merken
PLUS Pirna

Kreis SOE: Mehr als 10.000 Corona-Positive

Seit dem ersten nachgewiesenen Corona-Fall hat sich inzwischen mindestens jeder 23. Bewohner des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge infiziert. Nicht jeder hat das gut überstanden.

Maskenscanner am Eingang des Krankenhauses in Freital. Immer mehr Menschen tragen jetzt besser schützende FFP2-Masken.
Maskenscanner am Eingang des Krankenhauses in Freital. Immer mehr Menschen tragen jetzt besser schützende FFP2-Masken. © Egbert Kamprath

Im Covid-19-Krisenstab im Landratsamt war das schon einige Tage klar. Nun wurde es amtlich verkündet. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge haben sich seit Ausbruch der Corona-Epidemie mehr als 10.000 Einwohner mit dem Coronavirus Sars-Cov-2 infiziert.

Das Landratsamt vermeldete am Dienstag, dem 5. Januar, die aktuelle Zahl von 10.695. Damit ist das Virus bereits bei jedem 23. Landkreis-Bewohner nachgewiesen worden. Die große Mehrheit hat das ohne größere Komplikationen überstanden. Als aktuell positiv gelten knapp 800 Personen im Landkreis.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

© SZ Grafik

Wie viele Todesfälle gibt es bereits?

Mit leichten Verläufen war von Medizinern genauso gerechnet worden, wie mit sehr schweren Erkrankungen, die mit der Virus-Infektion einhergehen. Für mehr als 400 Menschen aus dem Landkreis endete die Erkrankung sogar tödlich. Vier Fälle davon stammen aus dem Frühjahr 2020.

Hart traf das Virus bislang die ältere Bevölkerung. Von 415 Corona-Todesfällen im Landkreis, die vom Robert-Koch-Institut ausgewertet wurden, waren 328 Menschen mindestens 80 Jahre alt, was 79 Prozent entspricht. 83 Menschen waren zwischen 60 und 79 Jahren alt. Zudem wurden vier Todesfälle von Menschen unter 60 Jahren registriert. Diese vier waren allesamt männlich. Jünger als 35 war niemand. Jeder 590. der rund 245.000 Einwohner im Landkreis ist demnach statistisch als Corona-Toter geführt.

Für ganz Deutschland hat das Statistische Bundesamt seit Mitte Oktober eine Übersterblichkeit ermittelt. In Sachsen war sie besonders hoch. Bis zur 39. Kalenderwoche lag die Zahl der Verstorbenen deutschlandweit zwar noch zwei Prozent unter dem verheerenden Grippe-Jahr 2018. Seit Oktober liegen die Zahlen der Todesfälle aber trotz harter Corona-Maßnahmen weit über denen von 2018.

Was passiert, wenn Intensivstationen voll sind?

Seit dem Herbstmonat steigt auch die Zahl der schwer an Covid 19 Erkrankten. Das Landratsamt veröffentlicht dazu Zahlen, die täglich von "CARUSshare", der Kollaborationsplattform des Uniklinikums Dresden, übermittelt werden. Am 9. Oktober 2020 wurden erstmals vier Patienten genannt, die stationär in Kliniken des Landkreises versorgt werden mussten.

Seit 22. Oktober wird zudem die Zahl an Covid-Intensivpatienten veröffentlicht. Anfangs wurden auch Reha-Kliniken wie die Bavaria in Kreischa mit hinzu gezählt. Die ist jedoch als sogenannte Sekundärklinik nicht für die Notfallversorgung zuständig. Seit 26. November veröffentlicht das Landratsamt nur noch die Auslastung der vier Regel-Kliniken im Landkreis in Pirna, Sebnitz, Freital und Dippoldiswalde.

Demnach war am 7. Dezember zum Meldezeitpunkt erstmals keine Intensivbetten mehr für Covid-19-Patienten im Landkreis frei. Das war nun bereits an elf weiteren Tagen der Fall. Notfälle müssen dann in andere Kliniken gebracht werden, etwa ans Uni-Klinikum in Dresden.

Anfang November stieg die Zahl der stationären Covid-Patienten in den vier Kliniken auf über 100. Am 15. Dezember war der vorläufige Höhepunkt mit 195 Patienten erreicht. Seitdem sinkt er aber kaum. Drei Tage später war mit 33 Patienten der Höhepunkt auf den vier Intensivstationen erreicht. Eine Besserung ist aber noch nicht in Sicht. Am 5. Januar wurden 32 Covid-Intensiv-Patienten gemeldet.

Was hat der Lockdown gebracht?

Beim Ausrufen des leichten Lockdowns in Sachsen am 2. November lag die Zahl der stationären Covid-Patienten in den vier genannten Kliniken im Landkreis bei 103. Weil die Inkubationszeit nachwirkt, stieg die Zahl danach zwar erwartungsgemäß bis 13. November weiter auf 142. Es folgte aber nur ein kurzer Bruch. Dann nahm die Zahl der Patienten weiter zu.

Am 8. Dezember wurde schließlich beschlossen, dass Sachsen am 14. Dezember in den harten Lockdown geht. Bereits seit 15. Dezember ist der Anstieg der Zahl an Covid-Patienten in den vier Kliniken gebrochen. Das überrascht in Anbetracht der Inkubationszeit. Viele Unternehmen und Betriebe hatten aber schon ab 8. Dezember Beschäftigte ins Homeoffice geschickt. Auch privat verzichteten schon ab diesem Zeitpunkt viele auf körperliche Kontakte.

Eine tatsächliche Entspannung der Situation in den Kliniken gibt es aber nicht. Die Zahl der Patienten auf Normalstationen sank nur zeitweise zu Weihnachten etwas. Die der Intensivpatienten liegt seit dem harten Lockdown sogar fast unverändert bei um die 30.

Covid-19-Patienten in den Helios-Kliniken Freital/Dippoldiswalde am 5. Januar 2021.
Covid-19-Patienten in den Helios-Kliniken Freital/Dippoldiswalde am 5. Januar 2021. © Helios-Kliniken

Haben Weihnachten und Silvester die Lage verschärft?

Politiker und Ärzte-Vertretungen, die um die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung bangten, befürchteten insbesondere zu Weihnachten und Silvester ein erneutes Aufleben des Infektionsgeschehens. Die Patientenzahlen im Landkreis geben dazu ein unklares Bild.

Der erneute Anstieg der Patientenzahlen in Kliniken in den letzten Tagen deutet darauf hin, dass die Befürchtungen trotz des harten Lockdowns nicht unbegründet waren. Mit 197 Covid-Patienten am 5. Januar ist sogar der Höchstwert vom 15. Dezember (195) übertroffen worden. Auch die aktuell 32 Intensivpatienten sind einer der höchsten Werte. In einer Woche dürfte sich dann zeigen, ob Silvester dieser Entwicklung einen weiteren Schub gegeben hat.

Die Dauerbelastung der Beschäftigten in den Helios-Kliniken in Pirna, Freital und Dippoldiswalde werden von den Statistiken untermauert, die Helios täglich für jede Klinik veröffentlicht. Sowohl in Pirna als auch in Freital nähern sie sich wieder dem Höchstwert von Mitte Dezember.

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.

Mehr zum Thema Pirna