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Sachsen

Kretschmer: Pandemie-Ende liegt an uns

Mit Maßnahmen wie Impfen bekomme man die Pandemie in den Griff, sagt Sachsens Ministerpräsident Kretschmer. Doch müssten alle an einem Strang ziehen.

Löbau: Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, hat sich bei seinem Besuch im Impfzentrum über die aktuelle Situation informiert.
Löbau: Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, hat sich bei seinem Besuch im Impfzentrum über die aktuelle Situation informiert. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild

Dresden. Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) sieht bei einer möglichen vierten Corona-Welle im Herbst Menschen mit Impfschutz klar im Vorteil. "Sie dürfen keine Einschränkungen haben wie diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen. Das ist keine Diskriminierung", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Die Werkzeuge der Politik seien begrenzt: "Ich halte es für richtig, dass es keinen Impfzwang gibt. Das heißt aber auch, dass man ohne Impfung Nachteile wie das ständige Testen in Kauf nehmen muss." Man habe den Verlauf der Pandemie durch richtiges Verhalten selbst in der Hand.

Kretschmer hatte sich wiederholt mit Sorge über die Impfmüdigkeit in der sächsischen Bevölkerung geäußert. Derzeit ist nur knapp die Hälfte der Menschen im Freistaat geimpft: Nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom Montag liegt die Quote bei 45,6 Prozent. Der Freistaat steht damit bundesweit auf dem letzten Platz - wie bei den Erstimpfungen.

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"Wenn die Zahlen so bleiben, werden wir die Herdenimmunität nicht erreichen", so der Ministerpräsident. Andererseits erziele das Erleben der Krankheit im persönlichen Umfeld oft eine Wirkung. "Geimpft, genesen, getestet - das wird künftig der Zugang zu vielen öffentlichen Bereichen sein - in Läden genauso wie in Restaurants, Hotels oder zu Sportstätten."

"Ein Teil der Gesellschaft steht dem Impfen sehr positiv gegenüber. Ein anderer Teil lehnt es komplett ab", so Kretschmer. Jeder müsse sich klar machen, auf welcher Seite er steht. "Ich finde, wir sollten auf der Seite des medizinischen Fortschrittes und der wissenschaftlichen Erkenntnisse stehen." Allerdings mache auch in einer emotional geführten Debatte der Ton die Musik. Sie müsse in einer Art und Weise erfolgen, dass es nicht zur weiteren Spaltung der Gesellschaft kommt.

"Nicht alles muss unwidersprochen bleiben"

"Ich will niemanden beleidigen und verletzen. Das ist meine klare Ansage an jene, die eine andere Meinung haben als die Mehrheit der sächsischen Gesellschaft. Aber auch sie müssen sich in ihrem Verhalten und in ihrer Wortwahl so respektvoll bewegen, wie sie es von anderen erwarten", betonte der Ministerpräsident: "Niemand muss sich in diesem Land impfen lassen. Wir werben nur dafür. Doch Fake News und bösartige Kommentare zum Impfen müssen wir zurückweisen. Es kann zwar jeder fast alles sagen, es kann aber nicht alles unwidersprochen bleiben."

Kretschmer sieht einen Teil der Unkenntnis in der unterschiedlichen Mediennutzung begründet. Der Anteil der Menschen, die sich über die klassischen Medien Zeitung, Radio und Fernsehen informieren, nehme ab. "Ein Teil der Bevölkerung nutzt andere Informationsquellen. Diese sind zum Teil extrem subjektiv, manipuliert, gefärbt. Man denke nur an diese unsägliche QAnon-Bewegung oder an die Reichsbürger - das macht natürlich etwas mit den Konsumenten." Die Pandemie zeige auch, dass man Aufklärung und einen emanzipierten Umgang mit dem Internet und sozialen Medien brauche. Das sei eine riesige Herausforderung.

Kretschmer: "Wir haben einen Impfstoff, der kostenlos zur Verfügung steht gegen eine Krankheit, die potenziell tödlich verläuft. Was will man eigentlich mehr?"

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Die Pandemie habe die Gesellschaft verändert, etwas mit den Menschen gemacht. "Wir merken das an der seelischen Überforderung vieler." Deshalb sei es wichtig, trotz gegensätzlicher Meinungen geduldig und rücksichtsvoll miteinander umzugehen. Menschen hätten die Gabe, schlimme Dinge vergessen zu können. Deshalb werde es nach der Pandemie auch wieder ein hohes Maß an Normalität geben: "Wir werden 2022 das freie und ungezwungene Leben wiederhaben." (dpa)

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