merken
PLUS Bautzen

Bautzen: Was die aktuellen Corona-Zahlen bedeuten

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt im Landkreis Bautzen schneller als vor einem Jahr. Doch laut Landratsamt sind andere Faktoren entscheidend.

Wesentlich für die Corona-Maßnahmen im Kreis Bautzen sei die Lage in den Kliniken und nicht die Inzidenz, erklärte das Landratsamt.
Wesentlich für die Corona-Maßnahmen im Kreis Bautzen sei die Lage in den Kliniken und nicht die Inzidenz, erklärte das Landratsamt. © Archivbild/SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wie ist die Corona-Lage im Landkreis Bautzen? Eine einfache Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt. Zwar meldet das Landratsamt jeden Tag die aktuellen Fallzahlen, und die liegen höher als vor einem Jahr. Doch das allein sagt noch nicht all zu viel aus. Denn viele Menschen sind mittlerweile gegen Covid-19 geimpft.

Auch die Politik hat deshalb einen Paradigmenwechsel vollzogen: Mögliche Schutzmaßnahmen orientieren sich vor allem an der Lage in den Krankenhäusern. Andererseits ist in Sachsen die Impfquote geringer als in anderen Regionen Deutschlands, und in der Oberlausitz ist sie besonders niedrig.

Anzeige
Moderner Wohnen? Wann, wenn nicht jetzt!
Moderner Wohnen? Wann, wenn nicht jetzt!

Neue Fassade, Dach, Bad oder eine Solaranlage? Die Kreissparkasse Bautzen bietet finanzielle Lösungen - auch für altersgerechtes Wohnen.

Was also bedeuten die aktuellen Zahlen? Ein Überblick über die Lage im Landkreis.

Wie entwickelt sich die Sieben-Tage-Inzidenz?

Seit Ende August ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Bautzen erst langsam, dann rascher gestiegen. An diesem Dienstag lag sie laut Robert-Koch-Institut bei 97,3 - an den Tagen zuvor über 100. Damit sind die Fallzahlen deutlich höher als vor einem Jahr, eine Inzidenz über 100 wurde 2020 erst Ende Oktober erreicht. Zudem steigt die Zahl der Infizierten auch schneller als vor einem Jahr, bestätigt das Landratsamt.

Zugleich gibt es jedoch einen großen Unterschied: „Bislang hat dies keinen entsprechenden Anstieg bei den Klinik-Aufenthalten zur Folge. Im letzten Jahr haben wir sehr viele Erkrankungen bei Senioren, auch sehr oft in Pflegeheimen verzeichnet. Hier hat die Impfung zu Beginn des Jahres eine anhaltend positive Wirkung“, so die Behörde.

Kleinere Ausbrüche könnten rasch eingedämmt werden und Ansteckungen trotz Impfung seien eher selten und mit mildem Verlauf.

Welche Bevölkerungsgruppen sind infiziert?

Den typischen Corona-Patienten gibt es laut Landratsamt nicht. "Die Bandbreite reicht von asymptomatischen über milde bis zu schweren Verläufen.“ Auffällig ist jedoch, dass aktuell viele Fälle aus Kitas und Schulen gemeldet werden. In Ohorn wurde am Dienstag sogar eine gesamte Grundschule geschlossen. Seit Mitte vergangener Woche wurden dort 14 positive Testergebnisse gemeldet, darunter zwei bei Lehrkräften. Insgesamt sind Landkreis derzeit 161 Schüler und sechs Lehrer mit Corona infiziert.

Die Infektions-Epidemiologin Claudia Friedrichs leitet das Medizinische Labor Ostsachsen und untersucht dort vor allem Proben aus den Landkreisen Bautzen und Görlitz. Auch sie beobachtet, dass derzeit vor allem jüngere Altersgruppen betroffen sind. „Statistisch finden sich die meisten positiven Fälle in der Altersgruppe der Unter-20-Jährigen. Wenn man es dann noch mal aufschlüsselt, betreffen 37 Prozent der Fälle die Zehn- bis 19-Jährigen“, sagt sie im Interview mit Sächsische.de.

Wie ist die Corona-Lage in den Kliniken?

Von den aktuell 759 Infizierten werden laut Landratsamt 14 in einer Klinik behandelt, was als gering eingestuft werde. Dabei handele es sich überwiegend um ungeimpfte Personen. „Trotzdem werden in den Kliniken erste Vorsichtsmaßnahmen getroffen, sodass bei einem Anstieg der Fälle rasch reagiert werden kann“, fügt das Amt hinzu.

Am Bautzener Standort der Oberlausitz-Kliniken werden im Moment fünf Corona-Patienten behandelt, davon zwei auf einer Intensivstation (IST). Alle fünf seien ungeimpft sowie zwischen 56 und 81 Jahren alt, teilt die Klinik mit. Die zwei ITS-Patienten würden zwar Betten für zu operierende Patienten blockieren, es habe aber deshalb noch keine OP abgesagt werden müssen.

Das Malteser-Krankenhaus in Kamenz gab Ende vergangener Woche an, einen Corona-Patienten zu behandeln. Dieser liege auf der Intensivstation, ist geimpft und betagt. In der Asklepios-ASB Klinik Radeberg würden derzeit drei Corona-Patienten behandelt, keiner davon auf einer Intensivstation. Zum Alter oder Impfstatus macht die Klinik keine Angaben, teilt aber mit, dass die Belastung durch die Corona-Patienten im Moment eher gering und gut steuerbar sei. „Natürlich erfordern diese Patienten eine intensivere Betreuung, es ist jedoch nicht im Ansatz mit der Situation vergleichbar, der wir im November oder Dezember 2020 gegenüberstanden.“

Ähnlich ist die Lage im Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda. Laut Sprecher Gernot Schweitzer werden hier aktuell „zwei Patienten mit Covid-19 behandelt. Keiner davon auf der Intensivstation.“ Beide seien über 70 Jahre alt. Bei den seit Mitte August stationär behandelten Covid-Patienten sei etwa die Hälfte gegen Corona geimpft gewesen. Die Behandlungssituation könne als normal beschrieben werden.

Wie steht der Kreis Bautzen bei den Impfungen da?

Innerhalb Sachsens liegt der Landkreis Bautzen mit einer Quote von 44,9 Prozent der vollständig Geimpften auf dem vorletzten Platz. Nur der Erzgebirgskreis steht mit 43,1 Prozent noch etwas schlechter da. Um hier zumindest etwas aufzuholen, setzt der Kreis auch weiterhin auf mobile Impfteams. Das passiere in Abstimmung mit dem Deutsche Roten Kreuz. „Der Planungszeitraum geht dabei bis Ende des Jahres. Solange Nachfrage besteht, wird auch weiter geimpft.“ Im September seien demnach bei den Impfaktionen rund 2.700 und im Oktober bislang 630 Personen geimpft worden.

Weiterführende Artikel

Kreis Bautzen: Corona-Lage in den Kliniken verschärft sich

Kreis Bautzen: Corona-Lage in den Kliniken verschärft sich

Immer mehr Menschen müssen wegen einer Covid-19-Infektion stationär behandelt werden. Sind die Krankenhäuser im Landkreis deswegen bald überlastet?

Corona: So ist die Lage in den Krankenhäusern im Kreis Bautzen

Corona: So ist die Lage in den Krankenhäusern im Kreis Bautzen

Derzeit betreuen die Kliniken keine Corona-Patienten. Sie rechnen aber damit, dass sich das wieder ändert - und blicken dennoch recht zuversichtlich in den Herbst.

Kreis Bautzen: Corona-Patienten werden jünger

Kreis Bautzen: Corona-Patienten werden jünger

In den Kliniken im Landkreis steigt die Zahl der Covid-Erkrankten seit gut zwei Wochen an. Mediziner beobachten dabei vor allem zwei Veränderungen.

Der Beitrag wurde am 14. Oktober 2021, um 10.40 Uhr, korrigiert. Alle drei Corona-Patienten in der Radeberger Klinik werden nicht auf einer Intensivstation behandelt. In der früheren Version des Textes hieß es, dass alle drei Patienten auf einer Intensivstation liegen.

Mehr zum Thema Bautzen