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Kreis Bautzen: So ist die Lage in den Krankenhäusern

Die Zahl der Corona-Patienten in den Kliniken steigt wieder, die Intensivstationen sind ausgelastet. Das hat auch Folgen für andere Patienten.

In den Krankenhäusern im Landkreis Bautzen können wegen der Corona-Lage derzeit nicht alle planbaren Operationen stattfinden. Auf die Dauer wird das zum Problem.
In den Krankenhäusern im Landkreis Bautzen können wegen der Corona-Lage derzeit nicht alle planbaren Operationen stattfinden. Auf die Dauer wird das zum Problem. © Archivfoto: Steffen Unger

Bautzen. Für geplante Operationen müssen Patienten im Landkreis Bautzen zum Teil immer noch oder wieder mit längeren Wartezeiten rechnen. Das sei aufgrund der Corona-Lage nicht verwunderlich, sagt Reiner E. Rogowski, Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken mit Standorten in Bautzen und Bischofswerda.

„Die Krankenhäuser in weiten Teilen Sachsens und Mitteldeutschlands haben nie aufgehört, Operationen verschieben zu müssen. Die Zeit zwischen dem Ausklingen der zweiten und dem Beginn der dritten Welle war so kurz, dass man von einer Rückkehr zum Normalbetrieb, wenn überhaupt nur kurzzeitig reden kann.“

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Klinikchef: OP-Verschiebung ist keine Dauerlösung

In den Oberlausitz-Kliniken werden alle Operationen verschoben, die „medizinisch nicht unmittelbar - das heißt zeitlich noch nicht - notwendig“ sind, erklärt Reiner Rogowski. Das könnten etwa Hüft- oder Knie-Operationen sein. Das gehe aber nicht auf Dauer oder zum wiederholten Mal, denn die Beschwerden der Patienten würden ja nicht besser.

Dass Operationen nicht wie geplant stattfinden können, hängt mit der Zahl der Corona-Fälle zusammen. So waren am Dienstagmorgen im Bautzener Krankenhaus 33 Covid-19-Patienten in Behandlung, in Bischofswerda 19. „Davon sind neun Patienten in der Covid-Intensivstation am Krankenhaus Bautzen. Damit ist diese Station übervoll“, beschreibt der Geschäftsführer die Situation.

Für Patienten mit Risikofaktoren müssen auch die notwendigen Intensiv-Kapazitäten inklusive des Personals zur Verfügung stehen, argumentiert Reiner Rogowski. „Notfälle und nicht verschiebbare Operationen werden und wurden immer gut versorgt“, aber durch die Vorhaltung der Covid-Stationen sei die Belegungskapazität der Krankenhäuser per se eingeschränkt.

In Kamenz steigt die Zahl der Corona-Patienten

Im Malteser-Krankenhaus in Kamenz werden planbare größere Operationen noch durchgeführt, aber erst nach Prüfung der Kapazitäten auf der Intensivstation, teilt Geschäftsführer Sven Heise mit und fügt hinzu: „Die Zahl der Corona-Patienten steigt wieder an. Wir versuchen so lange es geht, noch OPs durchzuführen und auch dringliche internistische Fälle weiter zu behandeln.“

Das Kamenzer Krankenhaus sei voll einsatzfähig, allerdings „wird von Tag zu Tag im Einzelfall vom Ärzteteam entschieden, ob sich an diesem Status etwas ändern muss“, erklärt Sven Heise. Notfälle könnten aber jederzeit behandelt werden. Auffällig sei, dass manche Patienten nicht zu geplanten Krankenhausbehandlungen kommen und diese von sich aus verschieben, was bereits im Frühjahr 2020 zu beobachten gewesen sei.

In Kamenz sind derzeit knapp 20 Prozent der Betten mit Covid-Patienten belegt. Sechs der insgesamt 17 Patienten „werden zurzeit intensivmedizinisch betreut, alle müssen beatmet werden. Das bedeutet, dass unsere Intensivstation zu 100 Prozent ausgelastet ist“, erklärt Sven Heise.

In Radeberg wird planmäßig operiert

In der Asklepios-ASB Klinik Radeberg werden aktuell elf Corona-Patienten behandelt. Davon befinden sich zwei auf der Intensivstation, die vollständig ausgelastet sei, teilte eine Klinik-Sprecherin am Mittwochmorgen mit. Das sei allerdings eine Momentaufnahme und ändere sich oft schnell. „Bisher konnte dank vorausschauender Planung und der hervorragenden Zusammenarbeit mit der Krankenhaus-Leitstelle sowie dem Netzwerk Covid-19 Ostsachsen eine Überlastung der Klinik verhindert werden.“ Aktuell müssten noch keine Operationen verschoben werden.

Nach über einem Jahr habe „die Klinik Übung im Umgang mit der Ausnahmesituation, der sich die Mitarbeitenden im Zuge der Pandemie täglich stellen müssen“, fügt die Sprecherin hinzu. Das Personal sei gemäß den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts sowie durch Hygienefachleute geschult worden. Zudem bestehe weiterhin „ein Besuchsverbot in der Klinik, um die Ansteckungsgefahr so gering wie nur irgendwie möglich zu halten“.

Hoyerswerda verschiebt OPs um mehrere Wochen

Während in Radeberg also regulär operiert wird, muss das Lausitzer Seenland Klinikum in Hoyerswerda Operationen verschieben, teilt Sprecher Gernot Schweitzer mit. „In der Inneren Medizin haben wir planbare Eingriffe, die ohne Gefährdung des Patienten verschiebbar sind, um circa sechs bis acht Wochen verschoben.“

Gleiches gelte für die Fachbereiche wie etwa Orthopädie oder Dermatologie. Alle dringlichen Behandlungen wie Schrittmacher-Eingriffe oder Notfälle würden aber durchgeführt. Und sobald es die Intensivkapazitäten wieder zulassen, würden die verschobenen Operationen nachgeholt.

„Durch die Vorbereitung der zweiten Isolierstation und den bereits jetzt gut belegten Covid-Bereich der Intensivstation müssen wir im Bereich der anderen Fachrichtungen Betten reduzieren“, begründet der Sprecher. Diese zweite Isolierstation sei aufgrund der Entwicklung der Infektionszahlen nötig. Aktuell werden in Hoyerswerda 23 Covid-Patienten behandelt, davon neun auf der Intensivstation (Stand 21.04.2021).

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