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Kreis Bautzen: Corona-Fälle in sechs Pflegeheimen

Viele Heimbewohner brauchen jetzt eine Auffrischungsimpfung. So ist dabei der Stand im Landkreis.

Von David Berndt
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Die Booster-Impfungen gegen das Corona-Virus haben auch in Pflegeheimen im Landkreis Bautzen begonnen.
Die Booster-Impfungen gegen das Corona-Virus haben auch in Pflegeheimen im Landkreis Bautzen begonnen. ©  Symbolbild: dpa

Bautzen. Die zweite Corona-Welle im vergangenen Winter traf vor allem die Pflegeheime hart. Bewohner und Personal waren deshalb die ersten, die sich vor einem Jahr impfen lassen konnten. Das Ziel damals: weitere Ansteckungen und Todesfälle verhindern. Eine vergleichbare Zuspitzung wird es in diesem Winter dank der Impfung wahrscheinlich nicht geben.

Dennoch ist Vorsicht geboten. Denn der Impfschutz lässt mit der Zeit nach. Einige Heime im Landkreis Bautzen haben bereits neue Corona-Ausbrüche gemeldet. Viele Bewohner brauchen jetzt eine Auffrischungsimpfung. Das zeigen auch die Todesfälle, die es kürzlich unter Pflegeheimbewohnern in Brandenburg gab.

Gibt es in Pflegeheimen aktuell Corona-Infektionen?

„Aktuell sind sechs Heime im Landkreis Bautzen von Corona-Ausbrüchen betroffen", berichtet das Landratsamt. Das Gesundheitsamt habe deshalb ein eigenes Team für Pflegeheime eingerichtet. Wie groß die Gefahr ist, zeigt auch der Fakt, dass im Nachbarlandkreis Görlitz Anfang November Corona-Infektionen in 18 Pflegeheimen registriert wurden.

Die Bewohner von Pflegeheimen sind in der aktuellen Situation nach Einschätzung der Regierung des Freistaates besonders gefährdet. Auch deshalb gebe es eine Empfehlung durch die sächsische Impfkommission für Booster-Impfungen. Zum einen für die Bewohner, die bereits Anfang des Jahres geimpft wurden und bei denen der Impfschutz jetzt abgenommen hat. Zum anderen für alle geimpften Mitarbeiter, um die Gefahr einer Übertragung zu reduzieren.

Wie viele Heimbewohner wurden schon geboostert?

Dem Landratsamt liegt nach eigenen Aussagen keine genaue Übersicht dazu vor. „Aus den Erfahrungen des Gesundheitsamtes sind nach wie vor viele Mitarbeiter und Bewohner komplett ungeimpft, und bei den Geimpften fehlt oft die Booster-Impfungen“, teilt die Behörde mit.

Im Bischofswerdaer Heim der Oberlausitz Pflegeheim & Kurzzeitpflege Gesellschaft waren es am Montag 95 Bewohner, die bereits eine Booster-Impfung erhalten hatten. „Von den bislang Geimpften fehlt da noch eine ganze Menge“, sagt Geschäftsführer Sascha Bock. In den beiden Heimen des Arbeiter-Samariter-Bundes in Bernsdorf und Königsbrück beginnen die Booster-Impfungen Mitte November.

Im Malteserstift in Wittichenau beträgt der Anteil der Bewohner mit Auffrischungsimpfung 43 von 79. „Weitere Impfungen stehen hier in den nächsten Wochen an“, fügt Sprecherin Olga Jabs hinzu. Im Caritas-Heim in Kamenz hat bisher ein Viertel der Bewohner die Booster-Impfung erhalten. Weitere Impfungen folgen in den nächsten Tagen.

Wie das sächsische Sozialministerium erklärt, habe man für die Pflegeheime mit der Kassenärztlichen Vereinigung einen Vertrag abgeschlossen, „dass in jedem Heim die betreuenden Hausärzte das Boostern durchführen.“ Das laufe bereits seit Wochen und funktioniere meistens.

Gibt es in Heimen Probleme mit Impf-Zustimmungen?

Ende vergangener Woche teilte das Bautzener Landratsamt mit, dass es bei Booster-Impfungen in Pflegeheimen im Kreis mitunter Schwierigkeiten mit den Zustimmungserklärungen gebe, die durch das Personal nicht an die Angehörigen verteilt würden. „Eine Impfung ist dann nicht möglich“, hieß es.

In einigen Heimen im Landkreis herrscht Verwunderung über diese Aussage. Probleme mit Zustimmungen gebe es nicht, heißt es etwa aus dem Caritas-Altenpflegeheim St. Georg in Kamenz. „Sobald wir einen Termin von den Hausärzten bekommen, händigen wir die Zustimmungserklärungen an die Angehörigen aus. Diese kommen meist zeitnah zurück.“

Schwierigkeiten verneint auch der Arbeiter-Samariter-Bund für seine Heime in Königsbrück und Bernsdorf. Auch hier gebe es eine enge Abstimmung mit den impfenden Hausärzten.

Sprecherin Olga Jabs teilt auf Anfrage mit, dass die Einwilligungserklärungen für die Auffrischungsimpfung im Malteserstift St. Adalbert in Wittichenau und im Malteserstift St. Hedwig in Bautzen bereits im September an die Angehörigen verteilt und Impftermine mit den Hausärzten abgestimmt worden seien. Im Malteserstift St. Monika in Kamenz würden die Hausärzte die Formulare direkt einholen. „Insgesamt verlaufen die Rückläufe eher schleppend, und wir erinnern die Angehörigen, die die Einwilligungserklärungen noch nicht ausgefüllt haben, in regelmäßigen Abständen daran.“ Man nehme gegenüber den Booster-Impfungen aber auch „eine etwas größere Skepsis" wahr.

Auch Sascha Bock, Geschäftsführer der Oberlausitz Pflegeheim & Kurzzeitpflege Gesellschaft, kennt diese Skepsis. Manche Angehörige oder Bewohner würden fragen, warum eine weitere Impfung nötig sei. Dafür sei die Aufklärung oder eine umfassende Belehrung durch die impfenden Hausärzte da. „Wir haben ein Interesse an den Booster-Impfungen, weil wir unsere Bewohner schützen wollen“, erklärt Sascha Bock.

Laut dem sächsischen Sozialministerium ist bei einer Nachimpfung "keine schriftliche Aufklärung erforderlich. Eine formlose Dokumentation über ein erfolgtes Aufklärungsgespräch, auch unter Bezugnahme zu den bereits erfolgten Aufklärungen zu den vorangegangenen Impfungen reicht aus.“