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Bautzen: Gesundheitsamt "entlässt" Helfer

Wegen Corona hatte die Landkreisbehörde zeitweise sechsmal so viele Mitarbeiter wie üblich. Jetzt zieht langsam wieder Normalität ein. Was das bedeutet.

Seit November helfen Soldaten der Bundeswehr im Bautzener Gesundheitsamt vor allem bei der Nachverfolgung von Kontaktenpersonen Corona-Infizierter.
Seit November helfen Soldaten der Bundeswehr im Bautzener Gesundheitsamt vor allem bei der Nachverfolgung von Kontaktenpersonen Corona-Infizierter. © Archivfoto: Steffen Unger

Bautzen. "Wir konzentrieren derzeit alle Kraft auf das Gesundheitsamt." Es ist 100 Tage her, dass der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) diese Marschrichtung ausgab. Da lag eine Pressekonferenz mit alarmierenden Zahlen gerade hinter ihm. Binnen eines Monats hatten sich die Corona-Zahlen im Landkreis verzehnfacht. Das Gesundheitsamt des Kreises kam mit Tests und der Nachverfolgung von Kontakten Infizierter nicht mehr nach.

Zu diesem Zeitpunkt waren schon fast 150 Angestellte des Landratsamtes nur noch mit Corona beschäftigt. Normalerweise arbeiten etwa 60 Frauen und Männer im Gesundheitsamt. Aber weil auch die fast 90 zusätzlichen Kräfte immer noch nicht ausreichten, halfen außerdem Mitarbeiter von Landesbehörden, wie dem Statistischen Landesamt Kamenz, sowie Studenten der Verwaltungshochschule Meißen. Schließlich bat das Landratsamt auch die Bundeswehr um Hilfe - so wie das beispielsweise auch der Nachbarkreis Görlitz tat. Die Armee kam schnell und unbürokratisch.

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In Corona-Spitzenzeiten arbeiteten etwa 370 Beschäftigte im Bautzener Gesundheitsamt. Vize-Landrat Udo Witschas erklärte seinerzeit: "Wir haben das Amt neu strukturiert und die rollende Woche im Schichtsystem eingeführt."

Bundeswehr bleibt noch einige Zeit im Amt

100 Tage später entspannt sich die Lage zusehends, und das wirkt sich auch im Gesundheitsamt aus. Mittlerweile arbeiten noch etwa 180 Frauen und Männer in dieser Behörde, informiert Kreissprecherin Sabine Rötschke auf Anfrage von Sächsische.de. Das sind zwar immer noch dreimal so viele wie normal, aber etwa nur noch halb so viele wie um den Jahreswechsel.

Von den zusätzlichen Helfern sind etwa 150 bereits wieder zu ihren eigentlichen Arbeitsplätzen zurückgekehrt - zunächst innerhalb des Landratsamtes, inzwischen auch zu den Landesbehörden wie dem Statistik-Amt. "Eine weitere Rückführung ist in Arbeit", sagt die Kreissprecherin. " Die Dauer des Einsatzes richtet sich nach der pandemischen Lage."

Im Abstrich-Team und in der Kontaktpersonen-Nachverfolgung sind noch 20 Bundeswehrangehörige tätig - 15 Soldaten und fünf Sanitäter. "Wie lange der Einsatz noch dauern wird, ist noch nicht konkret absehbar, darüber wird noch entschieden", erklärt Sabine Rötschke. Auch das hänge von der weiteren Entwicklung der Lage ab.

Einer Bundeswehr-Sprecherin zufolge sollen voraussichtlich zehn Soldaten auch nach dem 26. Februar im Gesundheitsamt des Landkreises bleiben. Sie sollen weiter bei der Kontaktverfolgung eingesetzt werden. Einige wenige Sanitätskräfte sollen weiter bei Corona-Tests helfen.

Probleme durch verschwiegene Kontaktpersonen

Die Nachverfolgung von Kontakten funktioniere jetzt wieder sehr zeitnah, erklärt Sabine Rötschke. Überhaupt habe das Amt immer die Kontakte Infizierter ermitteln können - wenn auch zeitweise nicht so schnell wie geplant. "Das Gesundheitsamt war aufgrund der regelmäßigen Zuführung von Personal jederzeit in der Lage, die Kontaktpersonen nachzuvollziehen. An nur wenigen Tagen im November/Dezember war aber die Dauer länger als vorgesehen."

Der Maßstab ist, mindestens 80 Prozent der Kontakte binnen 48 Stunden zu ermitteln und mit ihnen in Verbindung zu treten, damit sie über die mögliche Infektionsgefahr Bescheid wissen und entsprechend reagieren können. "Probleme entstanden bisweilen dadurch, dass Kontaktpersonen verschwiegen wurden und im November teils lange Wartezeiten für die Testergebnisse von einigen Laboren bestanden"", sagt die Kreissprecherin.

Das Bautzener Gesundheitsamt lässt seine Tests außer bei der Landesuntersuchungsanstalt in Dresden auch durch vertraglich gebundene Labore in Leipzig, Plauen und Cottbus auswerten. Andere Einrichtungen nutzen dafür auch das Medizinische Labor Ostsachsen, wo zeitweise jeden Tag mehr als 2.000 Abstrich-Proben möglicher Infizierter untersucht wurden.

Vorschuluntersuchungen finden wieder statt

Die jetzige Personalstärke im Gesundheitsamt bewertet Kreissprecherin Sabine Rötschke als ausreichend. "Sofern die Zahlen weiter sinken, werden wir vermehrt auch wieder die eigentlichen Aufgaben des Gesundheitsamtes wahrnehmen und die Corona-Struktur der Normal-Struktur anpassen."

Erste Schritte sind bereits gegangen, so gebe es inzwischen wieder Vorschuluntersuchungen, diese würden nach und nach ausgeweitet. "Nach und nach werden nun auch weitere Bereiche langsam wieder zum Normalbetrieb überführt", kündigt Sabine Rötschke an. Und Mitarbeiter, die wochenlang im Gesundheitsamt aushalfen, können jetzt den Berg an Unerledigtem abtragen, der sich in dieser Zeit auf ihren eigentlichen Schreibtischen aufgetürmt hat.

Eine konkrete Prognose, ab wann das Gesundheitsamt wieder so arbeiten kann wie ohne Corona, traut sich aber im Moment niemand zu. Denn alle bleiben vorsichtig: Das Personal werde so abgebaut, "dass es im Bedarfsfall wieder schnell verfügbar ist und wir bei einem Anstieg der Infektionen wieder umgehend handlungsfähig sind". Ein Szenario, das sich niemand wünscht.

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