Weil es auch in Radeberg und Umgebung Verdachtsfälle gibt, werden wir dort am Dienstag einen Corona-Massentest anbieten.

Pflegeheime aktuell kaum betroffen

Seit dem 15. Februar sind Kitas wieder geöffnet. Wie ist dort die Lage?

In den Kitas gab es bislang nur einzelne Fälle, allerdings trat in der Kita in Ullersdorf zuletzt eine Häufung von Infektionsfällen auf. Insgesamt hatten wir mit Stand 26. Februar 17 festgestellte Infektionen bei Kita-Personal und 17 Infektionen bei Kita-Kindern in insgesamt sechs Einrichtungen. Als Kontaktpersonen dieser Fälle befinden sich 185 Kinder und 27 Erzieher in Quarantäne. Ebenfalls von Infektionen betroffen ist eine Tagesgruppe mit vier Erziehern und fünf Kindern, in diesem Fall sind weitere 14 Kinder und fünf Erzieher in Quarantäne.

Auch die Grundschulen sind offen. Wie sieht es dort aus?

Die Lage in den Grundschulen ist stabil. In einer wurden zwei Infektionen bei Kindern festgestellt, deshalb sind dort zwölf Schüler und eine Lehrerin in Quarantäne. In dem angegliederten Hort sind ein Erwachsener und ein Kind positiv getestet worden, weshalb sich dort 19 Kinder und eine Erzieherin in Quarantäne befinden. In Oberschulen, Gymnasien, Förderschulen und Berufsschulzentren gab es seit dem 15. Februar keine relevanten Fälle.

In Pflegeheimen war die Lage Ende 2020 besonders ernst. Mittlerweile wurden dort Mitarbeiter und Bewohner geimpft, mit spürbaren Effekten?

Viele der Heime haben bereits einen Ausbruch hinter sich. Die Impfungen kommen daher in der richtigen Zeit. Derzeit sind kaum Heime betroffen.

Es vergeht nach wie vor kein Tag ohne Neuinfektionen. Gibt es da auffällige Häufungen?

Nein, das Bild ist weiter diffus.

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